Der Unfall liegt über vier Jahre zurück. Aber jener Moment vom Herbst 2015, als Ann-Kathrin Ott mit ihrem Renault auf die Gegenfahrbahn schlitterte, wirkt bis heute nach. "Ich bin in nassen Kurven nicht mehr so belastbar", sagt die 40-Jährige.

Auf dem Weg zur Arbeit, ist Ann-Kathrin Ott auch nach dem Unfall hunderte Male auf der Straße zwischen Effeltrich und Kersbach unterwegs gewesen. Jedes Mal, wenn sie sich der Kurve nähert, fährt sie besonders vorsichtig. Nicht nur, weil sich die Unfallfolgen tief in ihre Erinnerung eingegraben haben; sondern auch deshalb, weil sich an der Gefährlichkeit der Unfallstelle im Prinzip nichts geändert habe.

Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2015, war die Straße feucht und der Belag schmierig. "Ich hatte Mitschuld am Unfall, weil ich mit leicht überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war", sagt Ann-Kathrin Ott. "Aber vielleicht wäre bei einem besseren Straßenbelag nichts passiert."

Kämpft bis heute an Folgen der Knieverletzung

Sie fuhr damals etwas schneller als 70 Stundenkilometer, erlaubt waren 70. Sie rutschte auf die Gegenfahrbahn und stieß frontal mit einem 61-Jährigen Astrafahrer zusammen, der sich glücklicherweise nur leicht an der Schulter verletzte. Ann-Kathrin Ott dagegen kämpft bis heute mit den Folgen ihrer Knieverletzung.

Was sie zudem belastet: Von der Strecke gehe unverändert Gefahr aus. Nach ihrem Unfall sei zwar die Decke auf der rechten Straßenseite (von Effeltrich aus gesehen) ausgebessert worden; das Tempo sei vorübergehend auf 30, dann auf 50 Stundenkilometer begrenzt worden. Doch es könnte viel mehr für die Sicherheit getan werden, ist Ann-Kathrin Ott überzeugt. Das "Bankett insgesamt" sei in einem schlechten Zustand - und an vielen steilen Abschnitten der Straße fehlten Leitplanken. "Ich bin damals glücklicherweise in eine Leitplanke gefahren."

Druck aufbauen

Auch ihr Mann, Thorsten Grießhammer-Ott, ist verärgert, dass seit dem Unfall seiner Frau nicht mehr verbessert wurde: "Es ist lange bekannt, dass dort eine heftige Unfallstelle ist. Schon 2016 war der Ausbau beschlossen. Ich verstehe nicht, dass selbst das Minimale noch nicht gemacht ist." Daher

müsse jetzt über die Politik "Druck aufgebaut" werden, ist Thorsten Grießhammer-Ott überzeugt.

Wiederholt hat sich das Ehepaar Grießhammer-Ott mit Matthias Fischbach über das Problem ausgetauscht. Der Landtagsabgeordnete der FDP, der selbst in Effeltrich wohnt, warnt: "Der Freistaat sollte bald handeln und nicht warten, bis es wieder zu schweren Unfällen kommt."

Im Januar hatte sich Fischbach an das Verkehrsministerium gewandt, weil es zwischen Kersbach und Effeltrich "immer wieder kracht" und die Strecke in "mit Rissen und Unebenheiten gesät" sei. Insbesondere die enge Kurve im Wald habe es in sich.

Der Schriftverkehr mit dem Ministerium offenbart, dass die Straße längst besser ausgebaut sein könnte (siehe Info-Box). Kommentar Fischbach: "Seit vier Jahren scheint außer ersten Voruntersuchungen noch nicht viel passiert zu sein. Dabei wäre ein Ausbau schon länger dringend geboten. Der Landtag debattiert gerade eine Aufstockung der Straßenbaumittel. Ich fordere die Staatsregierung auf, das als Anlass zu nehmen, um endlich einen klaren Umsetzungszeitraum in Aussicht zu stellen."

Unfallstrecke zwischen Kersbach und Effeltrich

Unfallhäufung In einem Schreiben an das Verkehrsministerium vom Januar erinnert MdL Matthias Fischbach (FDP) daran, dass die Straße zwischen Effeltrich und Kersbach "von 2012 bis 2014 sogar als Unfallhäufungsbereich galt". Auch nach zusätzlicher Markierung und Beschilderung sei es "in den vier Jahren danach immer noch zu insgesamt 33 Unfällen zwischen beiden Orten" gekommen.

Unfallopfer Vierzehn Menschen wurden seit 2015 (bis 2018) bei Unfällen auf der Straße zwischen Effeltrich und Kersbach verletzt, drei davon schwer. Aus dem Schriftverkehr des Landtagsabgeordneten Fischbach an das Verkehrsministerium geht hervor, dass die Unfallkommission 2016 auf der Unfallstrecke "Deckenbaumaßnahme mit Verbesserung der Querneigung" beschlossen hatte. Bis jetzt habe das Staatliche Bauamt in Bamberg aber "lediglich Voruntersuchungen" für einen Ausbau des Streckenabschnitts durchgeführt, bedauert Fischbach. Eine konkrete Antwort vermisst der Abgeordnete zudem auf seine Frage nach "Umsetzungsdauer und Kosten" der geplanten Maßnahme.