Dass sich intensives Training auszahlt, ist eine altbekannte Tatsache. Dass aber der Katholische Frauenbund damit im Pretzfelder Fasching einen Raketenstart hinlegt, das wiederum hätte keiner der 24 Akteurinnen erwartet. So kam das aus den Vorjahren bereits verwöhnte Publikum am Samstagabend erneut voll auf seine Kosten. Unter der neuen Leitung von Anette Ruhmann zeigten sich die in verschiedene Rollen schlüpfenden Frauen von ihrer allerbesten Seite, so dass im vollbesetzten Saal bei den zehn Programmpunkten kein Auge trocken blieb.

Die Gäste quittierten die einzelnen Auftritte mit viel Beifall und forderten, da sie von einigen Auftritten nicht genug erleben konnten, immer wieder Zugaben. Für eine stimmungsvolle musikalische Unterhaltung sorgte Michael Scharf. Der als Frosch verkleidete Pfarrer Florian Stark, der zum zweiten Mal im Katholischen Frauenbund-Fasching mit eingebunden war, zeigte ebenso sportliches (beim Bühnenaufgang) wie schauspielerisches Talent. Zusammen mit Maria Hack (Storch) fiel es ihm beim Programmpunkt "Rudweißgrün" nicht schwer, "Pretzfelder Kostenstellen" aufs Korn zu nehmen, was immer im Lied-Refrain "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?" endete.

So werden die Polster für die neue Hallenbestuhlung im Saal ab nächsten Jahr von jedem Besucher selbst mitzubringen sein, "weil die Gma ka Geld hot". Der Beifall von Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen) sollte wohl zeigen, dass hier eine Idee geboren wurde, über die es angesichts der klammen Gemeindekasse wert ist nachzudenken.

Ausdrucksstarke Auftritte

Ein auffälliges Blitzlicht gewitter riefen die Big Mamas mit ihrem erotisch angehauchten Hip-Hop-Tanz hervor - und mussten folgerichtig eine Zugabe aufs Parkett legen. Mit den in den passenden Kostümen sehr ausdrucksstark vorgestellten Reise zu den Musicals Cats, Greece und König der Löwen wurde die Stimmung im Saal im oberen Level gehalten.

Und dann kam ihr großer Auftritt: sechs Nonnen mit versteinerter Miene - die nur unter größter Anstrengung beibehalten wurde - betraten den Saal und rießen mit Sister Act alle Zuschauer mit. Die Nonnen wuchsen in ihrer mitreißenden Darbietung über sich hinaus.

In "Die richtige Entscheidung" erzählte eine arme Frau über ihren Ehe-Alltag. Der begann schon in der Hochzeitsnacht, als sie sich nackt ins Bett legte und ihren Mann fragte: "Gefällt dir das Kleid der Liebe?" Seine Antwort: "Ja scho, oba du häst es vorher noch bügeln könna." Und wenn der Mann ständig wie selbstverständlich seinen Kaffee verlangte, musste er sich doch die Frage gefallen lassen: "Kennst du nicht das Zauberwort mit zwei tt?" Natürlich weiß er es: "Aber flott!"

Besucherin gerät ins Schwärmen

Ob es auch "Die Drei am WC", "Alarm Alarm, die Feuerwehr", die "Wundermaschine" oder "die Clowns sind los" waren - die gute Stimmung wollte kein Ende nehmen. Besucherin Rosi de Pascali, die wie in jedem Jahr eigens aus Bad Mergentheim anreist, schwärmte: "Das Programm ist es jedesmal wert, nach Pretzfeld zu kommen. Die Frauenbund-Akteurinnen bringen alles so gut rüber, dass sie locker auch in der Fränkischen Fasnacht in Veitshöchheim auftreten könnten."

So passt es ins Bild, dass die rundum gelungene Veranstaltung am Sonntag wegen der starken Nachfrage wiederholt wurde.