Im vergangen Jahr spaltete das Thema die Gemüter im Landkreis Forchheim. Was hat sich seitdem konkret auf den Streuobstwiesen im Landkreis getan?

Im Zuge des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" sollten Streuobstwiesen in Bayern gesetzlich unter Biotop-Schutz gestellt werden. Gegen die Ankündigung liefen Obstbauern Sturm, aus Protest wurden in der Fränkischen Schweiz sogar Bäume gerodet. Die nun verabschiedete Streuobstwiesen-Verordnung halten Naturschützer wiederum für eine "Mogelpackung". Landwirt Gregor Greif aus Gaiganz besitzt Flächen, auf denen hochstämmige und alte Apfel-, Zwetschgen-, oder Birnbäume stehen. Seit Jahrhunderten prägen solche Streuobstwiesen die Landschaft rund um Forchheim und die Fränkischen Schweiz. Und auf den Wiesen schlummern Schätze: Auf Gregor Greifs Grundstück stehen zum Beispiel seit über hundert Jahren meterhohe Birnbäume der Sorten Minister Dr. Lucius und Mollebusch. "Minister Lucius gibt es nur noch ganz selten", weiß Gregor Greif. Ihm hat die Unterstützung des Landschaftspflegeverbands (LPV) Forchheim geholfen.

Wiesenbesitzer unterstützen

Um den richtigen Weg, wie die artenreichen, wertvollen aber gefährdeten Streuobstwiesen im Landkreis erhalten werden können, wurde viel gestritten. "Die Diskussionen waren nicht einfach", weiß Claus Schwarzmann, der Vorsitzende des LPV Forchheim. Der Verband hat ein Streuobstprojekt gestartet, um die Bürgerinnen und Bürger von der Bedeutung der Obstbäume zu überzeugen und sie bei der Erhaltung, Nutzung und Neuanlage zu unterstützen. So wurde bei etwa 200 alten Obstbäumen im Frühjahr und Sommer ein Entlastungsschnitt durchgeführt, so dass sie nicht mehr zusammen brechen können, erläutert Schwarzmann.

Umweltminister Thorsten Glauber (FW) aus Pinzberg hat das Projekt in seinem Heimatlandkreis mit angeregt. Es gebe zudem Überlegungen für ein Streuobstzentrum Fränkische Schweiz, verrät Manfred Mühlbauer, der beim Bayerischen Umweltministerium für Landschaftspflege zuständig ist. "Gemeinsam werden wir den besten Weg finden", sagt Mühlbauer. "In den vergangenen Monaten wurde viel erreicht", betont Schwarzmann. Der LPV hat zwei Obstsammelmaschinen gekauft. Zwei Seilschüttler stehen zum Ausleihen für Streuobstwiesen-Nutzer bereit.

Außerdem plant der LPV zwei Muster-Sortenanlagen für Äpfel und Birnen. Etwa 200 Bäume verschiedener regionaler Sorten sollen noch im Herbst in Weigelshofen und vermutlich in Gosberg gepflanzt werden. Zudem sollen 300 Obstbäume mit Mitteln des Landschaftspflegeverbandes im Herbst angebaut werden. Andreas Niedling, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband, hofft, dass das Streuobst-Projekt durch die Unterstützung des Umweltministeriums weitergeführt wird.

Die Birnbäume von Gregor verdeutlichen, wie wertvoll Streuobst ist. Die Birnen-Sorten sind alt: Minister Lucius wurde Ende des 19. Jahrhundert gezogen; Mollebusch hat seinen Ursprung wohl in Frankreich.

Sortenschätze erhalten

Unten an den beiden Gaiganzer Bäumen hat der Pomologe Wolfgang Subal sogar noch ältere Birnensorten entdeckt. "Hier sind die römische Schmalzbirne und die Jungfernbirne vorhanden, das ist pomologisch höchst interessant", schwärmt Subal. Weil die Besitzer damals je nach Mode ihre Bäume umgebaut haben, tragen einige mehrere Obstsorten an ihren Ästen. Diese Vielfalt an alten Sorten müsse erhalten werden, appelliert Subal.

1650 Hektar Obstanbau-Flächen gibt es im Landkreis Forchheim laut den Daten des Landwirtschaftsamtes. 498 Hektar sind geschätzt extensiv genutzte Streuobstwiesen, 842 Hektar sind als Obstplantagen registriert.

FT-Kommentar: Die Hoffnung bleibt, dass der Streit ums Streuobst im Kreis Forchheim verblüht

von Ronald Heck

Naturfreveler! Enteignungsbefürworter! So schallten im vergangenen Jahr die Vorwürfe über die Streuobstwiesen im Landkreis. Wer den Streit zwischen vermeintlichen Naturschützern auf der einen Seite und der Bauern-Lobby auf der anderen beobachtet hat, der kann ein Jahr danach eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Und weiter Mitleid haben mit den einfachen Streuobstwiesen-Besitzern. Was hat die Diskussion um das erfolgreiche Artenschutz-Volksbegehren und die erfolgreiche Lobby-Arbeit der Gegner zum Wohle der Streuobstwiesen gebracht? Praktisch nichts. Was statt all der Politik konkret hilft: Zum Beispiel eine Schüttelmaschine oder eine Saftpresse. Der LPV machts vor: Zusammenarbeit, Aufklärung, Expertise und Kreativität sollten aufblühen.