Seit Mitte Februar 2016 sind zwischen Forchheim-Süd und Baiersdorf Archäologen tätig. Vor Beginn des Abschnitts Forchheim zum viergleisigen Ausbaus der-Bahntrasse Nürnberg-Ebensfeld Richtung Berlin werden die Bodendenkmäler, die sich auf einer Länge von rund fünf Kilometern innerhalb der von zwei auf vier Gleise zu erweiternden Bahn-Trasse befinden, gesichert.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) betreut die Grabungen fachlich und dankt der Deutschen Bahn (DB) für ihren Einsatz für die Regionalgeschichte.

Die unmittelbare Nähe zu bekannten Bodendenkmälern und die siedlungsgünstige Lage auf der Niederterrasse der Regnitz waren der Grund für die archäologische Begleitung. Bisher konnten drei bis dahin unbekannte Siedlungen, davon zwei vorgeschichtliche und eine mittelalterliche, entdeckt und ausgegraben werden.

In der mittelalterlichen Siedlung entlang der Bahntrasse wurden neben Pfosten- und Kellergruben auch zwei ehemalige Brunnen dokumentiert. In einem der Brunnen befand sich noch ein gut erhaltenes Rindengefäß, das vermutlich zum Wasserschöpfen genutzt wurde. Dieses wird momentan im Labor für Dendroarchäologie des BLfD untersucht, ebenso Holzproben zur genauen Datierung der Siedlung.

Anhand der Datierungsmethode der Dendrochronologie lässt sich das genaue Alter der gefundenen Hölzer ermitteln und somit Rückschlüsse auf das Alter der Siedlung getroffen werden.


Südlich des Augrabens

Aktuell konzentrieren sich die Ausgrabungen auf den Bereich südöstlich der Augrabensiedlung zwischen Kersbach und Forchheim. Auf beiden Seiten der Bahntrasse befinden sich Reste einer eisenzeitlichen Besiedlung (Zeitraum zwischen 1300 bis 700 vor Christus).

Anhand der gefundenen Pfostengruben können Gebäudegrundrisse verschiedener Größe rekonstruiert werden. Neben den Wohngebäuden sind auch zahlreiche Speichergebäude und Siedlungsgruben dokumentiert worden. In diesen fanden Archäologen charakteristische Gefäßreste aus gebranntem Ton, die die Siedlung in die Eisenzeit datieren.


Überraschende Entdeckung

Überraschend war die Entdeckung eines knapp 600 Quadratmeter großen Bereichs, der ursprünglich durch eine hölzerne Palisade umgeben war und der damit diesen Bereich von der restlichen Siedlung abgrenzte. Im Norden dieser Anlage befanden sich innerhalb eines 2,40 Meter breiten grabenlosen Abschnitts zwei Gruben, die zeigen, dass der Zugangsbereich ursprünglich durch zwei massive Holzpfosten verengt wurde, die einen Hinweis auf ein Holztor geben.

Überschneidungen mit anderen Befunden aus der Urnenfelderzeit zeigen, dass diese Einfriedung bereits vor der Eisenzeit errichtet wurde. Die archäologischen Untersuchungen, die noch andauern, geben damit völlig neue Einblicke in die weit zurückliegende Besiedlungsgeschichte dieses Raumes.