"So, wir spielen jetzt in As-Dur", gibt der Leiter des Posaunenchors Hetzelsdorf, Bernhard Löw, vor. Geübt wird der Einzug in die Kirche, denn niemand soll mit Stöckelschuhen über die Treppe stolpern. Bernhard Löw wirkt streng, wird aber liebevoll "Papa" gerufen - wobei einige der Mitglieder tatsächlich seine leiblichen Kinder sind. Der Chorleiter erklärt, dass sie nur auf Blechinstrumenten spielen, dass sie eine Kapelle ohne Holz, aber mit viel Herz sind. "Wir sind alle Laien, haben nicht Musik studiert. Stattdessen bilden wir die Berufswelt ab", berichtet Löw.


Das Gotteslob als Grundlage

Und die Mitglieder kommen gern. Geprobt wird freitags in der Pfarrscheune. Marion Probst wohnt mittlerweile in Gasseldorf - doch sie kommt zu jeder Probe. "Hier können wir das Gotteslob in die Welt hinausposaunen und einem Gottesdienst etwas Prächtiges geben", freut sie sich.
Der Glaube ist ihr sehr wichtig. 1989 trat sie mit zwölf Jahren dem Posaunenchor bei. "Damals gab es bei den tiefen Stimmen noch keine Frauen", erinnert sich Probst. Sie hatte wohl auch einmal in einem anderen Verein mitgespielt, doch sei sie wieder nach Hetzelsdorf zurückgekommen: "Die musikalische Vielfältigkeit ist hier größer, und keiner schaut dich krumm an, wenn du mit einem großen Instrument durch den Ort läufst."

Papa Löw nickt und klärt auf, dass die Grundlage aller Posaunenchöre das Gotteslob sei. "Wir unterstützen die christliche Gemeinde musikalisch in Freud und Leid", erklärt der Chorleiter. Er sucht die Stücke aus den vom Dachverband vorgegebenen Werken aus. "Für andere Stücke müssten wir sonst selbst die Gema-Gebühren bezahlen", ergänzt der Chorleiter. Er wählt je nach Anlass und Schwierigkeitsgrad. "Wir spielen an allen Festtagen, das macht schon 18 Gottesdienste; aber auch an Geburtstagen, Beerdigungen oder Gemeindefesten", zählt Löw auf.

Das Repertoire ist umfangreich, aber ohne Schunkelmusik oder Rap. "Das mit dem Rap wird schon noch", werfen die jungen Musiker ein und lachen. "Nein, das ist wirklich nicht meine Welt", erwidert Löw kopfschüttelnd und erklärt, dass die Basis der Musik Melodie, Harmonie und Rhythmus seien. Da fehle ihm beim Rap einiges. "Ein modernes Stück darf nicht weh tun", meint Löw. Trotzdem sollen die Proben allen Spaß machen.
"Also, ich komme auch, weil wir hier anspruchsvolle Stücke spielen", wirft Jochen Hostalka ein. Für manche Stücke würden zehn Abende benötigt. "Das ist Arbeit, aber am Schluss ist man stolz auf das Erreichte", erklärt er. Deshalb sei das für ihn auch eine Ablenkung vom Alltag und bedeute Entspannung. Ausgleich statt Belastung.
Neben dem großen Chor gibt es auch die Jungbläsergruppe. "Wir haben derzeit vier Jungbläser", erzählt Obfrau Rebekka Löw. Diese werden - nach christlichem Leitbild - kostenlos ausgebildet und es wird ihnen auch ein Instrument zur Verfügung gestellt. "Und wir haben einen Fanclub", wirft Papa Löw ein. Alle schauen ihn fragend an. "Klar, die Gemeinde, denn die finanziert den Verein über Spenden", erklärt der Leiter des Posaunenchors.


Auf Wanderschaft am 1. Mai

Mit kostenlosen Veranstaltungen geben die Chormitglieder wieder etwas zurück an "ihre Fans". Neben dem jährlichen Konzert gibt es noch einen zweiten Höhepunkt: das "Maiblasen" am 1. Mai. "Da ziehen wir früh mit den Instrumenten los und spielen an bestimmten Punkten in der Kirchengemeinde", erzählt Anna Wehrfritz stolz. Und Rebekka Löw ergänzt: "Die Gemeindemitglieder warten schon auf uns und geben uns Essen und Trinken." Und Bernhard Löw wirft ein: "Da sind wir als Gottes Volk auf Wanderschaft. Nur brauchen wir keine 40 Jahre wie damals bei Moses, sondern nur vier Stunden." Und Jochen Hostalka meint: "Wir machen das für die Sache, denn es ist in der heutigen Zeit schön, etwas zu tun, ohne Geld dafür zu bekommen - einfach von Herzen etwas zu geben."