Unerwartet heftige Schneefälle haben am Dienstagmorgen den Verkehr im Norden Frankens durcheinandergewirbelt. In Coburg und Würzburg konnten über Stunden die Busse nicht mehr fahren, weil viele Straßen nicht ausreichend geräumt waren. Mancherorts fiel an den Schulen der Präsenzunterricht aus, etwa in Stadt und Landkreis Würzburg oder im Landkreis Kitzingen.

Es gab der Polizei zufolge hunderte schneebedingte Unfälle, vor allem in den nördlichen Landkreisen Bayerns. Betroffen waren auch die Autobahnen. Für die nächsten Tage erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) an den Alpen und in Teilen Frankens wieder Schnee.

Wintereinbruch hat Oberfranken im Griff - mehrere Verletzte bei Glätteunfällen

In Oberfranken war vor allem der Raum Bamberg von Schnee und Eis betroffen. Die Witterungsbedingungen führten im Landkreis in den frühen Morgenstunden zu insgesamt 15 Verkehrsunfällen.

Eine Rollerfahrerin stürzte in Gundelsheim alleinbeteiligt und musste mit einer Beinverletzung in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Bei weiteren Verkehrsunfällen wurden insgesamt zwei Personen leicht verletzt.

Besonders betroffen war der nordöstliche Teil des Landkreises. Dort rutschten mehrere Fahrzeuge in den Graben, stießen auf den Vordermann oder kamen auf die Gegenfahrbahn. Grund war in allen Fällen eine nicht angepasste Geschwindigkeit. Verstöße gegen die Winterreifenpflicht konnten hingegen nur in einem Fall festgestellt werden. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, sowie der Winterdienst waren in den Morgenstunden besonders gefordert. Gegen Mittag hatte sich die Lage normalisiert.

Doch auch in weiteren Teilen Oberfrankens wurden die Straßen zu Rutschbahnen und es kam zu zahlreichen Glätteunfällen. Zumeist blieb es aber bei Blechschäden. Auf der schneeglatten A9 krachte ein Sattelzug zwischen Hof-West und Münchberg-Nord in die Mittelleitplanke. Fahrer und Beifahrer wurden verletzt. Der mit 16 Tonnen Kunststoffteilen beladene Laster sollte mit einem Kran geborgen werden.

Die Polizei in Coburg meldete am Mittwochmorgen in der Zeit zwischen 6 Uhr und 11 Uhr mehr als 30 Verkehrsunfälle in ihrem Zuständigkeitsbereich. In 26 Fällen gingen die Unfälle glimpflich aus und endeten mit Sachschaden. Bei vier weiteren Unfällen verletzten sich die Fahrzeuginsassen und ein Ersthelfer leicht. An Gefällstrecken wie dem Kürengrund oder dem Judenberg blockierten mehrere Lastwagen die Fahrbahn. Den bislang entstandenen Sachschaden schätzen die Coburger Polizisten auf insgesamt mindestens 100.000 Euro

Der Tambacher Berg entpuppte sich als eine der kritischsten Stellen in Oberfranken – insbesondere aus dem Grund, weil es für die eigentlich zuständigen Räumfahrzeuge des Staatlichen Bauamtes Bamberg kein Durchkommen mehr gab. Über Umwege rückten deshalb Fahrzeuge der Gemeinden Weitramsdorf und Ahorn an und halfen mit, dass der Verkehr auf der B 303 wieder in Schwung kommen konnte. Erhebliche Behinderungen gab es nach Unfällen zudem auf der Kreisstraße CO 25 bei Ziegeldorf sowie bei Wiesenfeld. Auch dort wurden die umliegenden Feuerwehren alarmiert, um bei der Verkehrsregelung zu helfen.

Kritisch war die Lage laut der Feuerwehr außerdem auf den Kreisstraßen, insbesondere in Weidach sowie am Prälax und am Stiefvater im östlichen Landkreis. Dort blieben etliche Lkw hängen und Schulbusse landeten im Straßengraben. Kurios: Auf den Langen Bergen, sonst eher als "Schneeloch" im Landkreis bekannt, gab es fast keine Probleme. 

Zu 14 Unfällen musste die Polizeiinspektion Hof am Mittwochmorgen ausrücken. Obwohl es meistens lediglich zu Sachschäden kam, sind auch fünf verletzte Personen zu beklagen. Besonders auf der B173 bei Köditz kristallisierte sich ein Schwerpunkt heraus. Kurz vor 7.45 Uhr geriet zunächst ein Autofahrer aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit ins Schleudern, stieß gegen ein Verkehrszeichen und kam nach rechts von der Straße ab. Gegen 8.15 Uhr wollte eine 22-Jährige mit ihrem Fahrzeug von der B15 kommend nach Moschendorf abfahren. Dabei geriet sie ins Schleudern und touchierte den entgegenkommenden Wagen eines 42-Jährigen. Dieser verletzte sich leicht und wurde durch den Notarzt vor Ort versorgt.

Kurz davor schleuderte in unmittelbarer Nähe ein 25-Jähriger mit seinem Auto wegen der winterlichen Straßenverhältnisse in Verbindung mit schlechten Reifen in den Gegenverkehr. Dort stieß er mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammen. Beide Fahrer zogen sich leichte Verletzungen zu, konnten aber nach einer kurzen Behandlung im Krankenhaus dieses wieder verlassen. Der Sachschaden beläuft sich hier insgesamt auf rund 16.000 Euro. Durch die zum Teil blockierte Fahrbahn und dem damit verbundenen Stau bekamen viele Lastwagenfahrer Probleme beim Anfahren. Sie blockierten zusätzlich die Straße und sorgten für eine zusätzliche Belastung.

Der am Mittwochfrüh einsetzende Schnellfall hatte auch im Landkreis Kronach für zahlreiche Verkehrsunfälle und Verkehrschaos gesorgt. Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Kronach wurden teilweise im Minutentakt Verkehrsunfälle, sowie liegengebliebene Fahrzeuge aufgrund von Schneeglätte mitgeteilt. Auf der B303 bei Schmölz kam es beispielweise zu einem Verkehrsunfall mit drei leichtverletzten Personen und rund 25.000 Euro Gesamtschaden. In Marktrodach hatte sich ein Autoahrer auf der B303 mit seinem Fahrzeug überschlagen und war auf dem Fahrzeugdach zum Liegen gekommen. Der Fahrer konnte sich eigenständig aus seinem Fahrzeug befreien und blieb glücklicherweise nur leichtverletzt. 

Unterfranken versinkt im Schnee - Über 100 Unfälle gezählt

In den frühen Morgenstunden des Mittwochs hat auch in Unterfranken der Winter erneut Einzug genommen. Die Folge waren schwierige Straßenbedingungen im gesamten Regierungsbezirk. Insbesondere in den Regionen Mainfranken und Main-Rhön kam es zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Schwerwiegend verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen glücklicherweise niemand.

Im Zeitraum zwischen 03.00 Uhr und 10.00 Uhr hatte die unterfränkische Polizei insgesamt rund 130 Einsätze mit Wetterbezug zu bewältigen. Die Zahl der unfallbedingten Einsätze, die bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Unterfranken registriert wurden, beläuft sich auf etwa 110. Es handelte sich hierbei überwiegend um Verkehrsunfälle mit Blechschäden. Lediglich sechs Personen wurden nach bisherigen Erkenntnissen leicht verletzt. Schwerwiegende Verletzungen von Unfallbeteiligten sind bislang nicht bekannt.

Gegen 08.00 Uhr erreichte die Polizei die Mitteilung, dass im Rottenbauerer Grund im Würzburger Stadtgebiet gleich zwei Omnibusse von der schneebedeckten Fahrbahn abgekommen waren. Als die Würzburger Polizei am Einsatzort eintraf, standen beide Busse mit den rechten Reifen im Straßengraben.

Eines der Fahrzeuge stand dadurch so ungünstig, dass sich die Türen nicht mehr öffnen ließen. "Die etwa zehn Fahrgäste und der Fahrer mussten durch die Oberluke aussteigen", sagte ein Polizeisprecher. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Im zweiten Bus befanden sich um Unfallzeitpunkt keine Fahrgäste. 

Ein vorübergehender Stromausfall in einem Straßenzug in Üchtelhausen war offenbar die Folge eines Verkehrsunfalls, bei dem ein Autofahrer auf schneeglatter Fahrbahn die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und gegen eine Grundstücksmauer, einen Gartenzaun und einen Stromverteilerkasten prallte. Der Unfall ereignete sich gegen 06.20 Uhr in der Gartenstraße. Auch in diesem Fall wurde niemand verletzt.

In den Morgenstunden ereignete sich auf der A3 Höhe Heidingsfeld ein Verkehrsunfall mit mehreren Fahrzeugen. Durch den Aufprall von einem Auto auf einen Lkw wurden zwei Personen leicht verletzt und vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Berufsfeuerwehr sicherte die Unfallstelle ab und unterstützte bei der Versorgung der Betroffenen.

Busse kommen nicht vom Fleck - Zahlreiche Schulen in Unterfranken bleiben zu

Über Nacht ist der Winter nach Franken zurückgekehrt, doch Schneefall und Eis haben für die Schulen in einigen Städten und Landkreisen sogleich weitreichende Folgen: In einigen Einrichtungen fällt nämlich der Unterricht am Mittwoch (18. Januar 2023) aufgrund des Winterwetters komplett aus.

Wer am Morgen draußen unterwegs war, egal ob mit dem Auto oder zu Fuß, musste aufgrund des Neuschnees besonders vorsichtig sein. Einige Kinder und Jugendliche betrifft dies allerdings nicht: Sie müssen nämlich nicht in die Schule fahren. Im Landkreis Kitzingen sowie in Stadt und Landkreis Würzburg bleiben die Schulen größtenteils zu, wie das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus meldet.

Um sicherzugehen, ob wirklich jede Schule in den betroffenen Regionen geschlossen bleibt, sollten Eltern bei Unsicherheit beim Sekretariat der Schule nachfragen, die ihre Kinder besuchen. Ausfälle in Ober- und Mittelfranken sind derzeit nicht bekannt.

Für die Schüler hieß es in der Region allerdings nicht automatisch, dass der Unterricht ausfällt. Die Schulen können individuell über Distanzunterricht entscheiden. Laut DWD fielen in Würzburg binnen kurzer Zeit rund zwölf Zentimeter Schnee. "Das ist schon beachtlich", sagte ein Meteorologe. Das komme dort nicht so oft vor.

In Würzburg kam es zu massiven Verzögerungen und Ausfällen im Busverkehr, wie die Würzburger Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (WVV) meldete. "Die Busse fahren nur vereinzelt. Es gibt so viel Schnee, dass kein Durchkommen ist", sagte eine Sprecherin des WVV am Morgen. Derzeit seien die Straßen noch nicht geräumt. Fahrgäste sollten auf die Anzeigetafeln achten, um sich über mögliche Verzögerungen zu informieren. Die Straßenbahn sei von den Ausfällen allerdings nicht betroffen, teilte die Sprecherin weiter mit. 

Aber auch aus Oberfranken wurden Schwierigkeiten im Nahverkehr gemeldet. In Coburg konnten etwa die Schulbusse nach Aussagen einer Sprecherin des städtischen Konzerns SÜC nicht fahren. "Bei uns hat es heute Morgen ohne Ende geschneit", sagte sie. Die Räumdienste seien zwar im Einsatz gewesen, seien aber schlichtweg mit ihrer Arbeit nicht hinterhergekommen. Insgesamt konnten sechs Buslinien nicht bedient werden. "Wir schätzen, dass etwa 3000 Fahrgäste von dem Ausfall betroffen waren." Schulschließungen wie in Unterfranken meldete das Kultusministerium für Oberfranken jedoch nicht.

Fahrzeuge kommen nicht durch - In Coburg fährt keine Müllabfuhr

Auf Grund der Schneefälle am Mittwoch und der dadurch eingeschränkten Befahrbarkeit der Straßen kommt es noch bis zum Wochenende zu Verschiebungen bei der Müllabfuhr.

Wie der Fachbereich für Abfallwirtschaft am Coburger Landratsamt mitgeteilt hat, sind von den Verzögerungen Teile der Stadt Seßlach sowie der Gemeinde Weitramsdorf betroffen. Sämtliche nicht geleerten Tonnen werden am Samstag, 21. Januar, geleert. Die Besitzer der Tonnen werden gebeten, ihre nicht geleerten Tonnen an diesem Tag rechtzeitig zur Leerung an den Straßenrand zu stellen

red/sbu/th/dpa