Die Schließung des Gräfenberger Hallenbads war 2005 schon beschlossene Sache. Geld fehlte nicht nur im Stadtsäckel, auch der Staat hatte nichts und so versuchte der Stadtrat ein Steuerminus mit Sparmaßnahmen zu kompensieren. Das Freibad oder das Hallenbad - eines wird Opfer der Finanzlage werden, war damals klar. Dann kam Mirko Helbig, der zu jener Zeit kein besonderes Hobby hatte, aber leidenschaftlich fürs Schwimmen plädiert. Er wollte das Hallenbad übernehmen. Wirtschaftsplaner rieten ihm ab. "Lass die Finger davon, das ist ein Fass ohne Boden", war der Satz, den er damals wohl öfter hören musste. Aber er konnte seine Finger nicht von dem Projekt lassen.


Jährliches Kündigungsrecht

Auch die Stadt ließ sich auf das Experiment ein und schloss einen Pachtvertrag mit dem Pretzfelder Mirko Helbig, mit jährlichem Kündigungsrecht für beide Seiten.
Das Ergebnis nach zehn Jahren: CAP (Center für Aqua und Personal Fitness) ist Bayerns größte Schwimmschule mit eigenem Hallenbad. Für die Stadt: Das Hallenbad ist noch da und durch das Engagement von Helbig und seinen Mitarbeitern "konnte sowohl das Schulschwimmen als auch der öffentliche Bäderbetrieb erhalten werden", bedankt sich Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla für die gute Zusammenarbeit.
"Am 24. September habe ich das Bad mit zwei Mitarbeitern und insgesamt 19 Kursen übernommen", erinnert sich Helbig. Baulich fanden sie ein Schwimmbad auf dem ältesten Stand der Technik vor. Dann folgten jährlich Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen, angefangen bei der Mess- und Regelanlage im Keller, die Verrohrung, den Umbau des Eingangsbereichs, die Duschen, die Filteranlagen und die Sanierung der Überlaufrinne. Das sei nicht die letzte große Geschichte gewesen. Die Fenster werden noch überprüft und die damals im modischen Grün gehaltenen Wandfliesen. "Die Kosten summierten sich auf den Gegenwert eines kleinen Mehrfamilienhauses", sagt Helbig. Eng zusammen arbeitet er mit der Stadt Gräfenberg, von der CAP bezüglich des öffentlichen Bäder betriebs unterstützt wird.


137 Kurse im Jahr

Heute zählt Mirko Helbigs CAP 16 Mitarbeiter, die 137 Kurse im Jahr betreuen. Zusätzlich finden Events im Hallenbad statt, ein König von Ghana kam beispielsweise zu einer Lesung und trommelte und tanzte dann mit den Besuchern im Hallenbad. Neben dem öffentlichen Badebetrieb, der von damals sechs Monate auf zehn Monate je Saison ausgedehnt wurde, gibt es auch noch Firmen, die ins Gräfenberger Hallenbad kommen, um Unterwassertests durchzuführen oder Erste-Hilfe-Maßnahmen im Wasser lernen. "Eine Firma testete, wie dicht ihre Tastaturen für Feuchträume, beispielsweise in Operationssälen sind", sagt eine Mitarbeiterin. Oder Piloten üben hier die Wasserrettung und die erste Hilfemaßnahmen, die unbedingt beherrscht werden müssen. Die Fußballer halten ihre Aquafitnessstunden im Bad. Und dann gibt es hier nicht nur Fortbildungen für Rettungsschwimmer oder das Lehrerschwimmen, auch Schulklassen aus der Umgebung kommen hierher, um hier Schwimmen zu lernen . Leider gibt es mehr interessierte Schulen als freie Stunden. "Wir mussten Schulen ablehnen", bedauert Helbig. Nicht jede Schule kann noch einen Schwimmunterricht anbieten, denn neben dem Königsbad in Forchheim und dem Bad in Ebermannstadt gibt es nur noch das Gräfenberger Bad. "Im früheren Schulschwimmbad bietet der Betreiber Aqua-Work 13 Schulen aus dem Nahbereich Gelegenheit, Schwimmstunden im Rahmen des Schulsports durchzuführen. Darüber hinaus finden Schwimmkurse für alle Altersgruppen, Gesundheitskurse und auch Inklusionsangebote statt", hebt Martin Haendl, Leiter Bildungsbüro des Landratsamtes Forchheim in seinem Grußwort hervor. Mehr noch: "Durch die symbiotische Aufstellung konnte so eine Bildungsimmobilie für viele Nutzer und Nutzungen im ländlichen Raum erhalten werden."


26 000 Schwimmbegeisterte

Wie gut die verschiedenen Kurse angenommen werden, lässt sich leicht in Zahlen ausdrücken. Fast 1000 Besucher wöchentlich, mehr als 26 000 Schwimmbegeisterte jährlich finden den Weg ins Gräfenberger Hallenbad. Körperlich beeinträchtigte Kinder lernen hier Sicherheit und ein neues Selbstwertgefühl kennen, Fortgeschrittene werden weiter motiviert, Ängstlichen gezeigt, wie sie sich im Wasser und somit auch im Leben geborgen fühlen können. "Jedes Kind hat sein eigenes Lerntempo", sagt Helbig. Das steht in jedem der vielen Kursangebote an erster Stelle. Neben den bewährten Angeboten wie Zumba, Aqua Fitness, Aqua Fit über 60, beginnt CAP das neue Jahrzehnt mit zusätzlichen attraktiven Angeboten. Ernährung und verschiedenen Sportaktivitäten beschreibt ein Angebot und zeigt, wie man im und am Wasser die Balance zwischen Sport, Entspannung und Ernährung schafft. Dann gibt es künftig noch die traditionelle Thaimassage zur Entspannung. Schnupperangebote sind in der Aktionswoche zum Geburtstag selbstverständlich. Aber es gibt auch einen Malwettbewerb und für jeden Gast ein schönes Dankeschön.