Maximilian ist vier. Bei dem Buben aus Gößweinstein haben Sonderschulpädagogen und Psychologen erhöhten Förderbedarf diagnostiziert. Seine Mama Cindy Distler hatte bereits eine mündliche Zusage der Sonderschulrektorin Martina Pump, dass "Maxi" ab September die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) der Martin-Wiesend-Schule in Wolfsberg besuchen darf. Beim Info-Abend der Schule Ende letzter Woche wurden die Eltern in Kenntnis gesetzt, dass die Schule in drei Wochen geschlossen wird. Für immer.

Cindy Distler ist entsetzt. "Nach einem monatelangem Bewerbungs-, Beratungs- und Test-Marathon sind wir soweit wie vorher. Doch Maxi braucht den erweiterten Förderbedarf", ist die Mutter ratlos. Und entsetzt. "Ich hatte gehofft, über organisatorische Dinge des nächsten Kindergartenjahres informiert zu werden und dann kommt mir nichts dir nichts das Aus", klagt die Betroffene. Für die Mutter gibt es keine Alternative. Die Kindergärten in Gößweinstein und Obertrubach sind voll, können niemanden mehr aufnehmen. Das hat eine andere betroffene Mutter in Erfahrung gebracht

Nur noch übergangsweise


Fritz Söllner, Geschäftsführer des Katholischen Bildungszentrums Bamberg, Träger der Schulvorbereitenden Einrichtung, bedauert: "Die Regierung von Oberfranken hat verlangt, dass wir von den 17 Schulvorbereitenden Einrichtungen, die wir derzeit betreiben, drei schließen müssen. Da wir die Schulvorbereitende Einrichtung in Wolfsberg sowieso nur noch übergangsweise betreiben dürfen, fiel unsere Entscheidung auf diese Einrichtung", sagt Söllner.

Der Hintergrund: Bereits seit rund zehn Jahren gibt es einen Regierungsbeschluss, wonach solche Einrichtungen nur noch im Einzugsbereich von Förderschulen zugelassen werden sollen. Soll heißen: Die Pestalozzischule wird künftig nicht nur den Förderbedarf bestimmen, sondern auch für die Behebung der Defizite in punkto Sprache, Bewegung, Wahrnehmung, Konzentration und Motorik zuständig sein.

"Aber im Moment sind uns noch die Hände gebunden", bedauert Georg Schütz, Chef der Pestalozzischule. Fakt ist: Die Fördergruppe an seiner Schule ist voll. Schütz: "Wir können niemanden aufnehmen. Schon gar nicht so kurzfristig. Hätten wir im vergangenen Herbst erfahren, dass Wolfsberg geschlossen werden soll, hätten wir vielleicht reagieren können."

"Wir haben deshalb den betroffenen Eltern angeboten, dass wir Kinder aus dem Landkreis nach Forchheim bringen und in der Stauffenbergstraße fördern", erklärt Söllner. Hier betreibt das Bamberger Bildungszenrum ebenfalls eine SVE. Aber das sei an der Grenze des Zumutbaren für Vierjährige räumt der Geschäftsführer ein. Er schiebt den "schwarzen Peter" der Regierung von Oberfranken zu. "Wir würden die Einrichtung in Wolfsberg liebend gern ein Jahr weiter betreiben, wenn wir die Genehmigung von der Regierung von Oberfranken bekommen."

Dort stößt die geplante Schließung der Einrichtung auf völliges Unverständnis. Abteilungsleiterin Luzia Scherr, unter anderem zuständig für Stütz- und Förderklassen, wörtlich: "Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet diese Gruppe geschlossen werden soll." Dieses Verhalten sei gegenüber den betroffenen Eltern und Kindern "verantwortungslos".

Es treffe zu, dass der Träger oberfrankenweit drei Gruppen einsparen muss, weil es weniger Kinder gibt. Das trifft aber nicht auf Wolfsberg zu, wo zwölf Kinder gemeldet sind. "Das ist eine wunderbare Gruppe", sagt Scherr. Sie schließen zu wollen, interpretiert die Abteilungsleiterin als "reine Trotzreaktion" des Trägers. Gleichzeitig mit der Vormittagsgruppe würde auch die vom Bezirk getragene Tagesstätte, in der die Kinder am Nachmittag betreut werden, geschlossen.

Eltern feste Zusagen gegeben


"Die Einrichtung hat den Eltern Zusagen gegeben und steht in der Verantwortung", findet MdL Eduard Nöth (CSU), der alles tun will, damit die Einrichtung erhalten bleibt. "Es erbost mich, dass eine katholische Einrichtung die Kinder über das Gebirg" nach Forchheim transportieren will. Die rückläufigen Zahlen seien in Bamberg. Dort müssten Gruppen geschlossen werden, fordert Nöth. Er verspricht: "Ich werde mit aller Macht dafür sorgen, dass die Einrichtung in Wolfsberg die nächsten drei Jahre erhalten bleibt."

Tatsachen verdreht?


Luzia Scherr ergänzt: "Die angedachte neue Zuständigkeit hat mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge nichts zu tun." Wenn das Bildungszentrum behauptet, sein Engagement im Landkreis Forchheim sei nur geduldet und deshalb die Außenstelle Wolfsberg schließt, ist das laut Scherr ein "völliges Verdrehen der Tatsachen".
"Dafür fehlt mir jegliches Verständnis", zeigt sich die Abteilungsleiterin bei der Regierung fassungslos. Deshalb soll nun geprüft werden, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, die Bamberger Bildungseinrichtung zu zwingen, die Gruppe in Wolfsberg aufrecht zu erhalten. Nöth ist dazu wild entschlossen. "Ich werde nicht zögern, das Kultusministerium einzuschalten", gibt sich der Landtagsabgeordnete kämpferisch.