Die EU droht in diesen Tagen damit, Deutschland zu Strafzahlungen zu verdonnern. Es geht dabei um die Natura-2000-Gebiete. 1992 hatten sich die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet , diese Gebiete auszuweisen, um einen europaweiten Biotopverbund zu bilden.

"Mit 17 Prozent SPA- und FFH-Gebieten liegen wir über dem bayerischen Durchschnitt", sagt Michael Urbanczyk von der Unteren Naturschutzbehörde. Der bayerische Durchschnitt dieser beiden besonderen Naturschutzkategorien liege bei zwölf Prozent. Die Natura-2000-Gebiete umfassen im Prinzip zwei Typen. Das sind zum einen die Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH). Diese sind der Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Aber auch Offenland-flächen, Flachlandwiesen und verschiedene Waldtypen gehören dazu. Zur zweiten Kategorie zählen die SPA-Gebiete (Special protected areas): Das sind Vogelschutzgebiete. Zum Beispiel wird hier bei uns der Rotmilan geschützt.

Die Natura-2000- Richtlinie-wurde bereits 1992 von allen damaligen EU Staaten ratifiziert. Jedes Land hat seine eigene Spezialität und somit seine eigene Verantwortung. Ziel dieser Vereinbarung ist es, ein europaweites Biotop zu bilden.

Seit 2003 aktiv

In Deutschland gibt es offenbar die besten Buchenwälder - also ist Deutschland verantwortlich dafür, diese besonders zu schützen. Die Wälder gehören in die FFH-Gebiete, die jedes Bundesland ausweisen sollte. "Der Freistaat ist erst 2003 in die Ausweisung eingestiegen", erklärt Urbanczyk.

Doch eigentlich war den Verantwortlichen von vornherein klar, dass es nicht reichen würde, nur staatliche Flächen einzugliedern. Also wurden die Naturschutzverbände mit einbezogen und diese meldeten auch Flächen, ohne Rücksicht auf die Eigentumsverhältnisse. Es ging dabei um Flächen, die sich im Privatbesitz befinden, beispielsweise der Landwirte. Damit aber stellten sich die ersten Probleme ein.

Die Flachlandwiesen sind FFH-Gebiete, die der Landwirt weiterhin als Wiese nutzen kann. "Hat der Landwirt noch Vieh, nutzt er die Wiese wohl dafür. Doch Landwirte, die ihren Viehbestand aufgegeben haben, werden die Wiese vielleicht nur noch einmal im Jahr mulchen", nennt Urbanczyk ein Problem in diesem Zusammenhang. Nach einigen Jahren sei die Wiese kaputt - und damit sicher kein FFH-Gebiet mehr.

Eine Frage des Verdienstes

Ein anderes Beispiel ist Grünland, das für Landwirte ohne Vieh wertlos geworden ist, und jetzt umgebrochen wird. Ein Acker mit Maisanbau ist für manche sicher lukrativer.

Die Folge wäre, dass das Artensterben weiterginge. "Wir haben hier keine Tiger zu schützen, sondern Schmetterlinge", sagt der stellvertretende Fachbereichsleiter vom Landratsamt. Mit einem Antrag könnte die Wiese deshalb auch umgebrochen werden. Diesen Fall hatte Michael Urbanczyk bereits in der Praxis zu beurteilen. Ein Landwirt wollte seine Wiese umbrechen, weil er keine Viehhaltung mehr hatte. "Ich habe mir die Wiese angeschaut. Es war eine astreine Flachlandwiese und er habe das untersagt", sagt Urbanczyk.

Dass Landwirte gebraucht werden, steht für ihn außer Frage, nicht aber die moderne Landwirtschaft. Das rechtlich gravierendste Element ist hierbei das "Verschlechterungsverbot". Dieses bedeutet, dass die gemeldeten Gebiete in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren sind oder durch geeignete Maßnahmen in einen solchen zu versetzen sind. Bayern arbeitet bislang mit der Förderung zugunsten von Landwirten, die sich am Natura-2000-Programm beteiligen. Da der Freistaat bislang für diese FFH -Gebiete noch keine Schutzverordnungen erlassen hat, zahlt er schon jetzt eine Strafe in Höhe von zwölf Millionen Euro. Stolz ist Urbanczyk darauf, am Hetzleser Berg 85 Hektar unter Vertrag genommen zu haben. Die Fläche wird von Landwirten extensiv bearbeitet.

Große Artenvielfalt

Überhaupt sei der Hetzleser Berg ein Vorzeigegebiet in Sachen FFH. Die dortige Artenvielfalt ist wieder ab Mai zu bewundern, wenn Schmetterlinge, Heuschrecken oder Vögel und selbst Fledermäuse die Szenerie bestimmen. Urbanczyk nennt sich und seine Kollegen als glückliche Mitarbeiter. "Wir haben einen tollen Landkreis, da wir Biotope mit einem großen Artenreichtum haben."