Neue Solarenergie-Regeln: Keine Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen mehr

Die Förderung von Solarstrom wird umgestellt und auf die Einspeisevergütung sollte niemand mehr bauen. Das neue Zauberwort, um mit seiner PV-Anlage Geld zu verdienen, heißt Direktvermarktung.

Die Stromförderung bei PV-Anlagen wird grundlegend umgebaut: Für neue Anlagen fällt die feste Einspeisevergütung, garantiert für 20 Jahre, weg. Die Bundesregierung hat sich am Mittwoch, 29. Juli 2026, auf eine Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) und auf eine Veränderung bei den Netzanschlüssen (Netzanschlusspaket NAP) geeinigt, wie das ZDF und die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichten. 

Im Herbst beraten Bundestag und Bundesrat über die Gesetze. Welche Änderungen sind zu erwarten? inFranken.de gibt einen Überblick.

Wie hoch ist die Einspeisevergütung aktuell?

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat es geschafft: Das "Rundum-sorglos-Paket", wie sie die garantierte Einspeisevergütung für kleinere PV-Anlagen bis zu einer Leistung von 10 kWp (Kilowatt-Peak) nennt, wird abgeschafft. Anstatt eines abrupten Ausstiegs gibt es aber ein gleitendes Ende. Davon unberührt sind "Altanschlüsse", die bis zum 31. Dezember 2026 angemeldet sind, und das mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Zusätzlich gelten die Konditionen für die Einspeisung, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mit dem Netzbetreiber gültig sind. 

Von einer "üppigen Vergütung" bei der Stromeinspeisung kann schon bisher nicht die Rede sein: Zwischen Februar und Juli 2026 lag der garantierte Betrag bei einer Leistung der PV-Anlage von maximal 10 kWp bei 7,78 Cent pro Kilowattstunde (kWh), wenn du bereit warst, Teile deines selbst erzeugten Stroms ins Netz einzuspeisen.

Jetzt sinkt die Höhe der Einspeisevergütung für PV-Anlagen erneut. Ab dem 1. August 2026 gelten folgende Sätze:

  • Leistung 10 kWp
    • Teileinspeisung: 7,70 Cent/kWh (vom 1.2. bis 31.7.2026: 7,78 Cent/kWh)
    • Volleinspeisung: 12,22 Cent/kWh (vom 1.2. bis 31.7.2026: 12,34 Cent/kWh)
  • Leistung über 10 bis 40 kWp
    • Teileinspeisung: 6,67 Cent/kWh (vom 1.2. bis 31.7.2026: 6,73 Cent/kWh)
    • Volleinspeisung: 10,24 Cent/kWh (vom 1.2. bis 31.7.2026: 10,35 Cent/kWh)
  • Leistung über 40 bis 100 kWp
    • Teileinspeisung: 5,44 Cent/kWh (vom 1.2. bis 31.7.2026: 5,50 Cent/kWh)
    • Volleinspeisung: 10,24 Cent/kWh (vom 1.2. bis 31.7.2026: 10,35 Cent/kWh)
  • Die Stromversorger verlangen für eine Kilowattstunde aktuell für Bestandskunden etwa zwischen 33 und 37 Cent. Strom von PV-Anlagen einzusammeln, ist also ein profitables Geschäft für die Stromversorger.

    Welche Änderungen sind ab 2027 geplant?

    Am 29. Juli 2026 hat das Bundeskabinett der schwarz-roten Koalition weitreichende Änderungen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg gebracht. Im Kern geht es um Änderungen bei der Einspeisevergütung, die Katherina Reiche (CDU) schon lange zu hoch sind (2026 investierte der Steuerzahler insgesamt 16,5 Milliarden Euro). Im Herbst folgen Beratungen in Bundestag und Bundesrat, die Novelle soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Bis dahin gilt das EEG aus dem Jahr 2023.

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    Es gibt aber auch ab 2027 keinen sofortigen Ausstieg aus den Zahlungen bei der Einspeisung. Neue PV-Anlagen, die zwischen 2027 und 2029 ans Netz gehen, sollen wahlweise eine abgesenkte Übergangszahlung erhalten, bevor sie auf Direktvermarktung umstellen müssen. Noch gibt es für die Direktvermarktung kein funktionierendes System (wenn man mal von ersten Anbietern absieht). Deshalb soll es die Übergangslösung geben.

    Was bedeutet das konkret? Für Solaranlagen mit einer Leistung von 10 kWp, die Anfang 2027 in Betrieb gehen, gibt es eine Vergütung in Höhe von 5,20 Cent/kWh. Sie würde dann einen Cent unter der dann geltenden Einspeisevergütung von 6,2 Cent/kWh liegen. Neue Dachanlagen mit weniger als 100 Kilowatt Leistung sollen künftig höchstens die Hälfte ihrer Leistung ins öffentliche Netz einspeisen dürfen. Eine Volleinspeisung ist also ab 2027 generell nicht mehr möglich.

    Wann beginnt die Direktvermarktung?

    Der Anspruch auf eine feste Einspeisevergütung bei neuen PV-Anlagen oder bei einer Anschlussfinanzierung nach Ablauf von 20 Jahren, wird also schrittweise eingeschränkt: Die Zahlung läuft für jede "berechtigte neue Anlage" 36 Monate lang. Voraussetzung: Eine Solaranlage hat unter 25 kW Leistung und wird vor dem 1. Januar 2029 in Betrieb genommen. Für kleine Anlagen unter 7 kWp läuft die Einspeisevergütung sogar bis 1. Januar 2030. Die Pauschale sinkt, wie gehabt, ab August 2027 halbjährlich um 1 Cent.

    Die Übergangslösung gibt es also nur für drei Jahre, bis 2030. Danach müssen alle PV-Anlagen in die Direktvermarktung gehen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt müssen PV-Anlagenbetreiber ihren überschüssigen Sonnenstrom selbst an der Strombörse verkaufen, wenn sie hierfür Geld haben möchten.

    Wer die Übergangszeit nicht in Anspruch nehmen will, kann alternativ mit seiner PV-Anlage sofort in die Direktvermarktung einsteigen. Dafür gibt es vom Netzbetreiber einen Bonus in Höhe von 1,5 Cent pro kWh zusätzlich zu den Markterlösen. Dieser Bonus gilt allerdings für maximal 48 Monate. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem die Anlage erstmals der Direktvermarktung zugeordnet wird.

    Wie bewerten die Cleantech-Anbieter Enpal und 1Komma5° die Neuregelung?

    Die Cleantech-Anbieter wie Enpal und 1Komma5°, können sich mit der Neuregelung anfreunden. Dabei muss man wissen, dass beide Unternehmen von der Neufassung des EEG profitieren. Beide Firmen sind Anbieter von Energiekomplettlösungen.

    Bei diesen Direktvermarktungen wird der Stromfluss so intelligent gesteuert, dass du immer den günstigsten Strom verwendest. Strom wird genau dann an der Börse verkauft, wenn der Preis hoch ist. So kannst du mit einer intelligent gesteuerten PV-Anlage Geld verdienen. Um die Direktvermarktung zu nutzen, musst du Voraussetzungen schaffen: Du brauchst einen Stromspeicher, einen Smart-Meter und eine intelligente Software, die den Stromfluss steuert.

    Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5° (gesprochen: 1komma5grad), ist davon überzeugt, dass die Abschaffung der Einspeisevergütung auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirkt, sie sei aber "tatsächlich eine riesige Chance". Schall: "Wer den Wechsel in die Direktvermarktung mit einer intelligenten Steuerung kombiniert, kann künftig mehr mit dem eigenen Solarstrom verdienen als mit dem heutigen EEG-Modell." Das Hamburger Unternehmen hatte erst kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass auch die bisherige Förderung für Wärmepumpen staatlichen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen ist. 

    Ist der Stromhandel wirklich ohne Risiko?

    Gleichzeitig habe die Neureglung weitere Vorteile: Sie schaffe das Fundament, um das Stromnetz nachhaltig zu entlasten, "da endlich die Erzeugung, Speicherung, Verbrauch, Kauf und Verkauf in Einklang mit den Signalen des Strommarktes gebracht würden", hebt Schall hervor.

    Privathaushalte müssen für die Direktvermarktung einen Dienstleister wie Enpal, 1Komma5°, E.ON oder Sonnen einschalten und diesen mit dem Stromhandel an der Börse beauftragen. Nur sie können an der Strombörse handeln. Wie das funktioniert und welche Anbieter es bislang gibt, haben wir kürzlich berichtet.

    Enpal sieht darin die neue Zukunft für PV-Anlagenbesitzer, wenn das Unternehmen feststellt: "Eigenverbrauch in Kombination mit der staatlichen Einspeisevergütung wird unattraktiv". Und weil der Markt sich verändert, lässt sich über die staatlich garantierte Vergütung deutlich weniger Gewinn aus dem Verkauf des überschüssigen Stroms erzielen als bisher. Die Cleantech-Firma hat deshalb Enpal.One+ entwickelt, das den "Stromhandel ohne Risiko" möglich macht, versichert die Firma zumindest auf ihrer Internetseite

    Gibt es auch kritische Stimmen?

    Der Branchenverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hingegen sieht in der Neufassung des EEG "fatale Signale": Der Solarausbau würde ausgebremst und Jobverluste in der Branche seien vorprogrammiert. "Die vorgesehenen Einschnitte gefährden Investitionen in Milliardenhöhe und setzen zehntausende Arbeitsplätze entlang der solaren Wertschöpfungskette aufs Spiel. Gleichzeitig droht Deutschland länger von teuren und klimaschädlichen Energieimporten abhängig zu bleiben."

    Wer heute in Solarenergie investieren will, benötigt verlässliche Rahmenbedingungen – "die Regierungspläne schaffen im Falle ihrer Umsetzung jedoch Unsicherheit und eine massive Investitionszurückhaltung", erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Es gibt viele Stimmen die vermuten, dass das Tempo bei der Energiewende erlahmt.

    Besonders kritisch sei die geplante Neuregelung für kleine PV-Anlagen. Die vorgesehene dreijährige Übergangszahlung sei eine "Mogelpackung" und könne einen Wegfall der bislang über 20 Jahre gewährten festen Einspeisevergütung nicht ansatzweise ersetzen. Auch die Direktvermarktung sei technisch nicht umsetzbar: "Das ist absehbar für sie weder technisch noch wirtschaftlich darstellbar. Zusammen mit der Förderstreichung droht hier eine massive solare Investitionsbremse", so Körnig.

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    Vorschaubild: © 1KOMMA5°