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Stonies aus Franken

Mit den Rolling Stones verbindet sie nur der Name, aber für Begeisterung sorgen sie auch: Die fränkischen "Stonies" lassen Steine sprechen.
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Jenny Heckel und ihre Söhne Jannik und Moritz sind, im wahrsten Sinn des Wortes, findige Stonies.Diana Fuchs
Jenny Heckel und ihre Söhne Jannik und Moritz sind, im wahrsten Sinn des Wortes, findige Stonies.Diana Fuchs
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Gute Reise! Janniks kleine Finger betten den Stein vorsichtig aufs Moos. Hier, neben einem Baumstumpf am Stadtsee von Iphofen (nahe Drei-Franken-Eck), wird ihn sicher bald jemand finden. Und sich hoffentlich über die aufgemalten Grinsgesichter freuen. "Tschüs!", sagt der Fünfjährige noch. Dann schwingt der Bub sich wieder auf sein Fahrrad. Er hat noch fünf andere bunt bemalte Steine, die er auf die Reise schicken will - auf eine Reise ins Glück.

Ins Glück? "Der Finder sieht ein lächelndes Gesicht auf dem Stein. Und lächelt dann selbst bestimmt auch!", wünscht sich Jenny Heckel, die den Stein bemalt hat - die Smiley-Bettwäsche ihrer Jungs hat sie dazu inspiriert. Janniks und Moritz' Mama ist seit einem halben Jahr leidenschaftliche Sucherin, Finderin und Malerin von FrankenStones. Das sind Steine, die es - bunt bepinselt und nicht selten mit einer Botschaft versehen - in ganz Franken zu entdecken gibt. Mal leichter, mal schwerer versteckt, warten sie darauf, den Findern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern - und dann weiter durchs Land getragen zu werden. Manchmal auch über die fränkischen Grenzen hinaus. Damit der Maler erfährt, wohin sein kleines Kunstwerk gewandert ist, kann der Finder eine Nachricht auf der FrankenStones-Facebookseite posten.

"So kommt man in Kontakt mit vielen anderen Stonies. Das macht echt Spaß", sagt Jenny Heckel. "Und das Malen noch viel mehr." Die 33-Jährige hatte durch eine Freundin von den FrankenStones erfahren. "Meine Kinder und ich haben dann einfach mal einen Stein angemalt und ausgelegt. Und schon waren wir infiziert." Seitdem drehen Mama und Kinder quasi täglich ihre Runden durch ihren Heimatort Iphofen und scannen dabei mit Adlerblicken die Umgebung, vor allem "verdächtige Stellen" wie Astgabeln, Ruhebänke, Geländer, Mauern. Sogar den Ehemann und Papa haben sie schon angesteckt. "Matze bringt von seinen Joggingrunden ganz oft Steine mit", erzählt Jenny Heckel. "Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht zumindest einer von uns etwas findet."

Ihr neues Hobby will die Familie nicht mehr missen: "Beim Suchen ist man an der frischen Luft, bewegt sich und ist immer wieder überrascht, was sich so alles findet! Es ist wie ein Überraschungs-Ei: Spannung, Spiel und Spaß in einem." Es sei super zu beobachten, wie die Kinder sich freuen, wenn sie einen Stein finden: "Schon bevor es losgeht, sind sie ganz aufgeregt", erzählt Jenny Heckel.

Natürlich wollen Jannik und sein kleiner Bruder Moritz (4) auch selbst Steine bemalen und verstecken. Wie gut, dass bei ihrem Opa so schöne runde Kiesel im Garten liegen... Aus ihnen machen die Jungs und ihre Mama kleine Kunstwerke: Glücks- und Wappensteine, Tier- und Blumensteine. "Für mich ist das Malen wie der Ausblick auf das Meer nach einem anstrengendem Tag!", schwärmt Jenny Heckel. "Man kann dabei echt super entspannen - in diesen Zeiten ist das manchmal wirklich nötig! - , einfach runterfahren und an gar nichts denken. 'Festplatte aus' trifft es ganz gut." Auf die Rückseite der Steine malt sie stets das Facebook-Zeichen und die Kurzanleitung: "finden - freuen - posten - auslegen".

Aber was ist, wenn jemand einen gefundenen Stein einfach behält? "Das geht schon, ist aber auch schade. Irgendwie wartet man drauf, dass die eigenen Steine gefunden und gepostet werden. Also ich lasse alle, die ich finde, auch wieder weiter reisen - nachdem ich sie fotografiert und online gestellt habe." Viele ihrer Werke habe sie auf Facebook wiederentdeckt, gepostet teils aus ganz anderen Teilen Frankens, und sich darüber gefreut. Und genau das ist ja das Ziel aller Stonies: Steine bemalen, um den Mitmenschen eine Freude zu machen.

Völlig uneigennützig sind die FrankenStonies aber trotz allem nicht: "Eigentlich brauche ich nicht mehr zu fragen, was wir heute machen wollen", sagt Jenny Heckel mit einem Augenzwinkern, "denn ich bekomme immer die gleiche Antwort: 'Steine suchen!'" So kriegt man Kinder heute an die frische Luft.