In den 80-er Jahren gaben sich Größen der Pop- und Rock-Szene im Tonstudio von Horst Hartmann in Untertrubach die Klinke in die Hand. Nach mehreren Besitzerwechseln stand das Objekt, in dem Gruppen wie "Slade", das "Electric Light Orchestra" oder "Soft Cell" ihre Songs aufnehmen ließen, unter dem Hammer. Der Verkehrswert des Gebäudes plus 3000 Quadratmeter Grund: 290 000 Euro.

"Bei der Versteigerung am Freitagvormittag gab es kein einiges Gebot", bestätigt Richter Uwe Hock vom Amtsgericht Bamberg. "Jetzt muss halt ein neuer Termin angesetzt werden, aber bestimmt nicht mehr in diesem Jahr", informiert Hock. Unter Umständen kann sich die Kreissparkasse Erlangen, auf deren Betreiben die Versteigerung anberaumt wurde, das ganze Verfahren auch sparen.


Kaufvertrag bereits aufgesetzt

"Es gibt einen Interessenten und und einen Kaufvertrag, der stecken geblieben ist", räumt der zuständige Sachbearbeiter des Falles bei der Kreissparkasse Erlangen, Peter Münch, ein. Ihm wäre es am liebsten, wenn der notariell abgesegnete Vertrag umgesetzt werden könnte. Sobald der Käufer seinen ausgehandelten Verpflichtungen nachkommen kann, werde der Vertrag rechtskräftig, erläutert Münch.

Vertragspartner ist der in Forchheim ansässige Finanzberater Günter Roth. "Der Kaufvertrag wird nächste Woche vollzogen", zeigt sich Roth optimistisch. Er wolle das Objekt für den Verkehrswert von 290 000 erwerben. Es habe nur eine Verzögerung gegeben, weil ein Schuldner nicht pünktlich bezahlt habe, erklärt Roth. Er bekennt: "Ich verhalte mich antizyklisch. Während andere vom Land in die Stadt ziehen, will ich aufs Land raus", unterstreicht Roth.


Firmensitz verlagern

Seine Idee: Einen Teil des Gebäudes selber nutzen und den Unterhalt des Gebäudes über eine GmbH sicherstellen, die sich um die Vermarktung der restlichen Räumlichkeiten kümmert. Der finanzielle Aufwand dafür halte sich in Grenzen, schätzt Roth. Der Finanzmakler will sowohl seinen Wohnsitz als auch den Firmensitz seiner Agentur nach Untertrubach verlagern. "Es gibt Straßen, und in Zeiten des Internet ist es egal, wo der Firmensitz ist. Ich brauche kein großes Ladengeschäft", meint Roth.


Tonstudio soll lebendig bleiben

Er wolle auch das Tonstudio "wieder auf Vordermann bringen". Denn zum Rausreißen sei die Einrichtung zu schade. Deshalb hat Roth nach eigenen Angaben bereits Kontakte zu Musikproduzenten geknüpft. Ihm schwebt eine Mehrfachnutzung des ehemaligen Tonstudios an: "Die Räume sind schalldicht, da kann man auch laut sein."

Deshalb ist Roth überzeugt davon, dass die Immobilie als Veranstaltungsort für Seminare durchaus attraktiv sein könnte. "Ich denke dabei an die Verbindung von Coaching, Natur und Musik. Dabei soll die Geschichte des Hauses lebendig bleiben. Fotos von den Größen, die hier einst ein- und ausgingen, sollen die Wände zieren und an die großen Zeiten des Tonstudios erinnern. "Das Haus ist ein Zeitdokument", findet Investor Günter Roth.

Er will auch das Bistro wieder mit Leben erfüllen. Die Kunden der Agentur könnten das Café ebenso nutzen wie Besucher, Nutzer des Tonstudios oder Seminar-Teilnehmer.