Kurz vor Ende der ersten Drittelpause wurde es den Zuschauern des Online-Streaming-Dienstes Sprade-TV bewusst: Weder Corona noch der Sport sind die wichtigsten Dinge im Leben. Der Kommentator der Partie zwischen den Blue Devils Weiden und den Höchstadt Alligators verkündete, warum er fortan alleine am Mikrofon sitzen würde: "Mein Kollege hat sich gerade ins Krankenhaus verabschiedet. Seine Frau erwartet Drillinge."

Auf dem selben Weg dürfte zu diesem Zeitpunkt der Oberpfälzer Topscorer Tomas Rubes gewesen sein, der sich nach einem Check von Domantas Cypas die Schulter ausgekugelt hatte. Ja, das Nord-Derby der Eishockey-Oberliga Süd am Dienstagabend hatte auch über die acht Tore hinaus einiges geboten. Da in dieser Spielklasse coronabedingt nur zwei Begegnungen stattfanden, dürfte der eine oder andere Konkurrent vor dem Bildschirm gesessen haben und ordentlich unterhalten worden sein.

Oberliga Süd, Männer: Blue Devils Weiden - Höchstadter EC 6:3

Das einzige Parallelspiel der Spielklasse bestritten Lindau und Rosenheim (1:5). Die Allgäuer hatten dem HEC bei der 3:6-Niederlage am Sonntag alle drei Tore in eigener Überzahl eingeschenkt. An diese Negativserie mit gutem Ausgang knüpfte Höchstadt am Dienstag an, denn die ersten vier Erfolgserlebnisse feierte auch Weiden mit mindestens einem Mann mehr auf dem Eis. Doch diesmal ging das unfreiwillige Experiment aus fränkischer Sicht schief.

Den besseren Start erwischten die Gäste: Anton Seewald traf bereits nach 70 Sekunden auf Vorlage von Michail Guft-Sokolov. Ein Höchstatdter versteckte den Puck noch unabsichtlich unter dem Trikot, dann schlugen die Devils während der Strafe gegen Martin Vojcak zu. Als die von Dominik Müller beschleunigte Scheibe an seinem Gehäuse vorbeisauste, schaltete Goalie Benjamin Dirksen ein bisschen ab, doch von dort sprang das Spielgerät vor die Füße des Ex-Alligators Marco Pronath, der aus kurzer Distanz ausglich (13.).

Nach dem Vergehen von Cypas an Rubes nutzte Weiden sein Powerplay geschickt mit einem Palka-Pass von seitlich hinter dem Tor auf Stürmer Edgars Homjakovs vor demselben (15.). Die Hausherren trafen noch die Latte, ehe Milan Kostourek auf Zuspiel von Vojcak für den Gleichstand zur Drittelpause sorgte (18.).

Es geht munter weiter

Zu Beginn des zweiten Abschnitts glichen die Alligators auch die Statistik der Lattenschüsse aus (22.). Als Kostourek und Jiri Mikesz gleichzeitig auf der Strafbank Platz nehmen mussten, erzielte Ralf Herbst nach Doppelpass mit Barry Noe die erneute Weidener Führung (25.). Per Abstauber nach Herbst-Fernschuss war Noe im Fünf-gegen-Vier erneut erfolgreich (26.).

Höchstadt war inzwischen an Gegentore in Unterzahl gewöhnt, Thilo Grau brachte die Gäste in der 29. Minute auf gutes Zuspiel von Dimitri Litesov mit dem 3:4 zurück, zudem ertönte der Pfosten des Weidener Gehäuses (31.). Während die Mittelfranken eine weitere Überzahlsituation verstreichen ließen, gelang Palka im Vier-gegen-Vier nach dem Distanzversuch von Herbst das 5:3 (40.). Die Proteste der Aischgründer, der Puck habe die Torlinie nicht überquert, liefen ins Leere. Kleiner Trost: Es war nach sieben Gegentoren in Folge das erste, das der HEC nicht in Unterzahl kassierte.

Höchstadt mag weder Über- noch Unterzahl

Die Blue Devils boten ihren Gästen zu Beginn des letzten Abschnitts gleich zwei weitere Möglichkeiten, in Überzahl heranzukommen, doch nach acht Toren in den ersten 40 Minuten hatten beide Teams ihr Pulver offenbar verschossen. Selbst als die Höchstadter den Torhüter vom Eis nahmen, verfehlte Weiden knapp ein Empty-Net-Goal zur endgültigen Entscheidung. Dies gelang Louis Latta aber 13 Sekunden vor Schluss, so dass der 6:3-Endstand besiegelt war.

Die gute Nachricht für alle folgte kurz nach Abpfiff: Das erste der drei Kinder des Co-Kommentators Daniel Sommer kam gesund auf die Welt: Ein Junge. Die beiden Geschwisterchen sind inzwischen gefolgt.