Hanna (29) und Marco Rost (28) aus Heroldsbach :

Hanna und Marco Rost aus Heroldsbach waren bereits am Ort des Geschehens. Am 24. Oktober wollten sie sich im Alphotel in Ratschings in Südtirol das Ja-Wort geben. Alles war bestens geplant, die Vorfreude riesig, doch dann kam alles anders. Am Samstag sollte die Hochzeitsfeier mit 80 Gästen stattfinden. Am Montag davor reisten Hanna und Marco Rost im Hotel an. Noch einmal ein paar Tage ausspannen vor dem großen Tag und alles in Ruhe vorbereiten. Das Auto vollgepackt mit dem wunderschönen Hochzeitskleid, dem maßgeschneiderten Anzug und der gesamten Hochzeitsdeko, die Marco Rost in liebevoller Kleinarbeit handgemacht gefertigt hat. "Da war noch alles okay. Doch die Lage spitzte sich so schnell zu. Es war ein riesen Schock", erinnert sich Hanna Rost.

Denn nur drei Tage später, am Donnerstag, wurde Südtirol offiziell zum Corona-Risikogebiet erklärt. Die Hochzeitsfeier war damit erledigt. Das Paar, das bereits 2017 standesamtlich heiratete, musste allen absagen. "So traurig es war, es war auch eine Erleichterung. So hatten wir kein Risiko, dass sich unsere Gäste auf unserer Feier hätten anstecken können", sagt Hanna Rost.

Gäste sagten nach und nach ab

Denn unter den geladenen Gästen machte sich bereits vorab Verunsicherung breit und immer mehr sagten ab. Am Montag zuvor standen bereits nur noch 66 Freunde auf der Gästeliste, am Donnerstag, noch vor der Erklärung zum Risikogebiet, waren es nur noch 42. "Man hat gemerkt, unseren Gästen wurde es auch unwohler."

Statt am Sonntag reisten sie nun also am Freitag unverrichteter Dinge ab und fuhren wieder nach Hause. Der Frust und die Enttäuschung waren groß. "Eine Woche früher hätte alles noch geklappt. Mein Mann kann immer noch nicht drüber lachen oder groß darüber reden", sagt Hanna Rost. Sie versucht, es positiv zu sehen: "Wir mussten die Hochzeit wegen der Pandemie absagen, aber nicht, weil der Mann oder die Frau weg sind. Das wäre viel schlimmer", lacht sie.

Ursprünglich wollte das Paar sogar schon 2018 heiraten. Da jedoch drei Wochen nach dem geplanten Termin der Geburtstermin ihres Sohnes Finn (2) war, sagten sie ab und verschoben die Feier. Und wann wollen sie nun heiraten? "Mein Mann meinte an meinem 30. Geburtstag am 30. April nächstes Jahr. Das ist mir aber noch zu heikel. Aber wir holen es auf jeden Fall nach."

Tanja (32) & Andreas Männlein (25) aus Unterleinleiter :

Ihren Antrag bekam Tanja Männlein im Dezember 2018 im Flugzeug über Paris. Mit der Planung wollten sie und ihr Mann Andreas sich ganz bewusst Zeit lassen und ihre Hochzeit in Ruhe so gestalten, wie sie sich das vorgestellt hatten. Die Traumlocation war schnell gesichert, der Pfarrer und der Termin für die kirchliche Hochzeit im Mai standen fest, die Band war gebucht. "Es lief fast schon zu perfekt. Die Hochzeit rückte näher, die Vorfreude stieg, doch dann kam Corona. Es war wie ein wahrgewordener Alptraum", erinnert sich Tanja Männlein.

Über den Lockdown im Frühjahr war das Paar zunächst froh, mit der Hoffnung, dass bis zum Hochzeitstermin alles wieder vorbei ist. "Die Wochen waren einfach nur Horror und voller Angst und Panik", erinnert sich die Braut.Die Zeit verstrich, Lockerungen waren nicht in Sicht. Die Männleins beschlossen deshalb schweren Herzens, die kirchliche Hochzeit in den Oktober zu verschieben. Die standesamtliche Trauung am 30. April zogen sie durch. Der Polterabend, der im Anschluss geplant war, war jedoch schnell Geschichte.

Brief an Söder

Als die Zahlen der Corona-Infizierten nach dem Sommer wieder stiegen, wuchs bei dem Paar das Unverständnis: "Wie kann unsere Regierung alle in der Weltgeschichte herumreisen lassen mit der Gefahr, dass alles wieder schließen muss? Wir sind extra zu Hause geblieben und haben unsere Hochzeitsreise an die Mosel gemacht." Tanja Männlein schrieb Ministerpräsident Markus Söder sogar einen mehrseitigen Brief. "Ich wollte keine Antwort, ich wollte, dass vielleicht mit ein wenig Glück dort mal verstanden wird, wie es uns Hochzeitspaaren aktuell geht."

Doch nach langen Wochen des Bangens und Zitterns, ob und wie die Hochzeit diesmal stattfinden kann, konnten sich die beiden am 3. Oktober endlich das Ja-Wort geben. Gefeiert wurde mit 90 Gästen im Gasthof Maihof in Köttweinsdorf. "Wir waren so unglaublich dankbar, diesen wundervollen Tag so feiern zu dürfen. Ohne unsere Eltern, Geschwister, Trauzeugen und Freunde hätten wir das alles so nervlich und auch organisatorisch nicht geschafft. Sie haben in der schweren Zeit immer zu uns gestanden."

Marcus Müller vom Landgasthof Lahner in Veilbronn:

30 Hochzeiten hatte Marcus Müller vom Landgasthof Lahner in Veilbronn ursprünglich für 2020 in seinem Terminkalender stehen. Geblieben sind coronabedingt letztendlich nur noch sechs. "Wir haben trotzdem versucht, unseren Gästen alles zu ermöglichen. Und letztlich, so schwierig es war, es war auch ein tolles Jahr, man ist einfach zusammengewachsen", findet Müller.

Doch zunächst war der Lockdown und damit die Schließung seines Gasthofs ein riesen Schock. "Ich hatte kurz zuvor 40 000 Euro investiert in eine neue Spülmaschine, in Geräte für die Sous-vide-Garung, in Gläser, Besteck, Teller und so weiter." Teile der Investitionen konnte er zurücknehmen und auf nächstes Jahr verschieben. "Meine Rücklagen sind aber alle komplett weg."

Doch Müller möchte nicht jammern. Er half vielen seiner Kollegen im Landkreis bei der Beantragung der Corona-Soforthilfe und der Einrichtung sämtlicher Hygienevorschriften. "Ich hoffe, dass wir ab April wieder normal arbeiten und heiraten können." Denn 2021 wäre bei Müller einiges geboten. Dann stehen nämlich ganze 60 Hochzeiten in seinem Kalender. "Viele haben auf nächstes Jahr verschoben."