Am Tag nach dem Familiendrama in Kirchehrenbach sitzt der Schock noch immer tief.

Mit dem Einsatzstichwort "Zimmerbrand" waren die Freiwilligen Feuerwehren Kirchehrenbach, Pretzfeld, Weilersbach und Ebermannstadt durch die Leitstelle Bamberg alarmiert worden, schreibt Sebastian Müller, Kommandant der Feuerwehr Kirchehrenbach, auf deren Homepage.


Keine weiteren Maßnahmen in Kirchehrenbach

"Die Polizei war bereits vor Ort. Die ursprüngliche Meldung bestätigte sich beim Eintreffen nicht", heißt es dort weiter, "allerdings fanden die Einsatzkräfte in dem Gebäude drei tote Personen. Weitere Maßnahmen waren von Seiten der Feuerwehr nicht erforderlich. "

Grundsätzlich steht bei außergewöhnlichen Einsätzen die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Feuerwehren im Landkreis Forchheim zur Verfügung. Das Team der PSNV kommt immer dann zum Einsatz, wenn Fälle auch Nachbearbeitung benötigen, zum Beispiel weil die Situation extrem, unerwartet oder belastend für die Einsatzkräfte war.


Nach dem Familiendrama: Das Team der psychosoziale Notfallversorgung

Das Team der PSNV im Landkreis Forchheim besteht aus 18 Mitgliedern. Stephan Eitner, Fachberater PSNV, arbeitet am Uni-Klinikum Erlangen als Oberarzt, ist aber kein Psychotherapeuth. An der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried werden spezielle Lehrgänge für die psychosozialen Notfallversorger angeboten. Als Fachberater braucht man zusätzlich aber noch einen medizinischen oder psychosozialen Hintergrund. Die anderen Mitglieder sind neben geistlichen Seelsorgern speziell geschulte Feuerwehrmänner und -frauen.

"Unsere primäre Aufgabe ist die Prävention", sagt Eitner. So sei eine Schulung darüber, was passieren und wie damit umgegeange werden kann, fester Bestandteil der Grundausbildung der Feuerwehrler. "Es geht dabei unter anderem um eine mentale Vorbereitung", erklärt Eitner, "denn der Einsatz beginnt nicht erst mit der Alarmierung."


Zwei Arten der Alarmierung des PSNV-Teams in Oberfranken

Die Alarmierung des PSNV-Teams kann dabei auf zwei Arten geschehen. Es gibt Fälle, da wird das PSNV-Team direkt von der Integrierten Leitstelle hinzugerufen. Das passiert, wenn zum Beispiel Großschadenslagen zu erwarten sind, erklärt Eitner. Großschadenslage bezeichnet eine Situation, bei der eine große Zahl von Betroffenen versorgt werden muss. Diese Einsätze sind aber eher selten.

Bei allen anderen Einsätzen kann der Einsatzleiter vor Ort die Notfallversorger alarmieren. Es kann ein längerer Zeitraum vergehen, ohne, dass das Team hinzugerufen wird, sagt Eitner. "In der Regel ist das gut terminierbar", sagt Eitner, "wir versuchen den Termin so nah wie möglich an den Geschehnissen zu organisieren." Die Gespräche finden dann unter Feuerwehr-Kameraden statt. Alle Berater sind also einsatzerfahren und auf Augenhöhe. "Man nimmt eher Hilfe und Tipps von Kameraden an, die ähnliche Situationen erlebt haben", ist sich der Arzt sicher.


Ehrenamtliche Helfer kehren in den Alltag zurück

"Ein Ehrenamtler geht nach dem Einsatz direkt zurück in seinen Alltag und seinen Beruf", so Eitner, "wir bieten einen geschützten Raum, in dem über die verschiedenen Erfahrungen gesprochen werden kann. Das wird einfach mal gebraucht."

Bei Fällen wie dem in Kirchehrenbach werden oft auch Notfallseelsorger gebraucht. Pfarrer Michael Gehret aus Pinzberg erklärt die Vorgehensweise: "Tagsüber werden immer die Ortspfarrer gerufen, da diese die Betroffenen oft schon kennen." Für alle anderen Einsätze gibt es einen Einsatzplan, sodass jeder Notfallseelsorger nur wenige Wochen im Jahr Dienst hat. Ein Notfallseelsorger wird über die Integrierte Leitstelle alarmiert, wenn der Notarzt oder der Einsatzleiter der Feuerwehr das Gefühl hat, dass akute Seelsorge benötigt wird.

Im Landkreis Forchheim ist die Notfallseelsorge ökumenisch und unter den Dekanaten aufgeteilt. "Als Notfallseelsorger kommt man nur einmal", erklärt Gehret, "das ist eher zum Übergang gedacht. Wenn längerfristige Betreuung benötigt wird, dann sind wir da auch die falschen Ansprechpartner."