Doris Barschtipan ist wegen einer Atrophie des Sehnervs seit ihrer Kindheit hochgradig sehbehindert. Ihre lebenslangen Erfahrungen stellt sie in den Dienst des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) und sucht im Beratungsmobil zusammen mit ihrer Kollegin Franziska Wiegleb kleinere Orte auf, um unmittelbar Betroffene und ihre Angehörigen zu beraten.

Das Projekt Blickpunkt Auge wird von der Aktion Mensch und den gesetzlichen Krankenkassen gefördert. "Wenn man die Arztpraxis oder den Optiker verlassen hat, fängt der Alltag an", sagt sie beim Beratungstermin am Baiersdorfer Rathausplatz.

Es ist ein weitgestreutes Feld, was an Alltagsschwierigkeiten auf einen Sehbehinderten zukommen kann, aber auch was es alles an Hilfsmitteln zum selbstständigen Bewältigen von alltäglichen Situationen gibt. Und wie viele Dinge eine Rolle spielen, um das eingeschränkte Sehen auszugleichen.

Kontraste sind wichtig

Kontrast ist ein Stichwort, das mehrmals fällt, ob es um sichere Bewegung im öffentlichen Raum geht, oder um die Orientierung in der eigenen Wohnung. Sie habe sich deswegen schon öfters mit Architekten angelegt, berichtet Barschtipan, denen es nur schwer verständlich zu machen war, dass Abstufungen von Grautönen oder in Pastell von einem Sehbehinderten nur als einheitlicher Farbton wahrgenommen werden und so Gefahren nicht erkannt werden können. Ganz wichtig sind dabei farbkräftige Markierungen von Stufen und Treppenkanten. "Gesunde leiden nicht darunter, eher im Gegenteil", wehrt sie Argumente wie einheitliches Konzept oder Zurückhaltung ab.

Was für den Barrierenabbau im öffentlichen Raum gilt, stimmt gleichermaßen auch im privaten Bereich. Der BBSB hat in seinen Reihen Reha-Fachberater, die helfen, die eigene Wohnung sinnvoll zu markieren. Durch Kontrastfarben und die geeignete Ausleuchtung. Was da das Richtige ist, ist wiederum im Einzelfall sehr verschieden, was dem einen zum besseren Erkennen hilft, kann einen anderen als zu grell blenden. Die Unterstützung durch Reha-Trainer ist besonders gefragt, wenn die Sehfähigkeit eines Menschen plötzlich nachgelassen hat oder gar zur Gänze ausgefallen ist, so die Beraterinnen.

Ihre Aufgabe sehen die beiden Frauen als niederschwelliges Angebot in unmittelbarer Nähe. "Damit wir Betroffenen zu Fachleuten weiterhelfen können." Ein Bereich der Selbsthilfeorganisation sind auch sozialrechtliche Fragen.

Und der Austausch mit anderen Betroffenen; sie sind ja in gewisser Weise Fachleute in eigener Sache. Erprobte Backrezepte ohne Waage oder der Umgang mit einer Waage mit akustischer Anzeige sind laut Wiegleb Beispiele der Hilfe für jemanden, der gern backt und glaubt, er könne das nun nicht mehr. Lesegeräte und Lupen helfen Literaturbegeisterten, ihr Hobby trotz massiver Einschränkung beibehalten zu können, aber auch Tipps für Hörbücher und Streaming.

Ab 50 regelmäßige Kontrollen

Seheingeschränkte Menschen werden mehr, obwohl die Zahl der von Geburt an Blinden immer geringer wird. Es nehmen vor allem die mehrfachen Einschränkungen, nicht zuletzt durch das Alter, zu.

Deshalb rät Barschtipan allen über 50 Jahren zur regelmäßigen ärztlichen Kontrolle, denn die meisten Erkrankungen beginnen schleichend. "Der Augenarzt ist sogar der erste, der einen beginnenden Diabetes durch Veränderungen der Netzhaut diagnostizieren kann", weiß sie. Und: "Jeder Dritte hat die Tendenz zu einer altersbedingten Makuladegeneration, einer Erkrankungen, deren Verlauf allerdings nur verzögert werden kann."

Blickpunkt Auge

Beratung Detaillierte Beratung bieten in der Region die Blickpunkt-Auge-Beratungsstellen in Nürnberg, Bahnhofsplatz 6, Telefon 0911/236000, E-Mail nuernberg@blickpunkt-auge.de, und ihr Pendant in Bayreuth, Carl-Schüller-Straße 10, Telefon 0931/1512600, E-Mail bayreuth@blickpunkt-auge.delp