Bis zur Jahresmitte will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn allen Impfwilligen ein Angebot machen. Aber gibt es auch genug, die wollen? Beispielsweise in der durch Corona besonders gefährdeten Gruppe der Pfleger, Ärztinnen und Mitarbeiter in Kliniken und Pflegeeinrichtungen des Landkreises Forchheim?

Alexandra Dauer muss jedenfalls noch viele Gespräche führen, bis ihre Wunsch-Impfquote erreicht ist. Dauer ist Leiterin von drei Seniorenzentren. In Streitberg, Unterleinleiter und in Ebermannstadt hat sie bei den Mitarbeiter "massiv für die Impfung" geworben.

In Streitberg tut Alexandra Dauer dies unter extrem schwierigen Bedingungen. 72 der 75 Bewohner und zwei Drittel der Mitarbeiter sind mit Corona infiziert. Ohne Unterstützung der Bundeswehr und ehrenamtlicher Helfer könnte der Betrieb gar nicht mehr laufen.

Dennoch ist der Impfwille in der Belegschaft nicht übermäßig stark ausgeprägt. Rund 40 Prozent sind in den drei Häusern, die sich per Piks gegen Covid-19 schützen lassen wollen. Im Lindenhof in Unterleinleiter zum Beispiel hatten sich 30 der 70 Mitarbeiter sofort bereiterklärt.

Einzelgespräche

"Ich würde gern mehr haben", sagt Alexandra Dauer. Sie glaubt, dass jeder in diesem Beruf ein "hohes Verantwortungsgefühl" habe. "Das trägt zur Entscheidung bei, sich impfen zu lassen, aber es gibt eben auch Mitarbeiter, die wollen es nicht." Deshalb führt sie Einzelgespräche. "Ohne Druck", wie Dauer betont, "sondern mit Argumenten - und das passiert auch unter den Mitarbeitern."

Auf diese Strategie setzt auch Karin Amon, die Leiterin des BRK-Heimes in Forchheim. Von 85 Mitarbeitern habe die Hälfte positiv auf das Anschreiben reagiert. Mit der spontanen 50-Prozent-Zusage ist Karin Amon zufrieden, zumal schon einige signalisiert hätten, "nachzuziehen". Letztlich rechnet die BRK-Heim-Chefin beim Personal mit einer 75-prozentigen Impfquote. Sie habe sich bereits impfen lassen, sagt Karin Amon: "Ich bin voll überzeugt. Selbst wenn es Nebenwirkungen geben sollte, die können nicht so schlimm sein wie wenn ich Corona kriege."

Beim Impf-Team des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Forchheim stehen sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter der Kliniken und Pflegezentren Schlange. "Diejenigen, die sich im Moment impfen lassen, sind heiß drauf, weil sie leben wollen", sagt Sebastian Beetz, der Geschäftsführer des ASB: "Einen Impfdruck gibt es gar nicht!"

Über die Ängste reden

70 bis 80 Prozent der Mitarbeiter in den 16 Einrichtungen und zwei Kliniken des Landkreises werden sich impfen lassen, ist Beetz überzeugt, auch wenn er betont, dass diese Überzeugung momentan nur "gefühlt" sei. Unabhängig davon habe er Verständnis für jene, die Nebenwirkungen fürchten und sich nicht impfen lassen wollten, betont Beetz. Ja, sagt auch Karin Amon: "Wenn Ängste da sind, muss man reden oder das Thema mal ruhen lassen, es gibt eben zu viele Negativberichte. Die Bereitschaft jener, die Verantwortung für das Allgemeinwohl empfinden, wird wachsen."

Davon ist auch Alexandra Dauer überzeugt; weil es zunehmend junge Menschen gebe, die mit schweren Folgen einer Corona-Infektion zu tun hätten. "Wenn diese Erfahrungen mehr da sind, werden auch die Bedenken gegen das Impfen nivelliert."

Eine "hohe Impfbereitschaft" unter den Mitarbeitern registriert Sven Oelkers, der Geschäftsführer der Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz gGmbH: "Die Impfung gegen das Coronavirus ist für die Mitarbeiter freiwillig, aber natürlich sinnvoll."

Trotz der hohen Impfbereitschaft werde unter der Belegschaft der beiden Kliniken des Landkreises viel über die Risiken diskutiert. Das beobachtet Betriebsratsvorsitzende Kathrin Hamler: "Viele lassen sich impfen, doch die Belegschaft ist zwiegespalten." Eine Schwierigkeit bestehe beispielsweise darin, Falschmeldungen entgegenzuarbeiten, die "in manchen sozialen Medien" verbreitet würden. Da sei etwa die "unseriöse Behauptung" im Umlauf, der Impfstoff könne unfruchtbar machen.

Wer sich von solchen Meldungen beunruhigen lässt, dem empfiehlt Kathrin Hamler, sich im Netz auf "seriösen Seiten" zu informieren, etwa beim "Faktenfuchs" des BR.

KOMMENTAR: Positive Nebenwirkung von Ekkehard Roepert

Selbst die besonders gefährdeten Menschen in den Kliniken und Pflegezentren können sich mehrheitlich noch nicht mit dem Corona-Impfstoff anfreunden. Offenbar wird die Impfdebatte noch immer von der Angst vor Nebenwirkungen beherrscht. Oder vom Anspruch, die persönliche Freiheit wahren zu müssen und dies durch Nicht-Impfen zu demonstrieren.

Doch die Resonanz aus den hiesigen Kliniken und Seniorenzentren zeigt auch, wie hilfreich es ist, sich mit Fakten zu beschäftigen. Dort, wo Corona zuschlägt, wie etwa in Streitberg, überfordert es schlagartig die Gemeinschaft. Positive Nebenwirkung dieser Überforderung: Der Mythos von der angeblichen Harmlosigkeit des Virus für junge Menschen wird zerstört. Und dadurch auch der Mythos von den angeblichen Risiken des Impfens. Die Gespräche, die in den Einrichtungen des Landkreises geführt werden, belegen, dass nicht nur Corona, sondern auch Tatsachen ansteckend wirken können: Wissensaustausch nivelliert individuelle Freiheitsansprüche und schafft Solidarität.