• In drei fränkischen Stimmkreisen schrammt die CSU hauchdünn an der 50-Prozent-Marke vorbei
  • Die Grünen holen in Franken das einzige von landesweit sechs Direktmandaten außerhalb Münchens
  • Forchheim ist mit 20,4 Prozent der Gesamtstimmen einen Hochburg der Freien Wähler
  • Der Stimmkreis Bamberg-Land verbucht frankenweit auf sich gleich zwei "Bestwerte": die prozentual meisten Stimmen für die AfD und die wenigsten für die SPD
  • Acht der besten Stimmkreise der Bayern-SPD sind fränkisch

Gemessen am Gesamt-Ergebnis haben die Menschen in Franken bei der Landtagswahl 2018 nicht wesentlich anders abgestimmt als die übrigen Bayern. Beim detaillierten Blick auf die einzelnen Stimmkreise offenbart sich aber eine ganze Reihe von Besonderheiten. 91 Stimmkreise gibt es in ganz Bayern, davon entfallen 30 auf Franken (Mittelfranken: 12, Unterfranken: 10, Oberfranken 8). Die Detailanalyse von inFranken.de bezieht sich auf die Anzahl der Gesamtstimmen für die Parteien (Erst- und Zweitstimme zusammengezählt), da diese in Bayern in einzelne Mandate umgerechnet werden.

CSU: drei Hochburgen in Franken

Die absolute Mehrheit verteidigen - dieses Ziel hat die CSU bekanntlich deutlich verpasst. In drei fränkischen Stimmkreisen schrammte sie 2018 aber nur hauchdünn an der 50-Prozent-Marke vorbei: Bad Kissingen (49,8 Prozent der Gesamtstimmen), Haßberge/Rhön-Grabfeld (48,8) und Bamberg-Land (48,1) können sich also zurecht CSU-Hochburgen nennen - und zwar bayernweit. Denn exakt die gleiche Reihenfolge ergibt sich im bayernweiten Vergleich der Stimmkreise. Heißt konkret: Nirgendwo im Freistaat wählten im Schnitt mehr Leute die CSU als in Bad Kissingen.

Wenig überraschend: Frankenweit die schwächsten Ergebnisse hat die Partei von Ministerpräsident Markus Söder in Städten. Im Stimmkreis Erlangen-Stadt sprangen 31,2 Prozent der Gesamtstimmen heraus, in Würzburg-Stadt sogar nur 30,4 Prozent. Schwächster CSU-Stimmkreis ist Nürnberg-Nord, wo die Christsozialen sogar unter 30 Prozent (29,9) rutschen. Söders holte übrigens in seinem eigenem Stimmkreis Nürnberg-Ost als Direktkandidat 38,1 Prozent der Erststimmen, bei den Gesamtstimmen kam die CSU aber selbst dort auf magere 35,7 Prozent.

Die Grünen in Würzburg-Stadt ganz knapp unter 30 Prozent

Die Grünen gehören als zweitstärkste Kraft zu den absoluten Gewinnern der Landtagswahl. Aus fränkischer Sicht herausragend ist diesbezüglich der Stimmkreis Würzburg-Stadt: 29,4 Prozent bei den Gesamtstimmen erreichten sie hier und liegt damit nur einen Prozentpunkt hinter der CSU (30,4). Bei den Erststimmen (29,9) übertrumpften die Grünen gar die CSU (29,2). Damit holte Kandidat Patrick Friedl das einzige von landesweit sechs Direktmandaten außerhalb Münchens.

Deutlich über den Durchschnitt lag Grün außerdem vor allem in Erlangen-Stadt (26,4 Prozent der Gesamtstimmen) und Nürnberg-Nord (25,8). Die geringste Unterstützung aus Franken kam aus Hof (8,8), Kronach/Lichtenfels sowie Wunsiedel-Kulmbach (jeweils 10,0).

In diesem fränkischen Stimmkreis schnitten die Freien Wähler bayernweit am schlechtesten ab

Fränkische Hochburg der Freien Wähler ist Forchheim. Dort gingen an sie stolze 20,4 Prozent der Gesamtstimmen. Auch in Kitzingen (13,3), Miltenberg (13,1) und Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen (13,0) kam der mögliche CSU-Koalitionspartner gut an. Ganz im Gegensatz zu Nürnberg-West: Dort sind die Freien Wähler sogar bayernweit am unbeliebtesten mit 3,9 Prozent Gesamtstimmenanteil.

Die im neuen Landtag erstmals vertretene AfD hat ihre prozentual meisten fränkischen Anhänger im Stimmkreis Bamberg-Land (14,0 Prozent Gesamtstimmenanteil). Dahinter folgen im frankenweiten Vergleich Hof (12,3), Schweinfurt (12,2) und Bamberg-Stadt (12,1). Relativ wenig Anklang fanden die Rechtspopulisten in Erlangen-Stadt (6,6), Würzburg-Stadt (7,0) und und Nürnberg-Nord (7,8).

SPD: In Oberfranken ist das Ergebnis noch erträglich

Die SPD hat bei Landtagswahl 2018 so schlecht abgeschnitten wie noch nie. Desaströs ist das Ergebnis in Bamberg-Land mit 6,1 Prozent Gesamtstimmenanteil - frankenweit der niedrigste Wert. Auch in den Stimmkreisen Forchheim (6,8) und Haßberge/Rhön-Grabfeld (7,6) wurden die Sozialdemokraten abgestraft.

Vergleichsweise gut schnitt die SPD dagegen in Oberfranken ab. In Hof kam sie auf 21,5 Prozent, in Coburg auf 18,8 Prozent und in Wunsiedel/Kulmbach auf 17,2 Prozent - das sind auch die besten Werte aller 91 bayerischen Stimmkreise. Ebenfalls bemerkenswert in Bezug auf das Gesamtergebnis: Acht der Stimmkreise, in den die Bayern-SPD noch die meisten Stimme erhielt, sind fränkisch.

Frankenweit am deutlichsten über fünf Prozent landete die FDP in Würzburg-Stadt (6,7), Aschaffenburg-West (6,2) und Aschaffenburg-Ost (6,1). Dagegen holte sie in Ansbach-Süd/Weißenburg-Gunzenhausen mit 2,7 Prozent ihr zweischwächstes Gesamtergebnis in Bayern. Die Linke würde locker in den Landtag einziehen - jedenfalls wenn es nach fünf mittelfränkischen Stimmkreisen gehen würde: Nürnberg-Nord (7,5), Nürnberg-West (7,4), Fürth (6,2), Nürnberg-Ost (6,1) und Erlangen-Stadt (5,5).

Hier geht es zu den Ergebnissen in den fränkischen Stimmkreisen

Wahl in Bayern: Umfrage zu Gewinnern und Verlierern - Was halten Sie von den Ergebnissen?