Beim Durchschreiten der Eingangstür von Sport Martin in Neunkirchen am Brand fällt der Blick zuerst auf die knallbunte Skibekleidung im Eingangsbereich. Doch noch bevor die Kunden bei der Kasse angekommen sind, stapeln sich schon die Geschenkpakete.

Bettina Weiß ist die Chefin von Sport Martin in Neunkirchen am Brand. Obwohl dieser Winter für das auf Wintersport spezialisierte Geschäft wohl das schlechteste Jahr seit Bestehen ist, sieht Bettina Weiß die Not anderer. "Corona ist für uns eine Katastrophe", sagt sie, "aber wir werden deswegen nicht Hunger leiden." Das sei in den Zielländern der Johanniter Weihnachtstrucker anders. "In Deutschland gibt es Hilfen und Anlaufstellen, dort nicht", erzählt Weiß.

Das erste Jahr

In diesem Jahr ist ihr Geschäft zum ersten Mal eine Sammelstation für die Weihnachtspäckchen der Weihnachtstrucker. "Mit den Johannitern arbeiten wir schon seit vielen Jahren zusammen", berichtet Bettina Weiß. Jedes Jahr werde Skibekleidung gesammelt und an die Johanniter gegeben. "Ich kannte auch die Weihnachtstrucker, aber mir war nicht bewusst, dass das von den Johannitern organisiert wird", sagt sie. Durch Zufall sei sie mit dem Fahrer, der seit Jahren die Skikleidung abholt ins Gespräch gekommen. Dieser Kontakt habe dann von seinen Einsätzen vor Ort berichtet und für Bettina Weiß war schnell klar, dass sie sich beteiligen möchte.

Dass die ehrenamtlichen Helfer der Johanniter in diesem Jahr wegen Corona nicht selbst vor Ort fahren können, schmerzt Patrizia Renninger. Die Pressesprecherin der Johanniter in Bamberg koordiniert die Weihnachtstrucker in der Region. "Wir können aufgrund der Corona-Krise nicht wie gewohnt mit unseren Trucks mitfahren", erzählt sie, "aber wir haben trotzdem einen Weg gefunden, wie alle Päckchen an ihren Bestimmungsort kommen." Die Speditionen, mit denen schon in den letzten Jahren zusammengearbeitet wurde, stellen nun das Personal zur Verfügung - und das ohne Kosten für die Johanniter, sondern als Bei-Pack zu regulären Fahrten. Auch die Abholung der Päckchen ist in diesem Jahr anders. In den vergangenen Jahren konnten Schulklassen, die gemeinsam Päckchen gepackt haben, diese auch selbst in die Trucks laden. "Das geht heuer wegen der Hygieneregeln nicht", bedauert Renninger.

Schöne Tradition

Ein Päckchen mit den Kindern zu packen ist auch für Familien eine Möglichkeit, dem Nachwuchs zu zeigen, wie gut es uns in Deutschland geht, findet Bettina Weiß. "Es ist doch ein schönes Weihnachtsritual, wenn die Kinder für Kinder in ärmeren Ländern etwas zusammenpacken."

Diese Tradition verfolgt auch die Neunkirchener Kolpingjugend seit Jahren. "Das Engagement der Kolpingjugend ist wirklich herausragend", sagt Weiß. Seit Jahren organisieren die Kinder und Jugendlichen das ganze Jahr über Aktionen, bei denen Geld eingenommen wird, wie zum Beispiel Kuchenverkauf oder ähnliches. "Aus den Einnahmen werden dann am Jahresende die Päckchen gepackt", weiß Weiß. Da in diesem Jahr aber keine Aktionen stattfinden konnten, sah es so aus, als könnte die Kolpingjugend auch keine Päckchen packen. "Ich möchte nicht, dass diese Tradition abreißt", sagt Weiß und berichtet, dass sie und ihr Mann daher beschlossen haben, der Kolpingjugend das Geld zu spenden, das sie sonst eingenommen haben.

"Sie sollen einfach wieder ihre Päckchen packen können", findet Weiß, "denn wenn dieses Jahr weniger Päckchen an die Bedürftigen gehen, dann ist das in einem Krisenjahr doch doppelt schlimm."

100 Päckchen sind das Ziel

Man freue sich in der Sammelstelle in Neunkirchen über jedes Päckchen, "denn jedes Päckchen hilft". In diesem Jahr sollen in Neunkirchen 100 Päckchen zusammenkommen. Vor allem auch durch die Hilfe der Kolpingjugend, die im Moment in Zweierteams 65 Päckchen packen.

"Die Päckchen zu sammeln ist für uns als Geschäft doch kein Aufwand", sagt Weiß. Sie findet es sei ein Armutszeugnis, dass große Unternehmensketten, die überall vertreten sind, sich aus der Aktion zurückgezogen haben. "Ich denke, es wären deutlich mehr bereit, ein Paket zu packen, wenn sie überhaupt von der Aktion wüssten."

Das kommt rein

Damit jeder Paket-Empfänger dasselbe bekommt, gibt es eine feste Packliste. 2 kg Zucker, 3 kg Mehl, 1 kg Reis, 1 kg Nudeln, 2 Liter Speiseöl in Plastikflaschen, 3 Packungen Multivitamin-Brausetabletten, 3 Packungen Kekse, 5 Tafeln Schokolade, 500 g Kakaogetränkepulver, 2 Duschgele, 1 Handcreme, 2 Zahnbürsten, 2 Tuben Zahnpasta, 1 Geschenk für ein Kind (z.B. Malbuch und Stifte).

Teilnehmen ist leicht

Bis Montag, 14. Dezember werden die Pakete bei Sport Martin (Zum Neuntagwerk 7 in Neunkirchen) gesammelt. Weitere Sammelstellen finden Sie auf www.johanniter-weihnachtstrucker.de . Wer keine Möglichkeit mehr hat bis Montag ein Paket zu packen, der kann Geld spenden, die Johanniter packen dann ein Paket. Infos dazu gibt es ebenfalls auf der Webseite der Weihnachtstrucker.