Der Jahreswechsel steht vor der Tür. Seit Donnerstag dürfen die Geschäfte Silvesterraketen und Feuerwerkskörper verkaufen. Auch Wetterprognosen werden interessant, schließlich wollen die Menschen die Lichteffekte gut sehen können. Und doch haben diese Feuerwerksraketen erhebliche Nachteile: Die Feinstaubbelastung.

In einem Schreiben informiert das Bundesumweltamt über die extrem hohe Belastung durch Feinstaub gerade an Silvester, wie die Auswertungen von den Daten aus den Messnetzen der Länder zeigen. "Die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdendem Feinstaub ist am ersten Tag des neuen Jahrs vielerorts durch die beim Abschießen der Feuerwerke entstehenden Verbrennungsprozesse so hoch wie sonst an keinem anderen Tag im ganzen Jahr. Um die Gesundheit der Menschen zu schützen, gibt es Grenzwerte für Feinstaub, die üblicherweise und von uns allen gewollt an Silvester überschritten werden", bestätigt Elke Friedrich, Medizinerin am Gesundheitsamt in Forchheim.

Laut Bundesumweltamt werden jährlich 5000 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt. Der größte Teil davon in der Silvesternacht, was ungefähr 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge entspreche. Feuerwerksqualm besteht laut dem Bundesumweltamt aus Feinstaub, dessen nur Bruchteile von einem Millimeter große Partikel erwiesenermaßen gesundheitsschädlich sind.

"Feinstaub kann beim Menschen in die Nasenhöhle und die Luftröhre, sogar bis in die Lungenbläschen eindringen. Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Über die akuten Wirkungen einer kurzfristig hohen Feinstaubbelastung ist wesentlich weniger bekannt als über langfristig erhöhte Konzentrationen in der Atemluft. Die Wirkungen reichen insbesondere für Risikogruppen wie ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen der Atemwege und Kleinkinder von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu vermehrten Krankenhausaufnahmen wegen Atemwegerkrankungen und Herz-Kreislaufproblemen sowie möglicherweise sogar einer Zunahme der Sterblichkeit", sagt Friedrich.

Sinnvoll und empfehlenswert vom gesundheitlichen Standpunkt und der Gesundheitsvorsorge her sei es, die Feinstaubbelastung zu reduzieren. Doch was wäre ein Silvester ohne Raketen und Lichtspektakel?

Das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen ist Tradition. "Ich persönlich kaufe keine Raketen, aber natürlich freue ich mich über einen bunten Himmel um Mitternacht", sagt die Medizinerin. Tritt das für Silvester vorhergesagte Wetter ein, könnte das aus gesundheitlicher Sicht günstig sein. "Kräftiger Wind und auch Regen helfen, die Schadstoffe rasch zu verteilen und die Feinstaubbelastung zu senken", informiert Friedrich.

Die Feinstaubbelastung allgemein ist ein Thema der Grünen. "Ungefähr 47 000 vorzeitige Todesfälle jährlich sind auf die Feinstaubbelastung zurückzuführen", sagt Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. Die Menschen sollten deshalb innerhalb der eingeforderten Grenzwerte leben dürfen.

Was Silvester betrifft, möchte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum den Menschen nicht vorschreiben, wie sie feiern dürfen. "Das soll jeder selbst entscheiden", sagt Badum. "Die weitaus größere Belastung entsteht über das Jahr hinweg durch die Autoabgase", bekräftigt sie. Auf CO2 - und abgasfreie Mobilität zusetzen, ist deshalb ihre Forderung.

Und was Silvester betrifft, sieht Elke Friedrich eine ganz andere Gefahr: "Viel problematischer als die Feinstaubbelastung sehe ich persönlich die Schäden, die durch Knalltraumata entstehen können. Bereits einmalige Ereignisse mit hoher Schallintensität - Knall und Explosionen durch Spielzeugpistolen oder Feuerwerk - können unmittelbar zu dauerhaften Hörstörungen führen. In Deutschland erleiden jährlich mehrere Tausend Menschen zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper mit zum Teil bleibenden Schäden", betont die Chirurgin.

Nicht nur aus ihrer Zeit in der chirurgischen Klinik, sondern auch aus den Medienberichten weiß die Ärztin vom Gesundheitsamt, dass der in der Hand explodierende Feuerwerkskörper die allergrößte Gefahr für die Gesundheit ist: "Jedes Jahr an Silvester haben handchirurgische Kliniken Hochkonjunktur und Menschen erleiden dauerhafte körperliche Schäden."

Info
Feuerwerkskörper bestehen zu zwei Dritteln aus der Hülle: Karton, Holz, Kunststoff und Ton werden dafür verwendet.

Das restliche Drittel entfällt auf die Pyrotechnik. Dafür werden laut Bundesumweltamt Mischungen aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel verwendet.

Für die Farben sorgen Strontium, Kupfer und Bariumverbindungen. Das Strontium bringt die Farbe Rot, Kupfer Grün und Barium die blaue Farbe, sagt Pyrotechniker Thomas Kawala.