Vogelschützer Helmut Schmitt ist verärgert: "Dass im Nachhinein über eine Verordnung die Definition für Streuobstwiesen so geändert wird, dass die für jedermann leicht erkenntlichen Streuobstwiesen doch keinen Schutz erhalten, ist ein Skandal", sagt der Vorsitzende der Kreisgruppe Forchheim des Landesbundes für Vogelschutz (LBV).

Das neue Gesetz zum erfolgreichen Volksbegehren "Rettet die Bienen" stellt Streuobstwiesen in Bayern unter Biotop-Schutz. Vor einem Jahr liefen fränkische Obstbauern dagegen Sturm, es kam aus Protest sogar zu Rodungen in der Fränkischen Schweiz. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) aus Pinzberg stoppte die Biotopkartierung im Landkreis Forchheim und setzte das Verfahren neu auf. Um den verunsicherten Grundstücksbesitzern, die um die Bewirtschaftung ihrer Streuobstwiesen fürchteten, entgegenzukommen, hat die bayerische Staatsregierung unter anderem die Streuobstwiesen-Kriterien neu festgelegt.

Hochstämmig erst ab 1,80 Meter

Seit 1. März gilt die neue Verordnung, welche Streuobstbestände als gesetzlich geschützte Biotope gelten: Demnach erhalten Obstwiesen mit einer Fläche ab 2500 Quadratmetern den Schutzstatus, wenn 75 Prozent der "hochstämmigen" Bäume ihren Kronenansatz ab einer Höhe von 1,80 Metern haben. Zudem dürfen nicht mehr als 100 Bäume pro Hektar stehen, zwischen den Bäumen muss grundsätzlich ein Abstand von zehn bis 20 Metern sein und die meisten Bäume müssen einen Stammumfang von mindestens 50 Zentimeter in einer Höhe von einem Meter haben.

Aufgrund der neuen Verordnung würden viele Streuobstwiesen keinen Biotopschutzstatus erhalten, kritisiert Schmitt. Der LBV hat die neuen Kriterien Ende vergangenen Jahres auf 21 Flächen in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt, Miltenberg und Bamberg angewendet - keine einzige Streuobstwiese habe sie erfüllt, erklärt der Vogelschützer aus Forchheim. "Dass bei Dreivierteln aller Bäume der Kronenansatz über 1,80 Meter Höhe haben muss, ist ein Ausschlusskriterium - denn jahrzehntelang sind nur hochstämmige Obstbäume mit Kronenansatz in 1,60 Meter Höhe gepflanzt worden", verdeutlicht Schmitt.

Auf Nachfrage des FT erklärt Umweltminister Thorsten Glauber, dass der Freistaat Bayern neben dem gesetzlichen Biotopschutz vor allem auf eine verbesserte Förderung setzt: "Wir erhöhen die Förderung von Streuobst von acht Euro auf zwölf Euro pro Baum und Jahr. Die höheren Prämien geben den landwirtschaftlichen Betrieben in unsicheren Zeiten wirtschaftliche Zukunftsperspektiven und Stabilität."

Niedrigere Bäume auch förderfähig

Denn bei der Biotopkartierung soll künftig zwischen hochstämmigen Streuobstwiesen (gesetzlich geschützte Biotope) und Streuobstbeständen ohne gesetzlichen Schutz unterschieden werden, erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums. Die Kartierung erfasst auch "naturschutzfachlich wertvolle" Bestände mit einem Kronenansatz von 160 Zentimetern Höhe, Baumabständen von in der Regel acht Metern und Stammumfang in Brusthöhe von mindestens 30 Zentimetern. Diese Flächen sind künftig zwar keine Biotope, sollen aber genauso über das Vertragsnaturschutzprogramm gefördert werden.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. In den Wiesen tummeln sich bis zu 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Streuobstwiesen beherbergen unter anderem sehr selten gewordene Vögel wie den Wiedehopf, den Steinkauz, den Wendehals und den Gartenrotschwanz. Deshalb hofft auch Vogelschützer Schmitt, "dass die Landwirte dieses lukrative Angebot annehmen und weiterhin ihre Streuobstwiesen bewirtschaften."