Weiße Weihnacht unter dem Weihnachtsbaum, davon träumen wir doch alle oder? Mit dem Schlitten den Hang hinunter brausen, einen riesigen Schneemann bauen, sich eine wilde Schneeballschlacht liefern - so wie früher eben. Doch war Schnee zum Fest wirklich so häufig, wie wir das glauben?

Der Klimaforscher Thomas Foken aus Bischberg (Landkreis Bamberg) hat sich die Mühe gemacht und die Aufzeichnungen der Bamberger Wetterwarte bis in die 60er Jahre ausgewertet. Diese gelten für das gesamte fränkische Flachland von Lichtenfels bis Nürnberg und somit auch für den Landkreis Forchheim. Foken wollte ein wahrheitsgetreues Abbild des Phänomens weiße Weihnachten in Franken erhalten. Und natürlich ging es ihm darum zu erfahren, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Wetterereignisse um die Feiertage hat.

"Einem Kind einen Schlitten zu Weihnachten zu schenken, lohnt sich heutzutage nicht mehr", sagt der emeritierte Professor für Mikrometeorologie an der Universität Bayreuth. Denn viel häufiger als die weiße ist ihm zufolge mittlerweile die graue Weihnacht. Alle acht Jahre sind "weiß" (siehe Grafik). In den vergangenen 80 Jahren gab es nur 18 Mal Schnee an einem der drei Festtage. An allen drei Feiertagen ging es in Forchheim in den letzten 80 Jahren sogar nur zehn Mal winterlich zu.

Alle acht Jahre Schnee

In der strengen meteorologischen Definition gibt es in Forchheim nur alle acht Jahre weiße Weihnachten. Die Chancen, dass Forchheim in diesem Corona-Winter zumindest ein bisschen winterlichen Glanz bekommen könnte, stehen gar nicht mal so schlecht. Denn wer kann sich noch an den letzten großen Weihnachtsschnee in Forchheim erinnern? Das war im Dezember 2010. Fast täglich mussten Hausbesitzer zur Schaufel greifen, um der Schneemenge Herr zu werden. Ganze neun Jahre hat es demnach keine weiße Weihnacht gegeben. Noch nie hat sich der weihnachtliche Schnee so lange nicht mehr blicken lassen wie zuletzt. "Weiße Weihnacht wird immer unwahrscheinlicher", bedauert Foken.

Der Grund hierfür liegt vor allem in der Erwärmung des Nordatlantiks. Sie macht Schneefall auch in Franken immer seltener. Weite Teile zwischen Ostgrönland und Spitzbergen sind auch im Dezember noch eisfrei. Die maritime Polarluft, die über diese Gebiete zu uns gelangt, ist heute wärmer als vor 30 bis 50 Jahren. Und die Null-Grad-Grenze hat sich durchschnittlich um 300 Meter nach oben verschoben. "Wenn es vor 40 Jahren gerade noch in Forchheim geschneit hat, dann schneit es heute gerade nur noch so in der Fränkischen Jura", erklärt Foken.

Wird es ein weißes Weihnachten 2020 geben? "Das kann man erst eine Woche vorher zuverlässig sagen", sagt der Wetter-Experte. In dieser Woche strömt relativ milde Luft zu uns. Vielen Experten zufolge hänge alles vom russischen Winterhoch Xavier ab. Manche Modelle gehen davon aus, dass Xavier an Weihnachten kalte Luft herbringt. Schnee sei aber auch dann unwahrscheinlich.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Doch es gibt eine Chance, dass es zum Fest 2020 nach zehn Jahren Schneeabstinenz wieder einmal funkt. Dazu braucht es zwei Bestandteile: Über bodennahe Kälte aus dem Osten muss sich feuchtarme Luft aus dem Mittelmeerraum schieben. Vermischen sich beide Luftmassen über Mitteleuropa, sind im Landkreis Forchheim ergiebige Schneefälle drin. Also können wir vielleicht doch noch hoffen auf Rodeln und Schneeballschlacht.