Eine weitere Besonderheit des Aufseßer Brunnens: Der Schmuck sehe auch noch fast genauso aus wie vor hundert Jahren. Von Hand ausgeblasene und bemalte Hühnereier, die an kleinen Fichten hängen – Plastik oder Glitzer sucht man hier vergebens.
Rekordhalter: "Größter Osterbrunnen der Welt" in Franken
Im Durchschnitt benötigt ein Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz etwa 80 Meter Girlandenschmuck und 1800 bis 2000 bemalte Eierschalen, heißt es von der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz.
Doch es geht noch weitaus opulenter: Der Osterbrunnen in Bieberbach bei Egloffstein hat sich mit rund 11.000 Eiern sogar als "größter Osterbrunnen der Welt" einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde gesichert. Dabei handelt es sich auch ausschließlich um echte Eier, die allesamt liebevoll von Hand bemalt wurden.
Wer die schönsten Osterbrunnen in Franken entdecken möchte, findet hier eine Übersicht. Von Bieberbach über Heiligenstadt bis Gößweinstein – die Leser von inFranken.de haben ihre Favoriten gewählt und verraten, wo die beeindruckendsten Kunstwerke stehen. Ganze Busse voller Besucher drängen sich bei Oster-Rundfahrten dann um die Brunnen. Was rund um Frankens größten Osterbrunnen noch alles geboten ist, erfährst du hier.
Von Bieberbach bis Gößweinstein: Die schönsten Osterbrunnen-Routen
Wer gleich mehrere der kunstvoll geschmückten Osterbrunnen an einem Tag erleben möchte, für den bietet sich eine der ausgearbeiteten Osterbrunnen-Touren durch die Fränkische Schweiz an. Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz stellt verschiedene Routen bereit – wahlweise mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß. Besonders beliebt ist laut dem Bayerischen Rundfunk die klassische Rundfahrt, die vom größten Osterbrunnen der Welt in Bieberbach über Egloffstein und Gößweinstein bis nach Heiligenstadt führt.
Für Radfahrer eignet sich besonders die Route von Forchheim, dem "Tor zur Fränkischen Schweiz", über Ebermannstadt bis nach Gößweinstein. Die gut ausgebauten Radwege führen durch malerische Täler und vorbei an zahlreichen geschmückten Brunnen. Wer es gemütlicher angehen möchte, kann die Tour auch auf zwei Tage verteilen und unterwegs in einer der traditionellen Brauereigaststätten einkehren, so die Ausflugsbox.
Wanderfreunde finden ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, die Osterbrunnen zu Fuß zu erkunden. Besonders reizvoll sind die Wanderwege rund um Ebermannstadt, wo mehrere geschmückte Brunnen in fußläufiger Entfernung zueinander liegen. Kartenmaterial und detaillierte Tourenvorschläge mit Kilometerangaben und Höhenprofilen stehen laut der Genussregion Oberfranken auf den Websites der örtlichen Tourismusverbände zum Download bereit.
Handarbeit für die Tradition: So werden Ostereier für den Brunnen bemalt
Hinter jedem prächtigen Osterbrunnen stecken hunderte Stunden Handarbeit – und das beginnt lange vor dem eigentlichen Schmücken. Die Grundlage bilden ausgeblasene Hühnereier, die in mühevoller Kleinarbeit bemalt werden. In vielen fränkischen Gemeinden treffen sich die Einwohner bereits Wochen vor Ostern zu gemeinsamen Mal-Aktionen. Dabei kommen laut NDR sowohl traditionelle Motive wie Blumen, geometrische Muster und religiöse Symbole zum Einsatz als auch moderne Designs.
Die klassische Technik verwendet Acryl- oder spezielle Eierfarben, mit denen die ausgeblasenen Schalen von Hand bemalt werden. Manche Orte setzen auf natürliche Färbemittel wie Zwiebelschalen, Rote Bete oder Kurkuma, um die Eier zunächst einzufärben und anschließend mit feinen Pinseln zu verzieren. Besonders aufwendig sind Wachstechniken, bei denen mit flüssigem Wachs Muster aufgetragen werden, bevor das Ei gefärbt wird – ähnlich wie bei ukrainischen Pysanky-Eiern, wie Heimwerker.de berichtet.
Für einen durchschnittlichen Osterbrunnen werden etwa 1800 bis 2000 bemalte Eierschalen benötigt, für den Rekordhalter in Bieberbach sind es sogar über 11.000 Stück. Die fertigen Kunstwerke werden dann vorsichtig an Girlanden befestigt oder auf Zweigen aufgehängt. In Aufseß-Haag, wo der älteste Osterbrunnen Frankens steht, hält man bis heute an der traditionellen Gestaltung fest: schlichte, handbemalte Eier ohne Plastik oder Glitzer – genau wie vor über 100 Jahren.
Vom Gründonnerstag bis zwei Wochen nach Ostern: Wann die Brunnen geschmückt werden
Das "Brunnenputzen", wie das Schmücken der Osterbrunnen im fränkischen Volksmund heißt, beginnt in den meisten Gemeinden in der Karwoche – also in der Woche vor Ostern. Viele Orte starten bereits am Gründonnerstag oder Karfreitag mit der aufwendigen Dekoration, sodass die Brunnen spätestens am Karsamstag in voller Pracht erstrahlen. In einigen Gemeinden wird jedoch schon zwei Wochen vor Ostern, teilweise sogar ab Palmsonntag, mit dem Schmücken begonnen, so der Naturpark Fränkische Schweiz.
Die geschmückten Brunnen bleiben in der Regel bis etwa zwei Wochen nach Ostersonntag stehen – also bis in die erste oder zweite Woche nach den Feiertagen. Das bedeutet, dass Besucher je nach Ort zwischen Ende März und Mitte April die Möglichkeit haben, die kunstvollen Arrangements zu bewundern. Der genaue Zeitraum variiert von Gemeinde zu Gemeinde, weshalb sich laut Reisehappen ein Blick auf die Übersichten der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz lohnt.
Die beste Besuchszeit ist erfahrungsgemäß die Woche direkt nach Ostern: Die Brunnen sind noch frisch geschmückt, die Osterfeiertage mit ihrem größten Besucherandrang sind vorbei, und das Frühlingswetter lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Wer die Osterbrunnen in Ruhe fotografieren möchte, sollte unter der Woche und am Vormittag kommen – an Wochenenden und Feiertagen kann es besonders an den bekannten Standorten wie Bieberbach oder Heiligenstadt sehr voll werden, wie die Fränkische Schweiz Tourismus berichtet.