Die Sanierung der Mehrzweckhalle inklusive Rathaus in Hausen fällt umfangreicher aus als gedacht. Das wurde in der Sitzung des Gemeinderats deutlich. Thomas Dickerhof vom Planungsbüro Pfaller-Ingenieure sowie Frank Stürzl stellten den Zwischenstand und Vorentwurf für die 1974 erbaute Mehrzweckhalle und die in einem zweiten Bauabschnitt erfolgte Aufstockung des Rathauses vor. Seit März beschäftige man sich mit dem Gebäudezustand, erklärte Frank Stürzl. Herausgekommen sind zahlreiche Überraschungen, vor allem die Dachkonstruktion der Mehrzweckhalle bereitet Sorgen. Unklar ist, ob die Bewehrung als Rundstahl oder Ovalstahl erfolgte. Einem Prüfbericht zufolge wurde für die Spannbetonbauteile minderwertiger Spannstahl verwendet. Für den ovalen Spannstahl, erklärte Stürzl, "gibt es ein mögliches Risiko der Spannungsrisskorrosion, die weitere Schäden verursachen kann". Hier müssen noch detaillierte Erkundungen erfolgen, welcher Spannstahl verwendet wurde. Die restliche Tragkonstruktion der Mehrzweckhalle ist in Ordnung. Das Walmdach als Nagelbrettbinderkonstruktion wurde 1985 nachträglich über der Flachdachkonstruktion der Mehrzweckhalle erstellt, entspricht nicht den genehmigten Konstruktionszeichnungen und weist erhebliche Mängel auf, erläuterte der Planer. Die Mehrzweckhalle mit Nutzung als Versammlungsstätte wurde vom Landratsamt Forchheim infrage gestellt. Da sie aber beim Bau 1976 nicht nur als Doppelturnhalle, sondern auch als Versammlungsstätte genehmigt wurde, besteht grundsätzlich Bestandsschutz.

Die Belüftung

Zur Untersuchung einer möglichen Klimatisierung hatte man an eine Kühlung mit Brunnenwasser für die Büroräume gedacht, was vom Wasserwirtschaftsamt Kronach allerdings abgelehnt wurde. Denn das Gemeindezentrum liegt in einer Zone, in der nur Bohrungen bis einen Meter Tiefe zulässig sind. Für die Lüftung der Turnhalle wird noch geprüft, ob der Bestandsschutz geltend gemacht werden kann. Das Grundleitungsnetz für Schmutzwasser ist bis auf kleinere und mittlere Schäden in Ordnung.

Empfehlung für Gastronomie

Frank Stürzl stellte den Vorentwurf vor. Für die Gastronomie wird empfohlen, ein wirtschaftliches Konzept zu erstellen mit Standortanalyse, Anzahl der Zimmer, Außenbereich und Größe der Küche. Der Flächenbedarf hat Auswirkungen auf die bestehenden Räume. Entsprechend den statischen und brandschutztechnischen Erkenntnissen ist eine Ertüchtigung und Umbau des ersten Rathausstockwerks sowie der Wohneinheit (Ebene 2) nicht möglich. Hier wurde nicht so gebaut, wie genehmigt wurde. Es wurden leicht brennbare Baumaterialien verwendet. Ebenso seien die darunterliegende Decke der Ebene 1 statisch ausgereizt und ein Teilabbruch für das Rathaus und die Wohneinheit erforderlich.

Auf einer Ebene

Durch eine erdgeschossige Erweiterung des Rathauses Richtung Norden werden alle Funktionen ebenerdig auf einer Ebene für Besucher und Mitarbeiter barrierefrei. Ein Treppenhaus sowie Aufzug werden damit überflüssig. Durch den Anbau ergibt sich eine Raumanordnung mit kurzen Wegen und natürlicher Belichtung von Büros, Wartebereich und Fluren. Während der Bauphase kann der alte Bereich des Rathauses noch genutzt werden. Vorgesehen ist eine großzügige Platzsituation, die mittels einer Arkade den Besucher zum Rathauseingang führt.

Bis zum Rohbau entkernt

Die 1,5-fache Turnhalle soll in ihrem Bauvolumen erhalten bleiben. Das Gebäude wird bis zum Rohbau entkernt. Da die Hallenhöhe nicht der Norm entspricht, ist abzuklären, ob dies Auswirkungen auf die Förderfähigkeit hat. Die Nebenräume unter der Tribüne sollen funktional und neu gestaltet werden. Stürzl wies darauf hin, dass für die Tribüne über eine neue Treppe ein zweiter Rettungsweg geschaffen wird.

Ausschank und Essen

Der Ausschank und Essensausgabe für besondere Veranstaltungen ist in der Nähe der Bühne vorgesehen. Über einen Aufzug, der alle Ebenen verbindet, wird die Anlieferung von Speisen und Getränken unter Beachtung der Hygienevorschriften gewährleistet. Um den Verbindungsflur zum Aufzug in Ebene 0 zu realisieren, muss eine der drei Kegelbahnen weichen. Zwei der Kegelbahnen könnte man erhalten. Ob die Kegelbahn überhaupt noch eine Zukunft hat, dazu sollten auch die Bürger befragt werden, so die Anregung aus dem Gremium, unter anderem von Martin Heilmann (UWG). Gemeinderat Franz Josef Ismaier (CSU) meinte, dass die Kegelbahn nicht mehr gefragt sei und der frei werdende Raum anderweitig genutzt werden könne.

Frage nach Haftungsrisiko

Roland Garcon (UWG) fragte nach, ob aufgrund der festgestellten Mängel für die Gemeinde ein erhöhtes Haftungsrisiko bestehe. Sollte festgestellt werden, dass ovaler Stahl für die Binder verwendet wurde, müssten diese abgenommen werden. "Im Falle von Rundstahl ist eine weitere Nutzung der Binder möglich", sagte Stürzl. Ismaier nannte die Vorstellung des Konzepts durch das Planungsbüro gut. Dennoch halte er das ehemalige Gasthaus "Krone" weiterhin für den richtigen Platz für das neue Rathaus in der Ortsmitte. "Wie sollen wir dem Bürger vermitteln, jetzt Millionen für den Anbau und die Sanierung des Rathauses auszugeben, um zehn Jahre später in der Ortsmitte ein neues Rathaus zu bauen?", fragte Corina Grimm (CSU). Thomas Schmitt (UWG) fragte nach, ob eine Gegenüberstellung Sanierung oder Neubau in Betracht gezogen worden sei, denn Umbau und Sanierung seien nicht immer wirtschaftlich. Dies verneinte der Planer, da bei einem Neubau Probleme mit dem Grenzabstand auftreten würden. Grundsätzlich, meinte Stürzl, "passt die Konstruktion für die Nutzung, und die Tragkonstruktion ist ebenfalls in Ordnung". Nach eingehender Vorstellung und Diskussion des Vorentwurfs stellte Bürgermeister Bernd Ruppert (CSU) den Beschluss, das Planungsbüro Pfaller mit der weiteren Planung zu beauftragen, zur Abstimmung. Dem stimmte das Gremium zu.