Die Fränkische Schweiz, eine liebliche Wandergegend; diese Einschätzung alpenbegeisterter Wanderer ist Bernhard Pabst vertraut - und er hält sie auch nicht für ganz falsch. Doch seine Begeisterung geht andere Wege: Der 56-Jährige bevorzugt "vergessen Pfade" und knüpft an die Tradition jener Wanderer des 18. Jahrhunderts an, die in der Fränkischen Schweiz eine "romantisch-wilde" Landschaft entdeckten.
Im Hauptberuf erforscht der gebürtige Ansbacher (mit Wohnsitz in Eckental und Arbeitsplatz in Köln) die mittelalterliche Literatur und Geistesgeschichte. In seiner Freizeit ist Bernhard Pabst seit über drei Jahrzehnten regelmäßig in der Fränkischen Schweiz unterwegs. Diese Leidenschaft hat er jetzt in "33 stillen Touren zu verborgenen Naturschönheiten" dokumentiert. "Vergessene Pfade" hat Pabst sein Buch betitelt, das überraschende Wege nicht nur in die Fränkische, sondern auch in die Hersbrucker Schweiz bahnt.

Interview

Wer ein Wanderbuch "Stille Pfade" nennt, muss sich fragen lassen, ob verborgene Naturschönheiten allgemein bekannt gemacht werden sollen? Ja, sagt Bernhard Pabst - und begründet: "Nur wenn mehr Menschen den wahren Wert dieser Landschaft kennen, werden sie sich auch für ihren Schutz und ihre Pflege einsetzen." In einem Interview spricht Bernhard Pabst über seine Wander-Leidenschaft.

Können Sie sich noch erinnern, bei welcher Wanderung oder Gelegenheit die Grundidee für das Buch entstand?
Bernhard Pabst: Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich der Tag vor gut zehn Jahren, an dem ich erstmals auf die Gaiskirche stieß. Ich erkundete an diesem Tag die Felsformationen am Hang hoch über dem Wiesenttal südöstlich der Schottersmühle und rechnete mit ein paar imposanten Felswänden, als ich plötzlich vor einer gewaltigen Höhlenruine stand, die an eine verfallene gotische Kathedrale erinnert - für mich das größte oberirdische Naturwunder der Frankenalb, das übrigens bis heute in keinem anderen Wanderführer, keiner Karte, keiner Naturdenkmal- oder Geotop-Liste verzeichnet ist. Als dann Jahr für Jahr klarer wurde, dass dies kein Einzelfall ist, sondern dass zwei Drittel der spektakulärsten Naturdenkmäler der Region fernab der markierten Wege liegen, reifte die Überzeugung, dass sicher viele andere Naturfreunde an diesen verborgenen Schönheiten ihre Freude haben würden.

Haben Sie eine Lieblingstour, die Sie immer wieder gehen? Oder einen speziellen Ort in der "Fränkischen", den Sie immer wieder aufsuchen?
Neben der Gaiskirche, Tour 9 im Buch, gibt es ein paar Dutzend Orte, die mich, als ich zum ersten Mal dorthin vordrang, in Staunen versetzt und bei zahlreichen Besuchen immer aufs Neue fasziniert haben. Dazu gehört etwa das völlig vergessene Felsgebiet südlich von Türkelstein mit dem riesigen Durchgang der Geißkirche und dem Felskessel namens Gesteinig, der mit vier malerischen Felsentoren aufwartet. Oder die versteckte Felskanzel beim Katzenkopf hoch über Leutenbach mit ihrer traumhaften Aussicht. Oder das große Karstgebiet des Sackdillinger/Krottenseer Forstes, in dem ich jedes Jahr mehrmals unterwegs bin und immer wieder neue verborgene Wunder entdecke ...

Sagen Sie uns etwas über Ihre Wander-Haltung: Sehen Sie das Wandern eher als Bildungserlebnis? Als Meditation? Als Natur-Erlebnis?
Für mich steht das Natur-Erlebnis im Zentrum, das aber zugleich ein Instrument der Bildung, früher hätte man gesagt der Herzensbildung, ist. Wandern schafft einerseits eine innere Ruhe, eine Loslösung von der Alltagshektik, andererseits sorgt es für die nötige Distanz gegenüber unserer übertechnisierten Lebenswelt, indem es uns die vielen schützenswerten Wunder der Natur vor Augen führt, die kein Mensch jemals erschaffen könnte.

Wandern Sie bevorzugt alleine oder in der Gruppe?
Ich bin vorrangig alleine, bisweilen auch mit Mitgliedern meiner Familie unterwegs, vor allem deshalb, weil man als Fotograf einen ganz anderen Wanderrhythmus hat als andere.

Das Gespräch führte
Ekkehard Roepert.