Im Duell der beiden bislang besten Teams der Rückrunde zog die DJK Eggolsheim beim SV Hetzles mit 1:3 den Kürzeren, bleibt in der Kreisklasse 2 dennoch weiter auf Tuchfühlung mit den Spitzenplätzen. In Hetzles war Georg Grasser als Zuschauer dabei, der sich binnen der vergangenen vier Jahrzehnte spielkreisweit nicht nur als Schiedsrichter, sondern einst auch aktiv als Fußballer einen Namen machte.

Bis zum heutigen Tag leitet der 65-Jährige Fußballspiele in der Region und pfiff von 1985 an zehn Jahre lang in der Bezirksliga. In diese Zeit fielen zwei Spielzeiten in der Landesliga, in der Bayernliga stand Graser als Assistent zudem an der Linie.

Auch die eigene sportliche Karriere vom "Schorsch", wie er bei der DJK Eggolsheim genannt wird, lässt sich mehr als sehen: Als Meister der damaligen A-Klasse (heute Kreisliga) stieg der Abwehrhüne 1975/76 in die Bezirksliga auf, wo sich der dörflich strukturierte Verein zwei Spielzeiten lang hielt. Von 1968 bis 1983 kickte er in der ersten Mannschaft und half danach im Reserveteam sowie noch mit 58 Lenzen bei den Alten Herren aus, die er außerdem sechs Jahre lang leitete. Daneben war Grasser auch als Trainer der C- und D-Jugendlichen im Einsatz und war sogar Abteilungsleiter der gesamten DJK-Fußballer. Wo immer es gebrannt hat, half der Schorsch aus, nicht selten stand er als "Mädchen für alles" eben noch selbst am Rasen und danach hinter der Theke im Vereinsheim.

Doch in seiner heutigen Position ist er für seinen Verein vermutlich noch viel wertvoller. Zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Hans, der für die Liegenschaften zuständig ist, sowie den beiden Brüdern und Weggefährten Karl (68) und Hans Schilling sind die Ruheständler als Heinzelmännchen am gesamten Sportgelände der DJK im Einsatz. Ob die Rasenflächen gepflegt und gemäht werden müssen, oder es an den Gebäuden Instandhaltungsmaßnahmen gibt: Wöchentlich treffen sich die unsichtbaren Helfer tagsüber, um die Anlagen in Schuss zu halten, damit der Spielbetrieb reibungslos läuft - die Fußballer bekommen davon meist wenig mit.

Herr Grasser, Eggolsheim lieferte kein schlechtes Spiel ab, begann stärker, fuhr aber ohne Punkte nach Hause. Woran lag es?
Georg Grasser: Die 1:3-Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben, da wir unsere Chancen nicht machten und die Führung nicht ausbauten. Dass Hetzles verdient gewonnen hätte, würde ich jetzt nicht sagen, sie profitierten eher von unseren Unzulänglichkeiten als von der eigenen Spielstärke. Das Ergebnis ist aber nicht ungerecht, da wir, wie gesagt, nach dem prima Auftakt nicht nachlegten und uns am Ende dann auch nicht beschweren dürfen. Insgesamt haben wir zu wenig Druck aufgebaut und uns zu wenig gegen die Niederlage gestemmt.

Den Protestrufen der Zuschauer und Spieler war zu entnehmen, dass die DJK nicht mit allen Entscheidungen glücklich war. Wie sahen Sie es als Schiedsrichter?
Georg Grasser: Es gab ein paar Szenen, da hätte ich vielleicht anders entschieden. Aber es ist immer schwer, Situationen von außen genauso wie der Referee zu beurteilen, der ja wesentlich näher zum Ball steht. Ich kenne das aus meiner eigenen Zeit. Beim Elfmeter in der Nachspielzeit hätte ich wohl auch anders entschieden, ich hatte den Eindruck, dass unser Torwart zuerst den Ball spielte und der Hetzleser dann erst über sein Bein flog. Aber letztlich war das dritte Tor nicht mehr entscheidend, wir haben das Spiel schon vorher verloren.

Eggolsheim spielt - bis auf den Durchhänger im Herbst - eine ordentliche Saison und ist als Kreisliga-Absteiger weiterhin um den Wiederaufstieg dabei. Wäre er heuer möglich?
Georg Grasser: Vielleicht liegen die gelegentlichen Leistungsschwankungen an der nötigen Konzentration. Eigentlich sollte uns das nicht passieren, viele Akteure haben in den zwei Jahren in der Kreisliga schon als junge Spieler Erfahrungen sammeln können, von denen sie aber zu wenig profitieren. Ob dies am Ende reicht, wird man sehen.
Hans Grasser: Vorn schlagen sich die Mannschaften momentan gegenseitig, manche rutschen auch noch gegen hintere Teams aus, so dass eine Prognose derzeit sehr schwierig ist. Mein Bruder und ich wären schon mit dem Erreichen des Relegationsplatzes zufrieden, obwohl die jetzige Klasse sicher reizvoller ist als die momentane Kreisliga. Um Erfolg zu haben, finde ich, sollten wir nicht zu oft das System wechseln. Deshalb fehlt die Beständigkeit im Spiel.

Die DJK scheint als einer der wenigen Vereine im Kreis keine Nachwuchsprobleme zu haben und hatte bis vor zwei Jahren sogar eine dritte Mannschaft. Wie kommt das?
Georg Grasser: Drei Mannschaften auf Dauer zu halten, war uns auch nicht mehr möglich. Hauptsächlich lag es daran, dass alle drei Teams in unterschiedlichen Ligen spielen und man zwischen einzelnen Mannschaften die Ersatzspieler nicht mehr schieben konnte. Deshalb bräuchte man pro Team dreimal 13 bis 14 Spieler, in der Hauptmannschaft zusätzlich mindestens einen ligatauglichen Ersatztorwart, aber diese Menge haben auch wir auf Dauer nicht mehr. Früher nahm man Ergänzungsspieler aus der Reserve und setzte sie auf die Bank für die Erste.

Dennoch scheint es für viele Vereine wie purer Luxus, dass Eggolsheim seine Mannschaften überwiegend aus eigenen Ressourcen ausstatten kann. Wie sehen Sie das?
Karl Schilling: Wir haben bei der DJK schon immer von einer guten und breit gefächerten Jugendarbeit profitiert, aber zuletzt fließt dieser Strom auch nicht mehr unendlich. Ich möchte fast sagen, dass es wesentlich weniger Spieler sind, die den Sprung in den Herrenbereich in den letzten Jahren geschafft haben. Vielleicht liegt es daran, dass es zu viele Freizeitmöglichkeiten gibt und der schulische sowie der berufliche Leistungsdruck stärker gestiegen ist. Trotzdem bin ich der Meinung, dass den Jungen heute mehr geboten wird als uns früher, aber sie nehmen es nicht wahr. Zudem bringt sich kaum noch jemand ehrenamtlich ein.

Sie sprechen an, dass jüngere Jahrgänge - wie überall - kaum mehr freiwillige Arbeiten im Verein leisten. Steht der Ehrenamtliche vor dem Aussterben?
Georg Grasser: Das glaube ich nicht. Zumindest nicht so schnell. Es kommen ja doch gelegentliche Junge nach, die dann Aufgaben und Posten übernehmen. Aber die Beständigkeit wird nicht mehr so sein, wir durchleben einen Wechsel der Werte und man muss damit zufrieden sein. Es macht auf jeden Fall noch Spaß, wenn wir uns bei der DJK zum Arbeiten treffen.