Wie "ein böser Traum" kommen Gerhard Krahl die roten Verbotsschilder an der Brücke am Forchheimer Bahnhof vor. Seit drei Wochen ist es verboten, über die Eisenbahnbrücke zu radeln. Offiziell müssten Radlerinnen und Radler absteigen und ihre Fahrräder bis zum anderen Brückenende schieben. "Fahrradfahrer werden hier einfach vom Verkehr ausgeschlossen", schimpft Krahl. Er ist Mitglied beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Forchheim und möchte die Radweg-Sperrung nicht einfach so hinnehmen. Für Menschen mit Lastenrädern, Fahrradanhängern für Kinder oder für Pedelec-Fahrer sei Schieben beispielsweise keine Option. Aber wie könnte eine Lösung aussehen?

Der Fränkische Tag berichtete am Montag, 17. August 2020, erstmals von Forchheimer Bürgern, die sich über die Sperrung ärgern. Da das bestehende Geländer zu niedrig ist und nicht die für den Fahrradverkehr vorgeschriebene Höhe von mindestens 1,30 Meter hat, wurde die Eisenbahnbrücke für Radler gesperrt, erklärt Sabrina Hörl vom zuständigen Staatlichen Bauamt Bamberg. Wie lange? "Das Geländer muss erhöht werden. Bis dahin darf das Fahrradfahren auf der Brücke aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt werden", antwortet Hörl. Die Ausschreibung laufe, betont Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Eine Auftragsvergabe sei der Stadt für kommende Woche zugesichert worden. Ein wichtiger Entscheidungsgrund werde "der frühestmögliche Maßnahmenbeginn" sein, sagt OB Kirschstein: "Einen genauen Termin kann ich leider noch nicht nennen."

Vor Ort ist offensichtlich: Trotz Verbotsschilder fahren die allermeisten Radler und Radlerinnen weiter über die Bahnhofsbrücke. Wer trotz Sperrung radelt, dem droht ein Bußgeld zwischen 25 und 40 Euro. "Außerdem hat er alle Folgen zu tragen, die sich in Folge des zu niedrigen Geländers ergeben können", warnt die Bauamtssprecherin. Der Mangel der Geländer wurde festgestellt, als im Zuge des ICE-Ausbaus die kleinen Betonmauern (sogenannter Abkommensschutz) auf der Fahrbahn errichtet wurden. Frank Wessel, Vorstandssprecher des ADFC Forchheim, kritisiert die sofortige Sperrung: Auf der Eisenbahnbrücke dürfe seit 30 Jahren geradelt werden und noch kein Radler sei abgestürzt. Wessel wünscht sich "kreativere Maßnahmen".

"Die Baustellensituation schreit geradezu nach temporären Pop-up-Radwegen auf beiden Straßenseiten", fordert sein ADFC-Mitstreiter Krahl. Pop-up-Radwege sind provisorische Fahrradwege, die im Zuge der Corona-Pandemie in mehreren Städten mit Farbmarkierungen oder Absperrungen eingerichtet wurden - unter anderem in Erlangen und Nürnberg. Der Autoverkehr auf der Bahnhofsbrücke in Forchheim könne von vier auf zwei Bahnen reduziert und beidseitig Spuren ausschließlich für Fahrradfahrer freigegeben werden, fordert Krahl.

Unfallrisiko für Pop-up-Radweg zu hoch

Diesem Vorschlag erteilt das Staatliche Bauamt eine deutliche Absage. "Das Unfallrisiko wäre hier sehr hoch", argumentiert Hörl. Denn die Eisenbahnbrücke ist stark befahren: Rund 25 000 Kraftfahrzeuge überqueren täglich die Brücke am Bahnhof. Zum Vergleich: Auf bayerischen Bundesstraßen fahren durchschnittlich 9 977 Kfz pro Tag. Eine weitere Schwierigkeit sei, dass die Fahrstreifen teilweise richtungsbezogen sind und zum Beispiel zur Bayreuther Straße oder in Fahrtrichtung Hainbrunnenstraße führen. "Bei einer zusätzlichen Nutzung durch Radfahrer wären Staus des Kfz-Verkehrs die Folge und der Fahrverkehr würde nahezu zum Erliegen kommen", sagt Hörl. Die Unfallforschung habe zudem festgestellt, dass Pop-up-Radwege "lediglich eine Scheinsicherheit vorgaukeln würden".

Alternativ schlägt der leidenschaftliche Radler Gerhard Krahl vor, die Geländer provisorisch mit Bauzäunen abzusichern. "Die Schlösser, um die Zäune zusammenzuschließen, würde der ADFC sogar spenden" fügt er augenzwinkernd hinzu. Den Vorschlag weist das Staatliche Bauamt ebenfalls ab. Bauzäune seien für die Absturzsicherung zu instabil. Zudem würden sie wegen der Pflasterfüße die Wege zusätzlich einengen.

"Seitens der Behörden geschieht mal wieder nichts. Wir Radfahrer fühlen uns immer als Bittsteller und Almosenempfänger", kritisiert Krahl. Andere Beispiele in der Stadt Forchheim seien zum Beispiel die geforderten Randmarkierungen an der Theodor-Heuß- beziehungsweise Willy-Brandt-Allee oder die fahrradunfreundliche Ampelschaltung am Kersbacher Kreuz.