Kellerkommando, diese Band ist Kult(ur). Tief verwurzelt mit der fränkischen Heimat präsentieren die Musiker um den Hausener David Saam Jahrhunderte altes Liedgut in völlig neuer Aufmachung. Kernige, krachende Beats, Kerwasliedla und Rap verschmelzen zu einem modernen Party-Musik-Mix.
"Benehmt euch hemmungslos", fordert David Saam die Mauernscheißer im Jungen Theater in Forchheim auf, die Gassenhauer der Groß- und Urgroßeltern mitzusingen. So möbeln die acht Vollblut Musiker nicht nur den verstaubten Shellack-Song aus den 20ern "Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin" durch Instrumentierung, Rhythmik und die Rap-Einlagen von Ali A$ so richtig auf, dass er unversehens zum Ohrwurm wird. Derb-deftige Texte wie "Halt dein Maul, waffl nedd so dumm, draußen werkt der Schutzmann rum" sind auf einmal alles andere als überholt und hausbacken.

Musik-Mix

Noch bevor das Publikum bei der angestimmten Bierzelt-Stimmungsmusik anfangen zu schunkeln, interveniert Schlagzeuger Norbert Weinhold, drängen sich Hip-Hop-Klänge in den Vordergrund, steuert Rapper Ali, der Münchner mit pakistanischen Wurzeln, aktuelle Texte bei. Dennoch verleugnet Kellerkommando seine musikalische Herkunft nicht, wie die alte und neu formulierte Kerwas-Liedla beweisen. Ein Beispiel: "Wenn ich auf des Bambercher Bier net spei, wärch i no a Bizza nei, und an Big Mägg hinderher, fälld ma s Speia goa ned schwer."
Mit ihrer ureigenen Art transportiert das Kellerkommando überlieferte Volkstänze wie den "Kikeriki", Boarische, Walzer und Polkas ins dritte Jahrtausend. Dazwischen skandiert das Publikum immer wieder: " Keller-Kommando!, Keller-Kommando!" Dem gegenüber stellt die Band geist- und gehaltreiche Liedschöpfungen, wie etwa "Im Düüdla is nix drin", einen Song auf das "Gras" aus den niederländischen Coffee-Shops.

Schrille Texte

Daneben beweist Keller-Kommando, dass sich die Vollblut-Musiker auch auf Romantik verstehen, wenn sie singen: "Bleib bei mir und geh nicht fort", allerdings mit globalem Groove und Drive. Mit schrillen Texten, moderner Instrumentierung und dem innovativem Mix aus alt und Neu sorgt Kellerkommando für grenzenlose Begeisterung. So wird der alten Reim aus einem Poesie-Album bei der fränkischen Kultband derb umgedichtet und zu folgender Neuschöpfung: "Und wenn du denkst ich lieb dich nicht und treibs mit dir zum Scherz, dann steck mir a Spektiv nei 'n A... und schau mir nauf ins Herz."
Kellerkommando hat einmal mehr bewiesen, dass den Musikern der Spagat gelingt, überliefertes Liedgut mit neuen Elementen, Ankängen an die Neue deutsche Welle der 80-er Jahre, Kasatschok und Rowdy-Rap zu verbinden.
Dies wird auch bei der Zugabe "Freit mi nix als wie mei Kunnerla, mei Kunnerla ist scho digg, schö digg", hält Rapper Ali A$ mit Texten auf Heidi Klum dagegen. So trifft die Band mitten ins Herz der Zuhörer.