Wohnen in einem Stelzenhaus aus Holz in Bachnähe, vor der Haustüre in einem Schwimmteich baden und nur wenige Fußmeter davon entfernt in dem zur Anlage gehörenden Restaurant essen - das klingt nach Urlaubsromantik und Natur pur und wurde den Igensdorfer Marktgemeinderäten in einer nichtöffentlichen Sitzung schmackhaft gemacht.

Auf den gemeindeeigenen Flächen direkt im Anschluss an den Sportplatz und der Wiese gegenüber des Lindelbachs soll das "Naturhotel Stöckach" realisiert werden. "Wir haben gesagt: wenn Tourismus, dann sanften Tourismus", erklärt Bürgermeister Wolfgang Rast (IU).

Der erste Schritt zur Umsetzung ist, den Flächennutzungsplan zu ändern. Ein Sondergebiet "Hotel" muss ausgewiesen werden, weshalb das auf der Tagesordnung stand. Doch anders als bei dem Thema "Krematorium", das im Gewerbegebiet Richtung Weißenohe fern einer Wohnbebauung entstehen sollte, wurde zum "Naturhotel" auf eine Bürgerbefragung verzichtet.

Martina Dietrich von der Firma Stadt und Raum erläuterte mit ihrem Team von Planern, was unter dem "Naturhotel" zu verstehen ist. Der Lindelbach ist als Biotop kartiert und besonders geschützt. Da der Bach ein wichtiger Lebensraum ist, müssen eine artenschutzrechtliche Prüfung durchgeführt werden und drei Begehungen stattfinden. Fledermäuse, Vögel und Reptilien erwartet man, dort zu finden.

Erst vor wenigen Tagen hat das Planungsbüro ein Gutachten erhalten, in dem versichert wird, dass der Lindelbach sein Bachbett, da sehr tief und viel Volumen fassend, bei Hochwasser nicht überschreitet.

Linden müssen gefällt werden

Der Radweg- und Schulweg von der wenige Meter entfernten Grundschule bis Stöckach ist mit Linden gesäumt. Einige davon werden entfernt werden müssen, um kurz nach der Kurve eine Einfahrt zum "Naturhotel" bauen zu können. Diese Fläche ist direkt an den Spiel- und Sportplatz angegliedert und wurde vorübergehend als Ablageplatz für Erdaushub genutzt. Ein großes zweigeschossiges Gebäude soll hier errichtet werden - als Eingangsbereich. Auch die Parkplätze sind auf der unteren Fläche angedacht. Wieder würden ein paar wenige Bäume gefällt werden, um eine Brücke über den Lindelbach zu bauen, um zur Anlage zu gelangen.

In den zweigeschossigen Häusern sind Schulungsräume mit Catering sowie ein Restaurant nur für die Gäste der Hotelanlage eingerichtet, 200 Meter von der Lindelberghalle entfernt. Zwischen 40 und 50 Leute finden in der Anlage Platz zum Übernachten und Erholen.

Stefan Gebhardt (Junge Bürger) missfiel, dass der Grasweg hinter dem Sportplatz entlang des Baches befestigt werden soll. Aus Sicht des Sportvereins sei es nicht möglich, dort einen Gehweg zu bauen. Es sei auch technisch nicht möglich, es sei denn, die gesamte Baumreihe würde gefällt werden, fügte Uwe Zollikofer (IU) an. Um den Grasweg unantastbar zu lassen, wird er dem Biotop Lindelbach zugeschlagen. Die Gemeinde darf ihn nutzen, um Säuberungsarbeiten durchzuführen.

Blieben noch Überlegungen, die Geschwindigkeit von 70 km/h an der Kreisstraße zu drosseln. Optisch soll das geschehen, indem am Rand der "Erholungsfläche" Bäume gepflanzt und so zu einem "Baumtor" werden. Man gehe automatisch vom Gaspedal, wenn die Straße enger wirke, meinte ein Planer. Mit Bäumen umrahmt wird ein Teil der Wiese, auf dem die Stelzenhäuser errichtet werden sollen. Das wäre bereits die erste Ausgleichsmaßnahme. Trotzdem müssen externe Ausgleichsflächen ausgewiesen werden.

Anlage wird umzäunt

Die gesamte Anlage wird umzäunt. Innerhalb der Anlage würde sicherlich gepflastert werden, wurde Zollikofers (IU) Frage beantwortet. Aber es gebe bereits gut wasserdurchlässige Pflastersteine. Einzig Bernd Merkl (IU) schien sich Gedanken über weitreichendere Folgen zu machen.

"Wenn wir im Bebauungsplan ein Sondergebiet ausweisen, könnte das dann für jedes Hotel sein?", fragte Merkl für den Fall, dass aus dem "Naturhotel" nichts werden sollte. Der Gemeinderat werde im Einzelfall entscheiden, meinte der Bürgermeister, bevor einstimmig das Sondergebiet "Hotel" für den Bebauungsplan und die Flächennutzungsplanänderung beschlossen wurde.