Greening war vor zwei Jahren ein großes Thema. Viel Bürokratie und genaue Planungen standen den Landwirten bevor. Vor allem "grüner" sollte die Landschaft werden. Im Zuge dessen sprach man von "Greeningmaßnahmen". Auch der Anbau von Eiweißpflanzen wurde gefördert, was der Bauernverband und der Bund Naturschutz begrüßten.

Nun will die EU einen Rückwärtsgang einlegen und gerade die Eiweißpflanzen aus den Fördermöglichkeiten nehmen. Der Bauernverband wehrt sich nun dagegen. Allein in der Region Forchheim würden auf über 100 Hektar Eiweißpflanzen wie die Luzerne, die Ackerbohne oder Soja angebaut.

"Die sogenannten Leguminosen wirken sich günstig auf die Bodenstruktur aus, erhöhen die Vielfalt in der Kulturlandschaft, sparen mineralischen Dünger ein, weil sie den Stickstoff aus der Luft nutzbar machen können und sind vor allem ein wichtiger Baustein beim Ziel, die Importabhängigkeit von Eiweißfuttermitteln wie Soja aus Übersee zu verringern", erklärt Hermann Greif, Kreisobmann des Bauernverbands.

Auch Friedrich Oehme findet, dass die Eiweißpflanze gut für Tierfutter ist. "Das ist der Ausweg, Gen-Soja aus Süfamerika zu beziehen", erläutert Oehme. Zudem sei oft noch das Mittel Roundup drin, mit dem die Pflanzen dort behandelt werden. Jede Kuh und jedes Schwein brauche das Eiweiß. Doch für Greif ist es auch eine Frage der Ethik: "Warum sollen wir Äcker stilllegen, wo wir gute Nahrungsmittel erzeugen können?"
Würde der Anbau der Eiweißpflanze nicht mehr gefördert werden, würde genau das geschehen. Mehr betrieblicher Ertrag sei anders erwirtschaftbar. Dann würde das Soja wieder importiert werden, was nun durch den Eiweißpflanzenanbau reduziert werden konnte. Für das Greening mit den geförderten Maßnahmen zieht der Bauernverband eine positive Bilanz.

Als Rechenbeispiel spricht Greif von einem 100 Hektar Betrieb. Dann konnten verschiedene Maßnahmen gewählt werden. Entweder wurden fünf Hektar stillgelegt, um einfach grün zu sein, oder auf etwa acht Hektar Eiweißpflanzen angesät oder eine Zwischenfrucht auf 18 Hektar der Beispielbetriebsgröße angebaut. "Viel Lebensraum für Bienen, Insekten, Wildtiere, aber auch Wildpflanzen sind damit entstanden", erklärt Greif.
Bayernweit sind 30 000 Hektar stillgelegt worden, auf 30 000 Hektar wachsen Eiweißpflanzen und auf 160 000 Hektar Zwischenfrüchte. In den Landkreisen Forchheim und Bamberg sind 2800 Hektar mit Zwischenfrüchten bepflanzt. Diese wachsen teilweise über einen Meter hoch und heben sich damit deutlich von den anderen Winterkulturen ab. "Viele Felder mit Zwischenfrüchten sind schon gut entwickelt, bieten dem Wild Unterschlupf in den Wintermonaten und tragen zu Erosionsschutz und Bodenbedeckung bei", findet Greif.


Viele Vorschriften

Der Entwicklung kann auch Friedrich Oehme, Geschäftsführer des Bund Naturschutz, beipflichten. "Wir wünschen uns, dass die Feldraine und Wegrandstreifen, die Zug um Zug umgeackert wurden und verschwunden sind, wieder erscheinen", hebt Oehme hervor. Die Feldraine und Wegränder seien wichtig für die Vernetzung der Lebensräume.

Gerade die Tiere bräuchten diese Wege, um von einem Fleck zum anderen zu kommen. Zudem sei auf den Wegrändern und Feldrainen das blühende Essen für Insekten und Schmetterlingen gewachsen. Doch auch der Gewässerschutz ist derzeit in aller Munde. Durfte der Landwirt laut Greif bislang mit bestimmtem Düngermittel bis zu einen Meter an den Uferrand düngen, so wurde mit den Greeningmaßnahmen ein Puffer eingebaut.
Bleibt der Landwirt allerdings zehn bis 20 Meter weg, erhält er Fördergelder. Bei diesem Randstreifenprogramm wird dann etwas angesät, was nicht geerntet wird. So solle zu 100 Prozent gewährleistet werden, dass der Dünger nicht in den Bach gelangt, auch nicht bei Regen. Oehme befürwortet, dass Landwirte weiter weg bleiben müssen.

Der Haken ist laut Greif der, dass ein Landwirt, der die 20 Meter Abstand nur geringfügig überschreitet, aus der Förderung herausfällt. "Diese Programme werden in nicht unerheblichen Maße gezogen. Wir haben Sorge, dass wir im Rahmen der EU-Förderung aus dem einen oder anderen herausfallen", sagt Greif, der sich eine Vereinfachung der Vorschriften zu den Greening-Streifen am Uferrand wünscht.