Residiert der Gößweinsteiner Bürgermeister bald so wie einst die Fürstbischöfe von Bamberg? Geradezu mit einer Sensation wartete Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) während der Marktgemeinderatssitzung im Pfarrheim auf. Einziger Tagesordnungspunkt sollte der Sachstandsbericht zum Rathausneubau sein. Am Ende war der Beschluss einstimmig: Das Vorhaben, das Rathaus im Pfarrhaus unterzubringen, soll weiterverfolgt werden. Nun sind die Planer des Erzbistums Bamberg am Zug.

Die 25 Zuhörer staunten nicht schlecht, als Balthasar Neumanns Nachfolger Florian Selig in seiner Eigenschaft als Architekt des Erzbistums Bamberg die Pläne zum Umbau des unmittelbar neben der Basilika stehenden historischen Pfarrhauses zum neuen Gößweinsteiner Rathaus vorstellte. Platz genug, sogar auch noch für das Pfarrbüro oder die Tourist-Info, ist in dem prachtvollen dreistöckigen Gebäude. Es wurde einst von Neumanns Mitarbeiter Johann Jakob Michael Küchel in den Jahren 1747 bis 1748 in zentraler Lage mitten auf dem Marktplatz erbaut.

Der Ursprungsplan stammt von Balthasar Neumann, noch bevor das alte und kleinere Pfarrhaus an gleicher Stelle dem so genannten "Schmalzkübelbrand" im Jahre 1746 zum Opfer fiel. Bei möglichen Umbaumaßnahmen unangetastet bleibt der barocke Fürstensaal mit dem Wappen des Fürstbischofs Freiherr Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein.


765 Quadratmeter für die Verwaltung

765 Quadratmeter hätte die Marktverwaltung in dem Barockbau zur Verfügung und im Dachgeschoss sogar noch einen Mehrzweckraum mit Küche, der auch als Sitzungssaal für den Marktgemeinderat genutzt werden könnte. Für ein zweckmäßiges Rathaus bräuchte man nur etwa 550 Quadratmeter Platz. Außerdem wäre auch alles barrierefrei erreichbar, da ein Aufzug vom Keller bis zum Dachgeschoss eingebaut wird.

Zimmermann ging zunächst auf die Historie der Standortsuche für ein neues Rathaus ein: Abriss des alten Rathauses und dort ein Neubau, Kauf des Gasthofes "Rose" mit Umbau, Neubau eines Rathauses auf dem Hallenbad-Areal. Nun kam "Kollege Zufall" ins Spiel.


Schäffners Idee

Nach der Firmung in diesem Jahr in der Basilika, die Generalvikar Georg Kestel hielt, traf sich danach ein kleiner Kreis zum Mittagessen im Scheffel-Gasthof. Dabei war auch Regionalkantor Georg Schäffner. Ihn fragte Kestel welche künftige Nutzung er sich für das fast leerstehende Pfarrhaus vorstellen könnte. So kam Schäffner spontan auf die Idee, dem Generalvikar eine Nutzung als Rathaus vorzuschlagen.

Diese Idee nahm Kestel mit nach Bamberg und besprach Schäffners Vorschlag mit Baudirektor Josef Schwab. Als Schwab bei einem Betriebsausflug des Ordinariates in Gößweinstein mit dabei war, war er von Schäffners Idee begeistert, ebenso Bürgermeister Zimmermann, der spontan dazukam.

Schwab ließ dann von seinem Architekten erste Pläne fertigen, die nun vorgestellt wurden. Für Zimmermann gehört ein Rathaus nach wie vor in die Ortsmitte. Wie Architekt Selig ausführte, könne die Kommune das erste, zweite und dritte Obergeschoss, außer dem Fürstensaal - der aber auch für Trauungen und Empfänge dienen könnte - als Verwaltung nutzen.

Auch eine Verlegung der Tourist-Info vom "Haus des Gastes" in dann zentrale Lage in das Untergeschoss wäre möglich. Sogar Parkplätze hätte man auf der Pfarrwiese hinter dem Pfarrgarten, der eben so erhalten bliebe. Auch hier gehören alle Grundstücke entweder der Kirchenstiftung oder der Pfarrpfründestiftung.

Soweit es der Denkmalschutz zulässt, würde das Pfarrhaus auch energetisch saniert. "Das Rathaus im Pfarrhaus am Marktplatz hat einen gewissen Charme", so die erste Wortmeldung von Peter Helldörfer (CSU). Jürgen Kränzlein (SPD) sah die Unabhängigkeit der politischen Gemeinde als Mieter in Gefahr. Er wolle von Bamberg einen Vertrag auf "Augenhöhe".

"Kein Zweifel, das Pfarrhaus ist ein ganz herausragendes Gebäude", meinte Georg Lang (CSU), der das Konfliktpotenzial bei zwei Herren über ein Haus als sehr hoch einschätzte. "Was kostet uns die Miete", wollte Bernhard Vogel (SPD) wissen, und "wie lange dauert die Bauzeit", war die Frage von Benno Beck (BMG).

"So weit sind wir noch nicht", antwortete Zimmermann. Der Architekt schätzt, dass man nächstes Jahr planen und ab 2019 dann zwei Jahre lang bauen könnte, falls die Regierung entsprechend hohe Zuschüsse bewillige. "Wir dürfen nicht hetzen, denn das ist eine historische Chance", merkte der Bürgermeister an.

Denn für die Vitalität des Ortes brauche man einen lebendigen Marktplatz. Und den kriege man nach Zimmermanns Meinung eben mit einem solventen Eigentümer wie der Kirche und einem solventen Mieter wie der Gemeinde hin. Daher sei die Langfristigkeit in den Vordergrund zu stellen.

"Wir sind eine über 1000 Jahre alte Firma", sagte dazu Schwab mit Blick auf die Gründung des Bistums Bamberg 1007. Laut Schwab müssten die Kirche und die Gemeinde eine gemeinsame Verantwortung wahrnehmen. "So lange ich in der Diözese noch etwas zu sagen habe, werde ich dahinterstehen", betonte der Baudirektor des Erzbischofs.


Ein Blockheizkraftwerk

"Gößweinstein kann sich wirklich über diese Vorlage freuen", betonte Konrad Schrüfer (FWG). Er brachte eine energetische Wärmeversorgung ins Spiel. Auch daran hatte der Architekt bereits gedacht. Denn würde man das kircheneigene marode Wohnhaus oberhalb des Pfarrhauses "Am Kreuzberg 11" wegreißen und dort ein zentrales Blockheizkraftwerk bauen, könnte man nicht nur alle kirchlichen Gebäude bis hin zum St.-Franziskus-Kindergarten mit Fernwärme beheizen. Laut Selig sogar bis hinaus zur Grund- und Mittelschule. Auch viele Privateigentümer in Gößweinstein könnten dann an diese zentrale Fernwärmeversorgung anschließen.

Lang bezweifelte jedoch, dass man die Hackschnitzel in diesem Ausmaß über die engen Straßen auf den Kreuzberg überhaupt liefern kann. Für Daniela Drummer (FWG) steht eine 1000-jährige Firma für Stabilität. "Die Gößweinsteiner Kirche ist offen und geht einen ganz großen Schritt nach vorne. Das finde ich modern und ganz toll", lobte die Lehrerin.

In Miete zu gehen ist aber auch für Dietmar Winkler (CSU) nicht unbedingt erstrebenswert. Er wollte wissen, was die Kirche mit dem Pfarrhaus macht, wenn die Idee mit dem Rathaus nicht zum Tragen komme. "Das Pfarrhaus ist viel zu groß, das kann die Kirche nicht beleben. Wenn es nicht zustande kommt, sehe ich einen weiteren Werteverfall für das Pfarrhaus", antwortete Kirchenpfleger Bernhard Schrüfer.