Es wird gemäht. Schon jetzt brettern die ersten Mähwerke über die Blumenwiesen, in denen sich sämtliche Bodenbrüter verstecken. Nicht nur junge Rehkitze, auch Fasane. "Einen handgroßen Junghasen konnte ich gestern aus der Wiese holen", sagt Uli Wagner.

Er ist der Pilot einer hochwertigen Drohne mit Wärmebildkamera, die in unglaublicher Geschwindigkeit große Felder abfliegt und genau anzeigt, wo sich eines der jungen Wildtiere an den Boden drückt, um Schutz vor dem messerscharfen Mähwerken zu finden.

Wird das Tier von ihnen übersehen, bedeutet es unsägliches Leid. Das hat Christoph Reh, der Tierschutzbeauftragte der Polizei Erlanger Land erlebt, als in Neunkirchen ein angemähtes Reh gefunden wurde. Das Tier hatte unendliche Qual.

"Nachdem im letzten Jahr in Neunkirchen wegen eines angemähten Rehkitzes ein Strafverfahren gegen den Mähwerkfahrer und den Grundstücksbesitzer eingeleitet werden musste, habe ich in diesem Jahr bereits viele positive Rückmeldungen der örtlichen Jäger bekommen. Die Mehrzahl der Landwirte setzt die Vorgaben des LfL-Mähknigge um und führen die vorgeschriebenen Präventionsmaßnahmen durch. Dazu beigetragen haben einige Neunkirchner, die 45 Wildscheuchen gebastelt und über die Jäger den Landwirten zur Verfügung gestellt haben", erklärt Reh.

Seit diesem Jahr gebe es auch eine neue Schutzvorschrift: Wiesenflächen über einem Hektar dürfen nicht mehr von außen nach innen gemäht werden, um dem Wild eine gedeckte Flucht zu ermöglichen. "Leider gibt es immer noch einige Landwirte, die eine gewisse Beratungsresistenz aufweisen. Aus diesem Grund werden Verstöße weiterhin mit aller Konsequenz verfolgt", sagt Reh.

Für die Landwirte kostenlos

Das macht auch Peter Stumpf, Jagdrevierleiter aus Niedermirsberg, der vor etlichen Jahren ein Kitz gefunden hat, dem alle vier Läufe abgemäht wurden. "Das Reh schaut dich mit den Augen an, weiß nicht, was geschieht. Ich muss es töten, aber nicht mit dem Gewehr", erklärt Stumpf. Der Bauer, der die Wiese nicht absuchen ließ, musste bei der Tötung zustehen. Darauf bestand Stumpf. Der Landwirt hat daraus gelernt. Nicht nur er. "90 Prozent der Landwirte rufen an", beteuert Stumpf.

Seit zehn Jahren ist er unterwegs, um die Landwirte energisch von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Wiesen vor der Mahd abzusuchen. Seit fünf Jahren werden dazu Drohnen eingesetzt. Für seinen Revierbereich ist dieser Drohneneinsatz für die Landwirte kostenlos. Auch für die anderen vier Reviere, die sich mit Stumpf zusammengeschlossen haben und Mitglied der Kitzrettung Pinzberg sind.

"Jedes Revier hat ein eigenes Kitzrettungsteam, bestehend aus drei Leuten, dem Piloten und zwei Leuten, die sich um die Kitze kümmern", informiert Stumpf und appelliert damit an alle anderen Jäger, ebenso zu handeln: Reviere zusammenschließen und eine Drohne mit Wärmebildkamera anschaffen. Vom Erfolg ist er absolut überzeugt. "Ich habe seit zehn Jahren kein Kitz mehr verloren", beteuert Stumpf.

Allerdings handelt es sich hierbei um eine hochwertige Drohne mit Wärmebildkamera. Kostenpunkt: 15 000 Euro, sagt Uli Wagner, der Pilot. Natürlich gibt es auch Jäger, die an den Drohnen Kritikpunkte üben. Zum einen heißt es, dass die Kitze wieder in die Wiese laufen, kaum ist die Drohne weg. Das war ein Fehler, aus dem man gelernt hat, gibt Stumpf zu. Denn inzwischen werden die Kitze in Kisten gesperrt und am Waldrand abgesetzt. Ist die Wiese gemäht, bittet Stumpf um Rückmeldung und lässt das Kitz wieder frei. Im Wald. Die Mutter nimmt dann die Witterung auf.

Start um fünf Uhr morgens

Auch der andere Kritikpunkt, dass die Kameras nicht alle Kitze anzeigen, weil es zu warm ist, haben die Drohnenbefürworter ernst genommen. "Ab 8.30 Uhr sieht man nichts mehr, weil der Boden zu warm ist", erklärt Stumpf, warum die Flüge in den frühen Morgenstunden stattfinden. "Wir fangen um fünf Uhr an", sagt Stumpf. Auch um vier Uhr, wenn es sein muss. Und das muss es oft, denn die Landwirte mähen mehr oder weniger alle zur gleichen Zeit. Der Wärmeunterschied muss jedoch mindestens sieben Grad betragen, erklärt Wagner. Wenn also die Lufttemperatur 20 Grad hat, funktioniert es noch gut. Der Unterscheid zu dem gut 30 Grad Körpertemperatur messenden Kitz passt.

Natürlich gibt es auch weniger hochwertige Kameras, schon ab 3500 Euro. Und manchmal auch Erfolge. Aber für diese möchte Uli Wagner die Hand nicht ins Feuer legen. "Sie sind ungenauer", sagt er. Möglicherweise bleiben Kitze oder Feldhasen unbemerkt. Schon deshalb regt Stumpf an, die anderen Jäger sollten dem Beispiel folgen, sich zusammenschließen und den Landwirten den Suchflug über die Felder mit einer hochwertigen Kamera spendieren. Denn in erster Linie ist der Landwirt in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass den Tieren kein Leid zugefügt wird.

Allerdings sieht sich auch Stumpf als Jäger in der Verantwortung. Wenn mehrere Reviere zusammenhelfen und Spenden bringen, lässt sich eine hochwertige Kamera zum Schutz der Tiere anschaffen. Zudem müsse diese Investition auf Jahre betrachtet werden.

Von der Vergrämung des Wilds oder dem Durchgehen mit einem Hund hält Stumpf wenig. Allerdings gibt es noch andere Methoden. "Der Landwirt könnte am Mähwerk Kameras anbringen", sagt Stumpf. Diese filmen und übertragen ins Cockpit. Allerdings muss der Landwirt anhalten und das Wild selbst in Sicherheit bringen. Dasselbe funktioniert, wenn der Bauer eine Kamera mit Summ-Ton anbringt.

Nur dass keine Zeit ist, weil der Dienstleister nicht genau festlegen kann, wann die Wiese gemäht wird, lässt Stumpf nicht als Entschuldigung gelten. "Da muss man organisieren", erklärt Stumpf. Der Anruf muss am Abend zuvor kommen, damit die Jäger und Kitzretter zeitig auf die Wiesen gehen. Die Arbeit nehmen die Jäger ab, auch die Verantwortung - zu einem gewissen Grad.

Spenden für die Kitzrettung

Spenden für die Kitzrettung Pinzberg und Umgebung können auf folgendes Konto überwiesen werden:

Kitzrettung Pinzberg und Umgebung e.V.

IBAN: DE29 8306 5408 0004 0975 80

BIC: GENO DEF1 SLR