Michael Busch Ein wenig größer hatte man sich die Jubiläumsfeier schon vorgestellt. Denn seit 1995 besteht die Bücherei in Großenseebach. Im Untergeschoss der Grundschule konnten und können Leseratten und diejenigen, die es werden wollen, über einen separaten Eingang das Land der Träume, der Sachthemen, der facettenreichen Literatur von Autoren aus aller Welt erreichen.

"Doch ein bisschen etwas wollten wir schon machen", erklärt Büchereimitarbeiterin Renate Zankl zusammen mit ihrer Kollegin Ortrud Günther. Denn die Bücherei mit ihren rund 6000 Medien auf 150 Quadratmetern ist ein beliebter Anlaufpunkt in der Gemeinde. Es war eine gute Entscheidung des 1985 amtierenden Bürgermeisters Friedrich Hückel diese Bibliothek einzurichten.

Bürgermeister Jürgen Jäkel zeigte sich bei der kleinen Feierstunde begeistert von der "kleinen, aber feinen Bücherei". Statt großer Feierstunde, Sektempfang und langen Reden gab es "am Ort der Kultur, so etwas ist eine Bücherei ja auch", betonte Jäckel, eine besondere Überraschung. "Die Vorlesende", ein Kunstwerk der Großenseebacherin Marianne Dann steht nun am Weg zur Bibliothek, unweit des Eingangs. "Die Figur zeigt dem Besucher, was ihn drinnen erwartet: Eine Welt der Geschichten, die so viel zu erzählen haben", sagt die Künstlerin. Und ergänzt: "Die eine der beiden Figuren heißt Paula, weil mein Kind in der Bücherei immer von Paula vorgelesen bekommen hat und daher darauf bestand, dass Paula bei dem nun zweiköpfigen Ensemble dabei sein muss."

Auf 150 Quadratmeter gibt es eine Auswahl aus rund 6000 Medien, die ständig aktualisiert werden. Mit Veranstaltungen und Ausstellungen wurde die Bücherei längst auch zu einer kulturellen Einrichtung der Gemeinde und einem Ort der Begegnung, mit Besuchern weit über die Ortsgrenzen hinaus. Coronabedingt wurde die Einrichtung in diesem Jahr allerdings etwas ausgebremst. Stolz sind die beiden Bibliotheksmitarbeiter darauf, dass sie bei den Ortschaften bis 3000 Einwohner immer wieder zu den Top 10 zählen.

Begeisterter Besucher ist Jäckel, gibt dieser zu. "Ich gehöre auch zu denjenigen, die immer wieder einen Café dort trinken und sich mit den Damen austauscht." Eine richtige Lieblingsabteilung habe er aber nicht. "Bedingt durch meine Kinder findet man mich meistens bei den Kinderbüchern", erzählt er grinsend. Vom politischen Sachbuch bis zu Dan Brown geht alles - lediglich bei Fantasy hat ihn die Leselust noch nicht ganz ergriffen.

Die Künstlerin Marianne Dann ist nicht nur eine begeisterte Leserin und Ausleiherin aus der Bücherei, sie unterstützt mit ihren Talenten die Bücherei auch seit Jahren bei den vielen Veranstaltungen. Sie fertigt Keramiken, sie erzählt Märchen und liest gerne vor. Ihre Kunstausstellungen zogen über Jahre hinweg immer zahlreiche Besucher in die Bibliothek. Unvergessen ist die Unterstützung bei den Lesenächten für die zweiten Klassen, die im Grunde Theaterstücke waren.

"Diese Skulptur ist vielleicht der Anfang für einen Skulpturenweg", sagt Zankl. Und hofft damit auf die Nachhaltigkeit eines kleinen, ungewöhnlichen, aber sehr schönem Jubiläums.