Helmut Will

"Nur" sechs Gramm Amphetamin hatte ein 29-jähriger Mann aus dem Landkreis Haßberge bei einer Kontrolle durch die Polizei in Haßfurt bei sich. Dafür und vor allem weil er vorbelastet war, erhielt er bei einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Haßfurt eine Freiheitsstrafe von einem Monat - ohne Bewährung. Ob noch weitere fünf Monate, die er schon zur Bewährung "aufgesattelt" hatte, dazukommen werden, müsse noch geprüft werden, sagte die Richterin Ilona Conver.
72 Prozent betrug der Wirkstoffgehalt der "harten Droge", wie Staatsanwältin Hansen in ihrer Anklageschrift darlegte.
"Was soll ich sagen? Ich hatte es dabei", gestand der 29-Jährige vor Gericht.
Kontrolliert hatte ihn die Polizei, wie ein Beamter als Zeuge aussagte, weil er nervös wirkte und als Konsument von Betäubungsmitteln bekannt war.
Laut Bundeszentralregister ist der Mann, der bei seinem Vater in der Firma arbeitet, zweimal vorbelastet. "Es wurde bei Ihnen wahrlich keine große Menge gefunden, aber Sie stehen unter Bewährung", sagte die Richterin, worauf der Angeklagte entgegnete, dass er das Rauschgift "für jemanden besorgt" habe.
Staatsanwältin Hansen machte in ihrem Plädoyer deutlich, dass es nicht besonders klug sei, für "einen anderen was zu beschaffen" - falls das überhaupt stimmen sollte -, wenn man unter offener Bewährung stehe. Auch handele es sich bei dem Amphetamin um eine "harte Droge" und der Angeklagte lege eine Gleichgültigkeit an den Tag, die verwundere. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten ohne Bewährung.
Auf Vorhalt der Richterin, dass der Angeklagte, der ohne Rechtsbeistand erschienen war, auch einen Antrag, wie sein Urteil aussehen sollte, stellen könne, sagte der Beschuldigte: "Einen Antrag stelle ich nicht, aber ins Gefängnis möchte ich nicht."
Dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt, weil er, wie die Richterin in ihrer mündlichen Begründung ausführte, offensichtlich durch eine offene Bewährung nicht beeindruckt werden konnte. "Das war Ihnen offensichtlich relativ egal. Im Gefängnis haben Sie nun Zeit, darüber nachzudenken, wie Sie ihr Leben künftig gestalten wollen", erklärte Conver.
Das Urteil des Amtsgerichts ist noch nicht rechtskräftig.