Die Insekten sind und bleiben die Sorgenkinder, wenn derzeit auch niemand danach ruft. "Es ist nicht da etwas los, wo geschrien wird und es ist nicht alles in Ordnung, wo nicht geschrien wird", sagt Friedrich Oehme, Geschäftsführer vom Bund Naturschutz Forchheim. Auch wenn derzeit kaum auf den Schwund der Artenvielfalt hingewiesen wird, so ist er trotzdem vorhanden. "Es ist schlimm und wird immer schlimmer", sagt Oehme.

Das würden nicht nur die vielen wissenschaftlichen Studien und Untersuchungen zeigen. Um die Artenvielfalt im Landkreis sieht es nicht gut aus. Nicht zuletzt deshalb sammelt auch der Bund Naturschutz Unterschriften für die europäische Bürgerinitiative "Bienen retten". Auch online (www.savebeesandfarmers.eu) kann unterzeichnet werden. "Ziel ist es, dringend eine Agrarwende herbeizuführen, um Lebensräume für die Insekten zu schaffen, aber so, dass auch der Landwirt gut leben kann", erklärt Oehme.

Wildbienen besonders bedroht

Am meisten Sorgen bereiten den Umwelt- und Naturschützern die Wildbienen. Zu ihnen gehören Hummeln und sämtliche Solitärbienen. Aber auch die vielen anderen Insekten, von denen es mehrere tausend Arten gibt, sind gefährdet. Vom Käfer angefangen, bis hin zu den Zweiflüglern, samt Florfliegen.

Im Insektenatlas, ein von der Heinrich-Böll-Stiftung gefördertes Buch, das bei der Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz erhältlich ist, wird umfassend über die Artenvielfalt informiert. Doch nicht zuletzt die europäische Bürgerinitiative zur Rettung der Artenvielfalt zeige, dass die Insekten in der Fläche unterstützt werden müssen. "Es reicht kein Streifen mehr", beteuert Oehme.

Problemfall Landwirtschaft?

Denn die Einflüsse der Landwirte in der Nachbarschaft seien zu groß, so Oehme. Diese hätten den Zwang, viel Ernte zu erwirtschaften. Das gehe nur mit Dünger und sei das sichere Aus für die Insekten. Es reiche nicht, nur kleine Flächen und Balkonkästen insektenfreundlich zu gestalten: "Das ist eine Art Arche Noah", sagt Oehme. Aber es lindert, wenn jeder Einzelne mitmacht. "Denn ein naturnaher Garten kann eine Oase sein."

Wie weit fortgeschritten der Artenschwund bereits ist, weiß Ulrich Buchholz, Vorsitzender der BN Kreisgruppe Forchheim. Mit den Amphibien beginnen seine Untersuchungen. Da fanden bereits Zählungen statt, an der Stelle, an der seit 20 Jahren der Amphibienzug ist - mit erschreckendem Ergebnis.

Bereits im vergangen Jahr habe es eine Reduktion von 50 Prozent gegeben. Nun deutet es auf einen weiteren Schwund um 20 Prozent hin. Und das bei den banalen Arten, der Erdkröte oder dem Grasfrosch.

Immer weniger Schmetterlinge

Weiter bemerkbar mache sich das Insektensterben bei den Schmetterlingen. "Da gibt es einen kontinuierlichen Trend der Abnahme", sagt Buchholz. Auch hier würden sich die Bestände halbieren. Seltene Arten verschwinden komplett und auch die häufig vorkommenden Arten werden immer seltener. "Früher gab es keine Probleme, einen Zitronenfalter zu sehen. Nun wird er schon fast mit Böllern begrüßt", macht Buchholz die Dramatik des Geschehens deutlich.

Dass der Finger immer noch oder erneut auf die Landwirtschaft gezeigt wird, möchte Kreisobmann Hermann Greif nicht gelten lassen. Eine Agrarwende? "Wir haben bereits eine große Umstrukturierung und wir haben noch nie so viele Blühstreifen und Zwischenfruchtanbau für die Insekten gehabt wie jetzt. Auch beim Mähnen schwirrten eine ganze Menge Insekten um uns herum", sagt der Bezirkspräsident des Bauernverbands.

Immer mehr Betriebe würden auf Bio umstellen, mehr als in manchen Produktbereichen gebraucht werden. Es sei der Verbraucher, der mit dem Kaufen nicht nachkomme, fügt Greif an und meint, dass es wenig zielführend sei, wenn der Verbraucher Lippenbekenntnisse mache, aber die allerbilligsten Produkte kaufe. "Mit Preisdumping bio produzieren, funktioniert nicht", sagt Greif.

Verbraucher hat Verantwortung

Die Konzepte zum Schutz der Artenvielfalt seien im ersten Jahr. Die Natur ändere sich nicht sprunghaft. "Wir bemühen uns schon", sagt Greif. Doch beim Bewerten müsse sich der Verbraucher auch an die eigene Nase fassen.

Vor allem aber habe die verkehrsarme Corona-Zeit gezeigt, dass sich doch etwas in der Natur geändert habe, weil weniger Autos fuhren und weniger Flugzeuge am Himmel waren. "Die Landwirte haben nichts anders gemacht. Die Tiere stoßen noch immer dieselben Emissionen aus. Die geänderten Zahlen liegen dann wohl an etwas anderem als an der Landwirtschaft", betont Greif.

Tipps von Kreisbäuerin Rosi Kraus, wie den Insekten geholfen werden kann

Bei den Bäuerinnen haben schön gestaltete Balkonkästen oder Bauerngärten mit insektenfreundlichen Blumen oder Kräutern Tradition. Kreisbäuerin Rosi Kraus gibt Tipps, wie den Insekten geholfen werden kann:

Gefüllt oder ungefüllt? Bienen und andere bestäubende Insekten wie Fliegen, Wespen oder Käfer lieben ungefüllte Blüten. Hier ist der Weg zum nahrhaften Nektar frei. Bei gefüllten Blüten hingegen ist dieser Weg durch viele gezüchtete Blütenblätter versperrt. Sie sind daher für Bienen reine Mogelpackungen! Außerdem haben gefüllte Blüten nur wenige bis gar keine Staubgefäße - hier ist für Bienen nichts zu holen. Gefüllte Blüten findet man bei Chrysanthemen, Dahlien, Astern, Rosen, Akelei, Nelken, Kamelien, Pfingstrosen aber auch bei vielen anderen Arten.

Tipp Wer auf diese Blüten in seinem Garten nicht verzichten will, sollte auf Vielfalt setzen und versuchen, auch die ungefüllten Alternativen anzubieten, wie Wildrose, Fächerblume, Kapuzinerkresse, Verbene, Glockenblume, Wandelröschen, Löwenmäulchen oder duftenden Lavendel. Viele davon eignen sich für den Balkonkasten.

Insektenfreundliche Kräuter Unterschiedliche Thymiansorten, verschiedenfarbige Salbeiarten, sonnenhungriger Basilikum, Rosmarin, Schnittlauch, aber auch Zitronenmelisse sind eine Bereicherung für die Küche. Wie auch Minzearten, Ysop oder Bohnenkraut laden all diese Kräuter - wenn sie blühen - vielerlei Insekten ein, auch wenn sie in Kästen auf dem Balkon gepflanzt sind.

Tipp Wenn Kräuter blühen, verlieren sie einen Teil ihres für uns wertvollen Aromas. Lassen Sie daher einen Teil der Kräuter wachsen und ernten einen anderen Teil regelmäßig ab. So haben alle Interessenten etwas davon.

Bunt schmeckt allen Essbare Blüten sehen schön aus und schmecken auch Bienen und Hummeln. Für den Balkonkasten oder Pflanzkübel eignen sich Kapuzinerkresse oder Ringelblume. Auch viele Erdbeersorten gedeihen gut auf Balkon und Terrasse und bieten Bienen Futter.red