Manchmal sind es die kleinen Dinge, die für große Augen sorgen. Oder einen schmunzeln lassen. Plumps - da sinkt ein braun-gelb-gestreiftes Wildbienchen bis über den Kopf ein in eine milchweiße, lieblich duftende Blütenwolke. Man hört es nur noch summen. Als sich die Biene zurück auf die Oberfläche der Mädelsüß-Pflanze gekämpft hat, hängt jede Menge gelb schimmernder Pollen an ihr. Sie sieht aus wie eine kleine Goldmarie mit Flügeln.

Ohne Notiz von ihrer Schönheit zu nehmen, fliegt direkt nebenan ein dreimal so großer, pechschwarzer Brummer einen Muskatellersalbei an. Als die Holzbiene auf dem rosafarbenen Blütenkelch landet, glänzen ihre Flügel plötzlich kobaltblau. Ein Wunder der Natur?

Man kann sich diese Frage ständig stellen, während man an einem sonnigen Tag durch den Aromagarten in Erlangen schlendert. Umgeben von alten Bäumen und der gemütlich dahinfließenden Schwabach warten auf knapp einem Hektar Fläche 120 heimische und exotische Duftpflanzenarten darauf, die Nasen der Besucher zu kitzeln. Dazwischen kreucht und fleucht es wie in dem quirligen Animationsfilm "Die Winzlinge".

Der Aromagarten gehört zur Friedrich-Alexander-Universität. Das Team des einen Kilometer entfernten Botanischen Gartens betreut ihn mit. Was früher der Gemüsegarten der Bezirksklinik war, hat sich von 1979 bis 1981 in eine Oase der Artenvielfalt verwandelt. "Auf chemischen Pflanzenschutz und auch auf dauerhafte Bewässerung verzichten wir", sagt Biologin Elke Puchtler, die Besuchergruppen gern durch den "Vorbildgarten" führt. "Anfassen ist erlaubt - schließlich entfalten viele Pflanzen ihre Aromen erst, wenn man sie berührt", sagt die Fränkin lächelnd, fügt dann aber sicherheitshalber hinzu: "Sträuße zu pflücken oder Pflanzen zu entnehmen, ist natürlich verboten."

Zwischen Absinth und Ysop, Baldrianwiese und Thymianhügel, zwischen Fliederwäldchen und Weinrosenweg kann man sich treiben lassen, einfach der Nase nach. Am Teich lassen sich Frösche, Wasserschnecken, Eidechsen und flirrende Libellen beobachten. Zwischen würziger Schweizer Rucola-Minze und und wohlriechenden Wolken von Kalifornischem Gummikraut, zwischen riesigen Eselsdisteln und winziger Eberraute (Colakraut) gibt es unzählige kleine Schätze der Natur zu entdecken. Es ist der perfekte Ort, zu genießen und zu entspannen.

Das wissen auch Mitarbeiter und Besucher der nahen Unikliniken, die gerne durch das kleine Paradies schlendern. Sie alle hoffen, dass dem 40. Geburtstag des Aromagartens im kommenden Jahr noch viele folgen werden. Denn eines macht ihnen Sorgen: "Das Areal ist eines der letzten Grundstücke der Uni...", weiß Elke Puchtler.

Sie hofft, dass künftige Entscheider den Erhalt des Aromagartens über wirtschaftliche Erwägungen stellen. Denn: Manchmal sind's die kleinen Sachen, die am meisten Freude machen.

Wo und wann? Der Armomagarten in Erlangen liegt im Landschaftsschutzgebiet des Schwabachgrundes (östlich der Innenstadt) und ist täglich von 7 bis 18 Uhr kostenfrei zugänglich. Da er über keine Hausnummer verfügt, gibt man im Navi am besten Palmsanlage 6, 91054 Erlangen ein. Parken kann man im nur wenige Schritte entfernten Parkhaus der Uni-Klinik.

Von April bis Oktober finden immer wieder öffentliche Themenführungen statt. Auf Wunsch können individuelle Führungen für Gruppen oder Schulklassen gebucht werden: www.botanischer-garten.fau.de/fuehrungen