Blaulicht, Sirene, schnelles Tempo. Ein Einsatz der Feuerwehr bleibt in der Regel nicht unbemerkt und löst dadurch das natürliche Informationsbedürfnis der Bevölkerung aus. Die Menschen möchten wissen, was geschehen ist.

In vielen Fällen lautet die Antwort auf diese Frage aber simpel: nichts. Denn der Einsatz wurde durch einen Fehlalarm ausgelöst; in den meisten Fällen durch eine Brandmeldeanlage.

"2016 sind wir zu 57 unserer etwa 240 Einsätze aufgrund von Brandmeldeanlagen ausgerückt", berichtet Martin Gründl, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Forchheim-Stadt. Paradox daran: Nicht ein einziges Mal hat es wirklich gebrannt. Zumindest wenn man sich an der Definition des bayerischen Innenministeriums orientiert.


Verbranntes Essen ist Fehlalarm

"Maximal war Essen angebrannt", sagt Gründl. "Das gilt als Fehlalarm, solange die Flammen nicht auf die Einrichtung übergreifen." Insgesamt gab es 28 solcher so genannter Täuschungsalarme, die durch Bauarbeiten, Wasserdampf, angebranntes Essen oder ähnliches ausgelöst werden.

Generell unterteilt die Feuerwehr ihre Brandmelder-Einsätze in vier Kategorien (siehe Infokasten). 27 Mal rückte die Forchheimer Wehr zu einem klassischen Fehlalarm aus. Vier davon waren "blinde Alarme", Ursache ein defekter Brandmelder. Bei den anderen 23 Fällen konnte der Grund nicht bestimmt werden.

Sehr wohl bekannt sind aber die Verursacher der beiden böswilligen Alarme 2016. Martin Gründl: "Im Februar wurde ein Hand-Druckmelder vorsätzlich ausgelöst und im Oktober wollte ein LKW-Fahrer nach längerer Wartezeit vor einem Betrieb auf sich aufmerksam machen."


Wohnheim war Schwerpunkt

Am häufigsten lösten Brandmeldeanlagen in der Friedrich-von-Schletz-Straße aus. "Das Wohnheim für Jugendliche war der Einsatzschwerpunkt des vergangenen Jahres" , sagt Martin Gründl über die Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. "Insgesamt fuhren wir zwölf Mal dorthin. Neben einem böswilligen Alarm (Anm. d. Red.: Februar 2016, siehe oben) kam es mehrfach zum Auslösen von Rauchmeldern. Diese Fehlalarme wurden einige Male durch beim Kochen entstehenden Dampf verursacht, in den übrigen Fällen handelte es sich um blinde Alarme."

Weiterhin muss die Forchheimer Feuerwehr auch einige Male pro Jahr aufgrund fehlerhaft anschlagender Rauchmelder zu Pflegeheimen, dem Klinikum sowie zu Unternehmen und Industriebetrieben eilen. "Erkennbare Schwerpunkt gab es in diesen Bereichen 2016 aber nicht", sagt Gründel.

Doch egal, was der Grund ist: Für die Feuerwehr sind solche Einsätze eine zusätzliche Belastung, für die Verursacher ein teurer Spaß. "Wir haben die durch Brandmeldeanlagen verursachten Fehlalarme entsprechend der offiziellen Vorgaben des Innenministeriums gegliedert und weitergegeben", berichtet der Pressesprecher. Die Kosten zu bestimmen und zu verrechnen wiederum ist Aufgabe der Stadt Forchheim. Und zwar keine einfache, wie Roland Brütting erläutert. Wie hoch sie sind, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel davon, wo der Alarm auslöst. "Eine Rechnung fürs Klinikum, zu dem natürlich ein viel größeres Aufgebot geschickt wird, ist höher als bei einem privaten Einfamilienhaus", erklärt der zuständige Mann der Stadtverwaltung, der auch Kommandant der Wehr in Streitberg und Kreisbrandmeister für den Bereich Wiesenttal/Unterleinleiter ist.


Keine Pauschalen in Forchheim

Pauschalkosten für Fehlalarm-Einsätze, wie es sie etwa in Bamberg gibt, sind in Forchheim nicht üblich. "Es kommt immer auf den Einzelfall an", sagt Brütting. "Die Feuerwehr soll ihr Pfund der Freiwilligkeit erhalten, keiner will Gewinn machen. Wir verlangen aber die entstandenen Ausgaben für Diesel, Verschleiß und die Übernahme der Lohnkosten der Einsatzkräfte zurück."
In der Regel verrechnet die Stadt pro Feuerwehrmann und Stunde acht Euro. "Je nach Aufwand kann das aber auch variieren", erläutert Brütting. Im Vergleich mit den Nachbarstädten sei dies ein niedriger Satz, weshalb es Überlegungen gebe, ihn anzupassen. Hinzu kommen die Kosten für die Ausrüstung: Ist aufgrund der möglichen Gefahrenlage eine Drehleiter im Einsatz, kostet diese pro angefragter Stunde 141,80 Euro und für jeden gefahrenen Kilometer zusätzlich 7,30 Euro.

Jedoch sollte sich keiner scheuen, aus Angst vor Kosten den Notruf zu wählen. Brütting: "Brandeinsätze der Feuerwehr sind für den Geschädigten grundsätzlich kostenlos, sie zahlt die Kommune. Es sei denn die Gefahr wurde grob fahrlässig oder vorsätzlich herbeigeführt."


Den Anruf nicht scheuen

Bei Rettungseinsätzen - von der Katze auf dem Baum bis zum Selbstmordgefährdeten auf dem Kirchturm - gebe es in der Regel keine Rechnung. Und bei Fehlalarmen komme es auf die Situation an. "Hört ein Nachbar einen Rauchmelder und ruft an, ehe der Eigentümer diesen ausschalten kann, dann ist das eine andere Situation als der dritte Fehlalarm in einer Firma kurz hintereinander", sagt Brütting.

Er appelliert an die Betreiber von Brandmeldeanlagen, ihre Geräte ordentlich warten zu lassen - auch aus Sicherheitsgründen. "Wenn ständig Fehlalarme vom gleichen Ort kommen, nimmt das die Feuerwehr irgendwann vielleicht auch nicht mehr ganz so ernst und fährt im Zweifel mit einer etwas kleineren Besatzung los."