Fassungslos reagierten die Stadträte auf die jüngsten Versuche der Deutschen Bahn, den ICE-Ausbau in Forchheim auf Kosten der Stadt voranzutreiben. Rechtsrat Till Zimmer hatte dem Planungsausschuss am Dienstag berichtet, dass das Eisenbahnbundesamt den Durchlass unter der Staatsstraße 2243 östlich der Bahntrasse für überflüssig hält. Daher schlug der Rechtsrat den Stadträten vor, vor Gericht zu ziehen, falls die Bahn nicht doch noch Einsicht zeigt.

An der östlichen Seite der Gleise (etwa auf Höhe des Kersbacher Kreuzes) gibt es eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer. Da die Bahn diese Fläche für den ICE-Ausbau benötigt, schloss sie mit der Stadt Forchheim eine Kreuzungsvereinbarung. Darin ist vertraglich festgeschrieben, dass die Bahn die Fläche erhält und dafür zum Ausgleich besagten Durchlass an der Staatsstraße baut.
"Wir haben gute Chancen, den Durchlass auf dem Klageweg durchzusetzen", sagte Rechtsrat Zimmer.

Das Risiko der Klage sei vergleichsweise gering. Schlimmstenfalls blieben Prozesskosten von 30 000 Euro an der Stadt hängen. Die Baukosten für den Durchlass, den die Bahn verweigern will, beträgt dagegen rund eine Million Euro. Der Bitte von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), diesen "Vorratsbeschluss" für eine Klage zu fassen, kam der Ausschuss gerne nach. Gleichzeitig drückten die Räte ihre Wut und ihre Ohnmacht aus: "Die haben einen Vertrag - ich bin fassungslos, was sich die Bahn rausnimmt", sagte Holger Lehnard (CSU).

"Wir müssen knallhart Kante gegen die Bahn zeigen", forderte Manfred Hümmer (FW). Ohne den vertragliche zugesicherten Durchlass sei Kersbach vom Radweg-Netz abgeschnitten, sagte Hümmer und bezeichnete die Bahn-Planer als "unseriös": Die Stadt stelle Baugrund für den ICE-Ausbau zur Verfügung und die Gegenseite halte sich nicht an die Verträge. Auch Annette Prechtel (FGL) konnte ihren Zorn nicht zügeln: "Erneut platzt mir der Kragen." Wiederholt schon habe sie das ICE-Projekt als "Wahnsinnsprojekt" bezeichnet: "Die Nebenwirkungen sind lebensfremd."