Für Pendler aus dem Kreis Forchheim gibt es an der A 73 ein neues Nadelöhr: Seit Freitagfrüh ist die Auffahrt Forchheim-Süd in Richtung Bamberg gesperrt - und zwar bis November. Neben Bewohnern aus dem Kreisstadt-Süden trifft dies vor allem Fahrer aus der Region Gosberg, Wiesenthau, Egloffstein und Kunreuth.

Die Ursache: Im Zuge der umfangreichen Baumaßnahmen rund um Forchheim (siehe Infos am Ende des Artikels) wurden in der Nacht auf Freitag die Fahrbahnen in Richtung Bamberg verlegt. Sie verlaufen nun schmaler und zusammen mit den Spuren der Gegenrichtung auf deren Fläche. "Dadurch können wir jetzt entlang der gesperrten Fahrbahnseite voll loslegen", sagt Michael Probst von der Autobahndirektion Nordbayern. Der Projektleiter ist zufrieden: "Wir liegen voll im Zeitplan."

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille: Denn wer bislang im Forchheimer Süden in Richtung Bamberg auffuhr, muss sich nun monatelang einen anderen Weg auf die A 73 suchen. Zwar wird die Auffahrt in Richtung Norden deutlich weniger genutzt als in Richtung Erlangen/Nürnberg, wohin an der Stelle täglich etwa 5000 Fahrzeuge auffahren. Eine deutliche Verkehrsbeeinträchtigung wird die Sperre aber trotzdem sein. "Geschätzt sind täglich 1500 bis 2000 Fahrzeuge betroffen", sagt Michael Probst.


Drei Routen getestet

Doch welche Route ist die beste, um künftig auf die Autobahn zu kommen? Wir haben im starken Verkehr am Freitagnachmittag, der wohl fast an das Fahrzeugaufkommen eines Werktags-Vormittags heranreicht, drei mögliche Strecken getestet. Während des Selbstversuchs stoppen wir die Zeit, messen Kilometer und zählen Ampeln.

Ausgangspunkt ist jeweils der Bahnhof Wiesenthau. Von dort aus machen wir uns zunächst auf den Weg durch Reuth. Das Ergebnis: Bis zur Autobahnauffahrt Forchheim-Nord dauert es 14 Minuten und sechs Sekunden. Auf dem 7,5 Kilometer langen Weg begegnen uns 13 Ampeln - Fußgängerüberwege mitgerechnet. Insgesamt kommen wir gut durch, viele Lichtzeichen stehen auf grün. Grundsätzlich birgt die Strecke aber viele Möglichkeiten, um ausgebremst zu werden.

Die zweite Variante führt von Wiesenthau durch Gosberg bis hin zur Auffahrt Forchheim-Süd. Von dort aus folgen wir der offiziell ausgeschilderten Umleitungsstrecke über die Bundesstraße 470 durch Forchheim. Der Verkehr scheint mehr geworden zu sein, auf jeden Fall ist es ein "Stop and Go" vom Kersbacher Kreuz bis zur Bamberger Straße. Geschlagene 25 Minuten und 13 Sekunden sind wir vom Bahnhof Wiesenthau bis zur Autobahn-Auffahrt Nord unterwegs. Es sind zwar nur 10,5 Kilometer, die 14 Ampeln bringen den Verkehrsfluss allerdings zum Erliegen. Ein Kollaps im Berufsverkehr ist nicht auszuschließen.

Route Nummer 3 erscheint auf den ersten Blick unsinnig, war aber der Tipp eines FT-Lesers aus Wiesenthau. Der fuhr am Freitagfrüh aus Verzweiflung, weil "seine" Auffahrt gen Bamberg gesperrt war, Richtung Süden. An der Abfahrt Baiersdorf-Nord verließ er die Autobahn dann wieder, wendete und fuhr in Richtung Bamberg. In unserem Test schaffen wir es auf diese Weise von Wiesenthau nach Forchheim-Nord in 18 Minuten und 47 Sekunden. Nur vier Ampeln liegen auf dem Weg, die Autobahn-Baustellen drücken aber das Tempo und der Weg ist mit 16,9 Kilometern der längste.

Alle drei Tests waren natürlich aufgrund des tagesaktuellen Verkehrs subjektiv und können von Morgen zu Morgen variieren. Pendler brauchen auf jeden Fall Geduld.


Gefährliches Wendemanöver

Einen kurzen Schock-Moment gab es während des Tests auch. An der Auffahrt Forchheim-Süd beobachteten wir ein Auto, das vor uns offenbar in die gesperrte Straße einbiegen wollte. Trotz der vielen (durchgestrichenen) Schilder, die das verhindern sollen. Als der Fahrer realisierte, dass sein Vorhaben nicht möglich ist, bremste er auf der Autobahn-Auffahrt ab - und wendete. Ein ziemlich riskantes Manöver.

Damit Szenen wie diese am Montag im Berufsverkehr nicht häufiger vorkommen, raten wir, eine der getesteten Strecken zu wählen. Und falls Sie aus Richtung Ebermannstadt kommen, können Sie auch den Weg über Eggolsheim oder Buttenheim nutzen. Pendler aus Heroldsbach/Hausen können zudem direkt in Baiersdorf-Nord auffahren. Denn wie heißt das alte Sprichwort so schön: Alle Wege führen nach Bamberg - äh Rom.