Und für seinen Stellvertreter war es bestimmt die schwierigste Lobrede, die er jemals auf seinen "Freund Franz" gehalten hat. Als Routine habe er es nie empfunden, in der Jahresabschluss-Sitzung des Stadtrates die Leistungen des Oberbürgermeisters zu würdigen, betonte Bürgermeister Franz Streit (CSU). Doch diesmal müsse der Dank an Franz Stumpf "ganz anders ausfallen". Es gehe darum, dass Stumpf "an sein Wohl denkt", sagte Streit und erinnerte daran, wie schwer es dem OB gefallen sei, krankheitsbedingt den Rücktritt zu erklären. Streit sprach dann von der "Erfolgsgeschichte", die Stumpf geschrieben habe; dass er ihm nicht nur für 2015 zu danken habe, sondern für die 25 vorausgegangenen Jahre; und dass nun wohl eine Zäsur in der Stadtgeschichte anstehe, "auf die wir uns alle erst noch einstellen müssen". Bürgermeister Streit wünschte "uns allen", dass der kommende OB- Wahlkampf "den Gemeinschaftssinn nicht negativ beeinträchtigen" möge. Und seinem Freund und Weggefährten Franz Stumpf legte er ans Herz, er möge doch bitte alles unternehmen "damit uns deine Kompetenz noch lange erhalten bleibt".

Begleitet waren die Reden des Oberbürgermeisters und des Bürgermeisters von lang anhaltenden stehenden Ovationen des Stadtrates.

Die Weihnachtsrede hatte Franz Stumpf auf seine religiösen Überzeugungen gegründet. Er zitierte aus dem Lukas-Evangelium, verknüpfte die Lage der Flüchtlinge in Forchheim mit der Herbergssuche der Weihnachtsgeschichte und arbeitete heraus, dass Advent nicht nur ein Wort ist. Sondern eine Haltung. Advent komme von dem lateinischen Verb "adveniat" und bedeute so viel wie: er, sie, es möge kommen. "Es geht um eine Haltung dem Fremden gegenüber. Es geht darum, offen zu sein, für das, was kommt", sagte Franz Stumpf appellierte an seine Ratskollegen, sich die Haltung des "adveniat" zu eigen zu machen und "zuversichtliche Erwartungen" zu hegen. "Denn wer sich verschließt, der wird zum Spielball der Entwicklungen".

All diese Worte sagte Oberbürgermeister Franz Stumpf natürlich vor dem Hintergrund seines Rücktritts. Große Änderungen stünden in Forchheim an. Sein Rücktritt werde ein Teil davon sein.

Unter den Ereignissen des Jahres 2015 hob Franz Stumpf den Beginn der Rathaussanierung hervor; die Planungen für den Jahn-Wohnpark, für das Kolpinghaus; die neuen Siemens-Bauwerke und die umfangreichen Arbeiten in Zusammenhang mit der ICE-Trasse durch Forchheim.

Doch auch für das kommende Jahr seien bereits Zeichen gesetzt, sagte Stumpf. Er nannte die Sanierung der Adalbert Stifter Schule und die Fusion der Kliniken Forchheim und Ebermannstadt. Stumpf versprach, in seiner verbleibenden Amtszeit (bis Ende März) alles daran zu setzen, dass die "wichtige Intensiv-Station" im Klinikum Forchheim eröffnet wird. Als "belastend" bezeichnete er das Planfeststellungsverfahren für die ICE-Strecke durch Forchheim.

Noch vor seiner Jahresschluss-Rede hatte Stumpf mitgeteilt, dass die Anfechtungsklage gegen die Planfeststellung "fast zu heiß ist" und wenig Erfolg verspreche. Das hätten jüngste Gespräche ergeben. "Es wird sehr schwer werden und es scheint wenig aussichtsreich".

Zu Tränen gerührt waren bei dieser Ratsversammlung nicht nur die beiden Bürgermeister. Auch einige Mitarbeiterinnen und Besucher griffen zum Taschentuch. Oberbürgermeister Franz Stumpf beendete seine Weihnachtsansprache mit einer Bitte an die Stadträte und die Verwaltung: "Wer immer mir nachfolgt, unterstützen Sie ihn nach besten Kräften und verinnerlichen Sie die Haltung des adveniat".


Minutenlang Stille

In der Rede des Personalratsvorsitzenden Dieter Walda wurde dann nochmal deutlich, welch großer Einschnitt die Rücktrittserklärung des Oberbürgermeisters für die Mitarbeiter der Stadt war. Walda erinnerte an die Versammlung des Personalrats vom 8. Dezember, als Franz Stumpf die Nachricht von seinem Rücktritt überbracht hatte. "Wir waren geschockt", sagte Walda, "es herrschte minutenlang Stille im Rathaus."