Plötzlich war Daniela Bittner aus der Fränkischen Schweiz nicht nur Mutter von vier Kindern, sondern auch von - zunächst - zwei Rehkitzen, die im Gästezimmer schliefen und alle zwei Stunden ein Milchfläschchen brauchten.

Brezl und Brösl sind Waisenkinder. Brezls Mutter wurde von einem Auto überfahren, Brösls Mutter hatte einen Unfall mit einem Mountainbiker. Ihr Schicksal teilen sie mit vielen anderen Rehkitzen. Seit Jahren sind Polizei und Jagdpächter deshalb mit Jessica Sebald und ihrem Team vom Sternenhof in Gößweinstein in Kontakt. Sebald kennt sich mit der Aufzucht von Wildtieren aus - von Fuchsbabys über Waschbär- und Eichhörnchenkinder bis hin zu Rehkitzen. Heuer bekam sie seit Mai elf Kitze gebracht: "Ohne meine ehrenamtlichen Helfer hätte ich so viele gar nicht aufnehmen können."

Einer dieser Helfer war Daniela Bittner. Der 39-Jährigen machte Anfang Mai zunächst vor allem Brösl, ein sehr zierliches Kitz, Sorgen. "Die Kleine war am Anfang wirklich winzig und schwach - daher auch der Name Brösl. Ich hatte Angst, dass wir sie nicht durchkriegen." Doch an ihren "Bruder" gekuschelt, den ein paar Tage älteren Brezl, und alle zwei Stunden liebevoll mit Lämmeraufzuchtmilch aus dem Babyfläschchen gefüttert, entwickelte sich Brösl wunderbar. Bald stakste sie auf ihren dünnen Beinchen fröhlich durch die Wohnung und hüpfte gerne auch mal auf dem Gästebett herum.

Nach den ersten sehr behüteten Wochen ließ Daniela Bittner die Kitz tagsüber für einige Zeit in den großen, umzäunten Garten. Neben Milch, Wasser, Heu und Stroh gab sie ihnen Buchen- , Himbeer-, Haselnuss- , Obstbaum- und Löwenzahnblätter, klein geraspelte Karotten, Äpfel und Haferflocken. "Und Erde - ihr Verdauungsapparat braucht das." Mitte Juni kam ein erneuter Notfall dazu: die kleine Bella. Nun war das tierische Trio bei den Bittners perfekt. Zum Glück gibt es in der Familie genügend Hände, die die nötigen Streicheleinheiten gern verabreichten.

Täglich wurden Brezl, Brösl und Bella größer und aktiver. "Es war ein wunderschönes Erlebnis, sie aufwachsen zu sehen", sagt Daniela Bittner.

Nach zwei nervenaufreibenden und intensiven Monaten war es Anfang Juli Zeit für den "ersten Abschied": den Umzug in ein Außengatter auf dem Sternenhof, von dem aus die Tiere später in den Wald gelangen. Seither kommt Daniela Bittner täglich nach Gößweinstein und gibt den Kitzen ihre Milch, die diese mittlerweile schon aus Schüsseln trinken können. Normalerweise kommen die Tiere freudig angerannt; es sei denn, Brezl ist wieder mal ausgebrochen.

Eigentlich sollen er und die anderen Kitze noch einige Monate im Gehege bleiben, bis sie wirklich groß und stark genug sind, um in Freiheit zu überleben. "Aber der neugierige Brezl ist schon zweimal ausgebüxt - zum Glück aber wieder heimgekehrt."

Im Frühjahr 2021 wird der "zweite Abschied" jedoch kommen: Dann bleibt das Gatter immer offen, die Ausflüge der Tiere in den Wald werden länger... "Es wird schwer werden, wenn sie nicht mehr zurückkommen. Aber wir wollen das Beste für sie. Und das ist für Wildtiere die Freiheit."

Kandidaten gesucht

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