Räkelt sich da ein Schweinchen im pinken Pool? Oh ja! Und was für eines. Mrs. Moneypenny macht ihrem Namen alle Ehre. Wie die Sekretärin von M, dem britischen Geheimdienst-Leiter und Chef von James Bond 007, ist auch die tierische Mrs. Moneypenny eine selbstbewusste, stilvolle Dame. Die heimliche Chefin des Hauses hat selbst beim Baden alles im Blick. Und jeden.

Dass das zwei Jahre alte Mikroschwein in den pinkfarbenen Pool und zur fränkischen Familie Königer-Lindemann kam, hat es im Prinzip Eros zu verdanken. Eros ist ein Hund, genau gesagt ein Spinone-Mischling. Er gehörte guten Freunden der Königers. Seine Besitzer hatten immer wieder Schwierigkeiten mit ihrem Vierbeiner. Er büxte regelmäßig aus. Als Eros einmal ein Wochenende und schließlich eine ganze Woche bei den Königers verbracht hatte, wollte er sich gar nicht mehr von seinen Hundesittern trennen. Für seine Besitzern war das ein Zeichen. Sie wollten ihren Rüden glücklich sehen und schenkten ihn den Königers, die er sich selbst als Herrchen und Frauchen ausgesucht hatte. Allerdings wohnte das Paar zu dieser Zeit in einer Stadtwohnung, in der Hunde nicht dauerhaft erlaubt waren. "Also sind wir halt umgezogen", erzählt Stephanie Königer-Lindemann augenzwinkernd.

Ganz so einfach war das natürlich nicht. Aber in Georg Königers Elternhaus im Weindorf Stetten (Kreis Main-Spessart) fanden Georg und Stephanie schließlich ein ideales neues Zuhause. "Wir wollten schon immer viele Tiere haben - und das geht halt am besten auf dem Land." Seit 2017 leben die Krankenschwester und der Krankenpfleger nun mitten im Altort und teilen sich Haus und Innenhof mit Eros, mehreren Meerschweinchen, Chinchillas, Hühnern, den Katern Miro und Paul sowie seit Mai mit dem gut einen halben Zentner schweren Mikroschwein Mrs. Moneypenny.

Liebe auf den ersten Blick

"Schweine sind tolle Tiere, sehr intelligent und charakterstark", sagt Stephanie. "Ich wollte schon lange gern eines haben." Als sie die Annonce einer Familie aus der Nähe von Rosenheim entdeckte, war sie gleich Feuer und Flamme: "Es hieß, dass die Familie mit sieben Kindern sich einen Hundewelpen gekauft hat und dass der sich nun nicht mit dem Hausschwein verträgt", berichtet die 48-Jährige. "Neugierig haben wir die Besitzer angerufen und die haben uns zu sich eingeladen.Naja, und dann war es Liebe auf den ersten Blick." Als es auf Anhieb mit einem gemeinsamen Spaziergang klappte, durfte "Penny" - so der Rufname des Rüsseltiers - noch am gleichen Tag mit nach Stetten reisen.

Dort allerdings stellte sich schnell heraus: "Sie hat ihren ganz eigenen Kopf." Sie spielt zwar für ihr Leben gern - mit Bällen, Stöcken, Pylonen -, "aber nur, wenn sie will, nicht, wenn wir wollen". Sie geht auch für ihr Leben gern spazieren - aber ebenfalls nur, wenn sie selbst Lust dazu hat. "Wenn nicht, ist nichts zu machen. Dann legt sie sich hin und bleibt einfach liegen", erzählt Georg lachend.

"Neulich sollten wir die Kinder im Kindergarten besuchen. Aber Penny hatte andere Pläne." Sauer sind ihre Besitzer in solchen Situationen nicht. Der 55-jährige Krankenpfleger sagt: "Die Tiere sind nicht für uns da, sondern wir für die Tiere."

Mrs. Moneypenny sehe ihn und seine Frau als ihre Rotte an. "Wäre das nicht so, hätten wir ein zweites Schwein gekauft, damit sie sich nicht alleine fühlt. So aber müssen wir lernen zu erkennen, was sie meint und will." Dieser Herausforderung sei man sich stets bewusst gewesen, ebenso wie der Verantwortung, die man als Tierbesitzer immer habe. "Anfangs hat sie uns geschubst und sogar gebissen, sie war manchmal richtig aggressiv. Wir sind trotzdem positiv geblieben. Mittlerweile wissen wir, dass sie vor allem in der Zeit der Rausche, also des Eisprungs, unruhig wird und verstärkt auf Geräusche und Personen reagiert."

Weitaus öfter wedelt Pennys Schwänzchen allerdings lustig von links nach rechts und wieder zurück; daran sehen ihre Besitzer, dass sie sich freut. "Das macht sie zum Beispiel, wenn wir sie beim Spazierengehen von der Leine lassen und sie um uns herumgaloppiert. Das ist total süß", berichtet Stephanie. "Oder wenn sie einen neuen Trick gelernt hat und dafür eine Belohnung bekommt. Dann ist sie durch und durch ein Glücksschwein!"

Penny liebe es, wenn Georg ihr Kunststücke beibringt. Sie wisse inzwischen auch, wo ihre Grenzen sind: Wenn Georg oder Stephi ihr eine Hand vor die "Steckdose" am Rüssel halten, heißt das "Stopp!".

"Stopp!" signalisieren die Königers ihrem Grunzerle zum Beispiel, wenn es sich wieder mal im Auto verstecken möchte oder das Haus gar zu unsicher macht. "Sie darf schon reingehen und sich umsehen. Aber sie soll nicht denken, die ganze Wohnung gehöre ihr!"

Dass Penny sehr reinlich ist, kommt den Königers gelegen - und ihren Kartoffeln entgegen. "Wer sagt, Schweine stinken, der lügt. Penny stinkt kein bisschen. Ihr Geschäft erledigt sie stets am gleichen Platz - und düngt damit die Kartoffeln", erzählt Georg. Und Stephi ergänzt: "Wir hatten noch nie so große Kartoffelpflanzen wie heuer!"

Der tägliche Spaziergang von Mensch und Tier führt seit kurzem oft auf eine nahe Wiese, wo sechs Skutten leben. Das sind Mini-Schafe, deren männliche Vertreter lustig geschwungene Hörner haben. Einen Bock und drei Schafe hat Georg seiner Frau zum Geburtstag geschenkt. Rasch gab es Nachwuchs. "Wie Penny sind auch die Skutten einfach ein großer Grund zur Freude für uns, die wir früher keine Tiere halten konnten", schildert die 48-Jährige ihre Intention, zur vielfachen "Tiermama" zu werden.

Oft sitzt sie alleine oder mit ihrem Mann Georg auf einem Baumstumpf im Skutten-Gehege und genießt einfach die Ruhe. "Die Schafe legen sich zu mir, Penny streunt neugierig herum und Eros bewacht die ganze Meute. Ich liebe diese Momente voller Harmonie. Genau dafür bin ich aufs Land gezogen. Wir haben echt Schwein, würde ich sagen."

INFO: Es gibt viele Auflagen, die man erfüllen muss, um Schweine halten zu dürfen, angefangen von Ohrmarken bis hin zu einem artgerechten Gehege. Man muss sich vor der Anschaffung der Tiere, die bis zu 15 Jahre alt werden können, beim Veterinäramt, bei der Tierseuchenkasse und der Landeskontrollstelle melden. Schweinchen ausschließlich im Haus zu halten, ist nicht möglich - sie müssen grasen, rennen und sich suhlen können.