Geografisch liegen Erfurt und Coburg so dicht beieinander wie kaum zwei andere Mannschaften aus der drittklassigen Basketball-Liga ProB Süd. In der Tabelle trennen die Löwen und den BBC vor dem morgigen Derby aber Welten. Nicht unbedingt was die bisherige Ausbeute angeht, sondern vor allem die Zahl der absolvierten Spiele: Coburg trotzt in dieser Hinsicht Corona am besten und war bereits sieben Mal im Einsatz. Der Forchheimer Leo Saffer kommt mit seinem neuen Verein aus Erfurt auf den Minusrekord von zwei Partien.

Wiedersehen mit Bekannten

"Schuld" daran waren drei positiv getestete Mitspieler mit folgender Quarantäne für alle sowie die Nebentätigkeit des ebenfalls neuen Trainers Uvis Helmanis als lettischer Co-Nationalcoach. Der 48-Jährige lief von 2002 bis 2006 für GHP Bamberg auf und feierte 2005 mit den Oberfranken deren erste deutsche Meisterschaft. Für das Länderspielfenster Ende November beantragte er eine Spielpause für sein ProB-Team.

"Das ist schon Wettbewerbsverzerrung. Aber dafür kann ja keiner was. Die Liga versucht alles, um eine reguläre Saison durchzukriegen", sagt Saffer. Chancenlos sieht der 20-Jährige seine Basketball-Löwen am Sonntag um 16 Uhr trotz sechs Wochen ohne Wettkampfpraxis nicht. "Wir haben keinen großen Kader, aber unser Ziel sind die Play-offs. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen." Im völlig verzerrten Tableau nimmt Erfurt mit einem Sieg und einer Niederlage Platz 9 von zwölf Teams ein. Die Play-offs erreichen die ersten acht. Coburg steht nach vier Erfolgen und drei Pleiten auf Rang 4.

Dass Saffer im Spätsommer von den Baunach Young Pikes nach Thüringen wechselte, liegt daran, dass sein bisheriger Verein, für den er vor gut zwei Jahren auch ein Spiel in der 2. Liga ProA absolvierte, nicht mehr das Farmteam von Brose Bamberg ist. Neuer Kooperationspartner des Bundesligisten ist - in leicht geänderter Form - der BBC Coburg. Einige Baunacher zog es deshalb dorthin, auch Saffer war mit den Vestestädtern im Gespräch. "Ich kenne fast alle Coburger Jungs, einige sogar sehr gut. Es wird am Sonntag sicherlich emotional", erzählt der Forchheimer, der in Erfurt vorübergehend in einer WG wohnt.

Leistungsträger in Erfurt

Saffer entschied sich auch wegen der räumlichen Nähe zu seiner Heimat für die Löwen - aber nicht nur. "Ein wichtiger Punkt war Trainer Uvis Helmanis. Und dass mir viel Einsatzzeit versprochen wurde." In den Duellen mit Frankfurt (71:58) und Koblenz (75:92) stand der Center jeweils gut 21 Minuten auf dem Parkett und überzeugte mit guten Statistikwerten.

Eine gute Note sprang für Saffer auch im Abitur heraus. "Schulisch gesehen war Corona gut für mich. Da der Basketball ruhte, konnte ich mich voll aufs Abi konzentrieren und war besser als erwartet."

Die Korbjagd wurde für ihn erst mit 14 Jahren interessant. Zuvor hatte er Schwimmen, Handball, Leichtathletik (vor allem die Laufdisziplinen) und Fußball ausprobiert. "Basketball finde ich von allen Sportarten am spannendsten. Auch die Vielfältigkeit reizt mich."

Ob er schon jetzt in der Bundesliga spielen würde, wenn er früher bei der DJK Eggolsheim angefangen hätte? "Der Gedanke kommt manchmal. Aber bereuen bringt ja nichts. Man kann es auch positiv sehen: Vielleicht hätte ich mit 17 keine Lust mehr auf Basketball gehabt, wenn ich schon als kleines Kind angefangen hätte."

Training mit Nowitzki-Mentor

Die Motivation und seine Körpergröße von 2,12 Metern sieht Saffer als seine größten Stärken auf dem Weg in die 1. Liga: "Ich helfe jeder Mannschaft defensiv wie offensiv. Für meine Größe habe ich auch ein relativ gutes Ballgefühl. Ich kann aber noch viel aus mir rausholen."

Um seine Defizite auszugleichen, trainiert er mit Nowitzki-Entdecker Holger Geschwindner, wenn Saffer in Bamberg ist. In der Domstadt ging der 20-Jährige aufs Kaiser-Heinrich-Gymnasium, nachdem er zuvor die Realschule in Forchheim abgeschlossen hatte. Seit Herbst studiert er Betriebswirtschaft in der Domstadt, die Uni hat er pandemiebedingt noch kein einziges Mal von innen gesehen. "Die ICE-Verbindung zwischen Erfurt und Bamberg ist zwar super und günstig, aber ich komme mit dem Fernstudium gut klar. Bislang jedenfalls", berichtet Saffer.

Trainer Uvis Helmanis: "Er kann es in die Bundesliga schaffen"

Trainer Uvis Helmanis: "Er kann es in die Bundesliga schaffen"

Wer den Aufstieg des Bamberger Basketballs kurz nach der Jahrtausendwende verfolgt hat, der kennt auch Uvis Helmanis. "Er hat viel Erfahrung und war wie ich ein Spieler auf den großen Positionen", sagt Leo Saffer über den "Lettischen Bären", der als Power Forward vor allem von seinem weichen Handgelenk aus der Distanz lebte.

Umgekehrt war der 20-jährige Zugang der Erfurter Löwen dem 48-jährigen Letten zwar kein Begriff, Helmanis traut Saffer aber den Durchbruch zu. "Am Wichtigsten ist, dass Leo das Ziel Bundesliga hat. Wenn er hart an sich arbeitet, kann er das schaffen. Dadurch, dass er spät mit Basketball angefangen hat, ist Vieles für ihn neu. Im fehlen Erfahrung und Spielpraxis. Das braucht Zeit", sagt Helmanis, der seine Trainerkarriere vor genau zehn Jahren begann. "Leo bringt starke Geschwindigkeit und Athletik mit. Beides muss er noch besser einsetzen. Mit seinen schnellen großen Schritten ist er für jeden Gegenspieler gefährlich. Zudem ist es schwer, über seine langen Arme zu werfen."