Christian Reichel staunte nicht schlecht darüber, was er auf dem Weg zur Arbeit vorfand. Der junge Polizistenpraktikant lief in Weiher auf seinem Weg zur Dienststelle der Polizeiinspektion Erlangen-Land in Uttenreuth an einem überfüllten Kleidercontainer vorbei. Lautstarkes Piepsen ließ den Dienstanfänger aufhorchen und den Kleidercontainer näher inspizieren. Tatsächlich befand sich zwischen den Kleidungssäcken ein Nest, in dem es sich ein Hausrotschwanzpärchen gemütlich gemacht hatte und es nun eifrig den Nachwuchs großzieht. Es waren die Jungvögel, die sich lautstark Gehör verschafften und bei ihren Eltern mit dem aufgeregten Piepsen um Nahrung bettelten. In der Dienststelle angekommen, handelten die Beamten schnell und setzten sich mit der Gemeinde Uttenreuth und dem Bayerischen Roten Kreuz in Erlangen, den Verantwortlichen für die Altkleidercontainer, in Verbindung. "Die Geschäftsstelle hat auf unseren Hinweis auf das Vogelnest sofort reagiert und die Leerung bis Juli gestoppt. Sehr schnell hat auch die Gemeinde Uttenreuth reagiert, eine halbe Stunde nach Schilderung des Sachverhalts im Rathaus war ein Mitarbeiter des Bauhofs mit drei Absperrbaken vor Ort", informiert Christoph Reh, der Tierschutzbeauftragte der Polizeiinspektion Erlangen-Land. Da die Gefahr bestand, dass der Container geleert werde und die Vögel dadurch Schaden nehmen, wurde der Container mit der Unterstützung der Gemeinde Uttenreuth für die nächsten drei Wochen abgesichert. Das Rote Kreuz verzichtet in dieser Zeit auf die Leerung des Containers. "Vielen ist nicht bekannt, dass alle europäischen Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz einen besonderen Schutzstatus haben. Dies gilt auch für die Nester und die Brut", erklärt Christoph Reh. Er appelliert: "Während der Brutzeit dürfen die Tiere nicht gestört oder beunruhigt werden. Gerade jetzt, wo viele Jungvögel flügge werden, kann deren Start ins Leben erleichtert werden, indem beispielsweise auch Regenfässer und Lichtschächte abgedeckt werden, damit Jungvögel nicht hineinfallen."