Chorgesang könnte keinen besseren Resonanzraum finden als in den Mauern eines ehemaligen Klosters. Und für die Revitalisierung eines solches baulichen Denkmals gibt es kaum eine bessere Nutzung als ein Zentrum zu werden zur Bewahrung und Weiterentwicklung eines traditionsreichen Kulturgutes: des gemeinsamen Singens. Pathetisch ausgedrückt: Mit dem Umbau des im Jahre 1053 gegründeten Benediktinerklosters Weißenohe in eine Chorakademie des Fränkischen Sängerbundes findet zusammen, was zusammen gehört.

Als "Schrottobjekt" erworben

Die schwere Türe des Prälatenbaus, die Fördervereinsvorsitzender Eduard Nöth öffnet, gewährt einen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Gebäudes. Blickfang ist das prächtige historische Treppenhaus, das in Räumlichkeiten führt, die den einstigen Glanz der barocken Residenz noch erahnen lassen. Dazu gehört das ehemalige Prälatenzimmer.

Andere Räume haben ihr historisches Gesicht hingegen völlig verloren. Auf ein Relikte der wenig ruhmreichen jüngeren Geschichte des Gebäudes stößt der erstaunte Besucher gleich im Erdgeschoss: eine Bar aus Edelholz, verstaubt aber mit allem Inventar, stammt noch vom Vorbesitzer - einem Immobilienfonds, der den Prälatenbau umbauen und als exclusive Wohnanlage vermarkten wollte. Aber das Projekt scheiterte. Von den hochtrabenden Plänen zeugen noch komplett eingerichtete Badezimmer im ehemaligen Kreuzgang.

Wie der Fränkische Sängerbund auf die als "Schrottimmobilie" angebotene Klosteranlage aufmerksam wurde, klingt kurios. Das hänge mit den unrühmlichen Neonazi-Aufmärschen in Gräfenberg zusammen, erklärt Edurd Nöth. Damals habe sich eine solche Gruppierung für das Gebäude interessiert - doch der damalige Schatzmeister de Fränkischen Sängerbundes, Herbert Meier, der die Situation erkannt habe, sei denen zuvorgekommen. So konnte der Sängerbund das ehemalige Kloster zu einem symbolischen Preis von einem Euro erwerben.

15 Millionen Sanierungskosten

"Der in der Auflösung begriffene Immobilienfonds war froh das Objekt los zu sein - und der Sängerbund kann sich freuen ein geeignetes Domizil im Herzen der fränkischen Bezirke erworben zu haben", so Nöths Fazit.

Dies alles sei aber mit einer großen Herausforderung verbunden. "Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes und der Bau des Gästehauses belaufen sich auf zirka 15 Millionen Euro", betont Fördervereinsvorsitzender Nöth. Dafür gräbt der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete alle möglichen Fördertöpfe an: Im August erst richtete er eine Resolution an den Ministerpräsidenten Markus Söder und die Bayerische Staatsregierung, mit der Bitte das geplante Chorzentrum als modellhaftes Bildungs- und Schulungszentrum, als Fortbildungs- und Begegnungsstätte des Fränkischen Sängerbundes, für die Kinder-, Jugend-, Schul- und Erwachsenenchöre und Lehrkräfte aller Schulen anzuerkennen und bestmöglichst zu fördern. Darüber hinaus gehe es auch um die Stärkung des Tourismus in der Region. Nöth zeigt sich zuversichtlich: "Am kommenden Montag erhoffen wir uns eine erste Antwort aus dem Heimatministerium". Ziel sei es 2019 mit dem Umbau zu beginnen. "Mit der Fertigstellung rechnen wir 2022."

Daten und Fakten

Der Fränkische Sängerbund vereint fast 1800 Chöre und zirka 90 000 Mitglieder.Die Chorakademie soll zentrale Tagungs- und Bildungsstätte für Chöre werden. Weitere Aktivitäten: die Ausbildung in Laienmusik für Kinder und Erwachsene. Es sollen Proben- und Seminarräume nebst einem Sängermuseum und einem Gästehaus entstehen.