Sie sind zutraulich und lassen sich gerne anfassen. Das sind Attribute, die man mit Neonazis eher nicht in Verbindung bringt, und trotzdem gibt es einen Zusammenhang: Karl-Heinz Hoffmann (78), der wohl bekannteste Rechtsextreme der Bundesrepublik, wollte sich mit der Zucht von Wollsäuen ein Zubrot verdienen. Dazu kaufte er vor Jahren ein Rittergut in Sachsen, von dem er sich jetzt wohl wieder trennen muss.

2004 wurde Hoffmann, der mit der Gründung der nach ihm benannten "Wehrsportgruppe" 1973 zu zweifelhaftem Ruhm kam, Schlossbesitzer in Sachsen: Von einem Nürnberger Architekten kaufte er das ehemalige Rittergut Sahlis in der Gemeinde Kohren-Sahlis, sozusagen als (mindestens) zweites Standbein: Denn seit 1978 bewohnt der gebürtige Nürnberger Hoffmann Schloss Ermreuth in Neunkirchen am Brand (Oberfranken).

In Nürnberg und in den neuen Bundesländern hat/hatte der rechte Radikale, der sich heute nach eigenem Bekunden nicht mehr politisch betätigt, beträchtlichen Immobilienbesitz.


Gemeinnützige Stiftung

Das sächsische Rittergut war zuletzt Eigentum der von Hoffmann verwalteten "Gemeinnützigen Fiduziarischen Kulturstiftung Schloss Sahlis". Über sie wollte Hoffmann Fördergelder für das marode Gemäuer sammeln. Zu dem historischen Anwesen gehören 60 000 Quadratmeter Grund; werden das Herrenhaus und alle Nebengebäude saniert, hat man 10 000 Quadratmeter Nutzfläche.

Das würde bei einem am Neubau kalkulierten Aufwand von 2000 Euro pro Quadratmeter 20 Millionen Euro kosten - aus welchen Töpfen die Hoffmannsche Stiftung die schöpfen wollte, verrät der Schlossherr nicht, obwohl er sich ausführlich zum Projekt Sahlis äußert: Er sei angetreten mit "dem uneigennützigen Bemühen, das kulturhistorisch bedeutende Ensemble vor dem Verfall zu retten". Gescheitert ist das Millionen-Projekt aber schon an 160 000 Euro: Der Abwasserzweckverband der sächsischen Kommune habe ihn dazu gezwungen, das Rittergut Sahlis an die Kanalisation anzuschließen, sagt Hoffmann.


Hoffmanns Mutmaßungen beschäftigen den Landtag

Da er die 130 000 Euro, die er aus dem Denkmal-Förderprogramm des Landes Sachsen erhalten habe, und reichlich eigenes Geld für dringende Maßnahmen zur Notsicherung ausgeben musste, sei er "kräftemäßig und materiell ausgeblutet". Sprich: Die Stiftung ist pleite, das Gut wird am Mittwoch im Amtsgericht Leipzig zwangsversteigert.

Den Verkehrswert hat das Gericht mit einem Euro angesetzt. Von "Enteignung" spricht Hoffmann und wittert das "Bemühen des politischen Establishments", ihn mit seinen "unbequemen Wahrheiten" mundtot zu machen. Hoffmanns Erzählungen haben auch den Landtag beschäftigt. Kerstin Köditz, Sprecherin der Linken in Dresden, wollte von der Staatsregierung wissen, ob die Fördergelder zu Recht flossen oder in dubiosen Kanälen versickerten.


Politische Vergangenheit spielte keine Rolle

Dazu antwortete die Regierung, ohne unter Verweis auf den Datenschutz Details zu nennen. Fakt ist: Die Förderzusage bestand bereits vor der Gründung von Hoffmanns Stiftung; für das Geld musste den Behörden ein Verwendungsnachweis vorgelegt werden, der geprüft und für stichhaltig befunden wurde. Was Hoffmann einst politisch trieb, spielte bei den Entscheidungen der Behörden keine Rolle: Das eine regelt die Denkmalschutzverordnung des Freistaates Sachsen, das andere die Satzung des Abwasserzweckverbandes Wyratal; Platz für Verschwörungstheorien ist da nicht.

Ob das Rittergut selbst zum Preis von einem Euro einen neuen Besitzer findet, ist angesichts des ruinösen Zustandes fraglich. Hoffmann äußert sich auf seiner Internetseite sehr kryptisch; er sei gespannt, "was sich am 20. Januar vor dem Amtsgericht Leipzig abspielen wird".


Freude im Rathaus Kohren-Sahlis: "Die Schweine sind weg."

In Sachsen würde man dem Rechten aus Franken keine Träne nachweinen. Bis zuletzt hielten sich Befürchtungen, aus dem Rittergut in dem Ort, wo der "Lebensborn" der Nazis 1942 ein Kinderheim betrieb, könnte ein Treffpunkt der rechten Szene werden. Von derlei Ferkeleien will Hoffmann nichts hören. Er ließ sich wiederholt im Hof seiner sächsischen Residenz abbilden, Stiefel tragend und mit einer Mistgabel bewaffnet, inmitten der Wollschweine, die er dort zur Finanzierung des Großprojektes züchten wollte.

Ironie am Rande: Die handzahmen Mangalica-Schweine sind eine alte Rasse aus Ungarn, Zuwanderer also. Immerhin gibt es sie in drei Farben: Großrahmige Blonde, Rote und Schwalbenbäuchige ... "Die Schweine sind weg", lautet die Auskunft aus dem Rathaus in Kohren-Sahlis auf die Frage, wie es aktuell um das Rittergut steht. Die Antwort scheint mehrdeutig.