Das Stadtbauamt Forchheim hat mit Unterstützung des Bauhofs Forchheim drei Fledermaustürme für in Baumhöhlen überwinternde Arten im Bereich Weingartsteig in Burk aufgebaut. Ein externes Planungsbüro hatte zuvor in Zusammenarbeit mit dem Bauamt und der Stadtförsterei die genauen Standorte der Großquartiere festgelegt. Nun wird auf den Einzug der Tiere gewartet.

Wegen der beschlossenen Bebauung eines Teil des Wochenend- und Erholungsgebietes am Weingartsteig werden wohl einige bestehende Fledermausquartiere, die sich dort beispielsweise in kleinen Holzschuppen befinden, verschwinden. Laut Bundesnaturschutzgesetz muss in einem solchen Fall ein vorgezogener Ausgleich für die alten Quartiere geschaffen werden. Möglich ist dies im Falle kleinerer Quartiere im Zuge der Bebauung durch Fledermaussteine in Mauern oder Spaltenquartiere und Nistkästen an Bäumen. Einen Ausgleich für größere bestehende Quartiere bilden sogenannte Fledermaustürme, die es seit einigen Jahren gibt.

Zweigeschossige Kästen

Es handelt sich dabei um zweigeschossige, 1,10 Meter hohe Kästen, die auf ein einbetoniertes, vier Meter hohes und neun Zentimeter starkes verzinktes Eisenrohr gesetzt werden. Die Höhe ist entscheidend, um den Tieren einerseits einen freien Anflug zu ermöglichen, sie andererseits aber auch vor natürlichen Feinden wie Mardern zu schützen. In der oberen Etage befindet sich ein gedämmtes Winterquartier. Darunter liegt das Sommerquartier mit einer Einschlupfmöglichkeit. Das Dach wird mit Bitumenbahnen gegen Witterung geschützt. Durch zwei herausnehmbare Klappen kann außerdem eine Kontrolle der Fledermäuse vorgenommen werden.

Dass das Gebiet Weingartsteig für Fledermäuse weiterhin attraktiv bleibt, ist trotz der mit rund 1300 Euro recht hohen Kosten pro Turm von großer Relevanz. Im untersuchten Lebensraum im Bereich am Weingartsteig konnten insgesamt nämlich gleich 13 verschiedene Fledermausarten verzeichnet werden. Die vielen Obstbäume und das hohe Insektenaufkommen im Sommer laden besonders die Bechsteinfledermaus zum Jagen ein. Aber auch die Zwergfledermaus oder der Abendsegler sind vertreten. Da Fledermäuse nur einmal im Jahr ein bis zwei Junge bekommen, ist ihr Schutz zudem besonders wichtig.

Gerade deshalb musste Bettina Cordes, Biologin vom beauftragten Fachbüro aus Nürnberg, zunächst auch einmal schlucken, als sie von den Bebauungsplänen am Weingartsteig erfuhr. Bei der Fertigstellung des dritten Fledermausturms auf dem Privatgrundstück der Familie Brunnqual zeigte sie sich aber "froh über die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten, Bauen und Naturschutz zusammenzubringen". So etwas habe man selten. Die Brunnquals sehen im Aufbau des Ersatzquartiers vor allem eine Möglichkeit, der Natur nach dem Baugebiet etwas zurückzugeben. Auch Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) lobte die neu installierten Ausweichmöglichkeiten als "tolles Projekt". Das Thema Wohnen liege ihm besonders am Herzen, auch, wenn es um Wohnen für Fledermäuse gehe, sagte er lachend.

Hoffen auf baldigen Einzug

Wie gut die neuen Türme von der bestehenden Fledermauspopulation angenommen werden, müsse man laut Bettina Cordes zunächst einmal abwarten. Noch könne man nicht genau sagen, wann es zum Bezug komme. Sowohl das Stadtbauamt Forchheim als auch das Fachbüro Cordes sowie die Familie Brunnqual hoffen aber auf das Beste.

Bettina und Detlef Cordes werden die Maßnahmen nun noch während der kommenden fünf Jahre durch Monitore begleiten. Danach wird diese Aufgabe in Kooperation mit einem Fledermausexperten an die Stadt Forchheim übergehen. Zuvor sollen an den drei neuen Türmen noch Informationstafeln angebracht werden, um Wanderer und Interessierte in der Umgebung über das Projekt zu informieren.