Die Östrogene im Hopfen sind dafür verantwortlich, dass Brauereibesitzer meistens Töchter haben. Davon ist Sigi Friedmann fest überzeugt. Und Gräfenberg gilt in der Tat als das beste Beispiel für diese Theorie: Alle drei Brauereien am Ort sind in Frauenhand – und in der ältesten, der Brauerei Friedmann, steht sogar schon die nächste Juniorchefin in den Startlöchern. Sigis Tochter Barbara studiert seit 2005 Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan. Das war schon von Kindesbeinen an der Traum der 23-Jährigen.

In der Babytrage ins Sudhaus 
Auch wenn heute viel automatisch geht: Das Braugeschäft ist immer noch eine Plackerei und frisst sehr viel Zeit. Deshalb riet Sigi ihrer Barbara stets davon ab, diesen Beruf zu erlernen. „Mein Traum vom Reisen hat sich nie erfüllt. Wir hatten ja nicht mal Zeit für ein zweites Kind. Das wollte ich ihr ersparen“, sagt die Brauereibesitzerin. Nur hatte sie „unglücklicherweise“ die Kleine schon in der Babytrage mit ins Sudhaus genommen – da konnte Barbara später zwangsläufig nicht mehr ohne Hopfen und Malz.
Heute ist sie unter ca. 45 Kommilitonen die einzige Frau in ihrem Semester an der TU München. Und eine von nur drei Studenten, die zu Hause eine eigene Brauerei haben. Seit klar war, dass Barbara einsteigt, hat Mutter Sigi noch einmal fleißig modernisiert und investiert: das Sudhaus, die Filtrieranlage, der Lagerkeller mit den einzeln kühlbaren Stahlfässern – alles neu. „Gott gebe Glück und Segen drein“ – der alte Brauerspruch an der Wand ist für die Chefin keine Nostalgie, sondern ein echtes Bedürfnis.

Vor dem Kaffee einen Schoppen Bier
In diesem Sinne führt sie auch den Betrieb, den sie mit einem Brauer, einem Lehrling, einem Fahrer, zwei Frauen als Abfüllkräften und einer Sekretärin bewerkstelligt. Die Beigabe von Schaumhaltbarkeitsmitteln kommt für sie ebenso wenig in Frage wie das Mixen ihres Bieres zu trendigen Alcopops: „Warum soll ich mein gutes Produkt verpanschen?“ Schließlich legt Sigi Friedmann, die sich am liebsten frühmorgens vor dem Kaffee einen Schoppen Bier genehmigt („Da sind die Geschmacksnerven am besten!), bereits bei den Zutaten auf absolute Spitzenqualität. Die Gerste, die sie in Bamberg speziell für sich vermalzen lässt, stammt aus kontrolliertem Anbau. Auf den Lieferanten kann sich die Braumeisterin verlassen: Es ist ihr Ehemann Hans-Martin Merkel, der in Hiltpoltstein den Agrarhandel seiner Eltern weiterführt und auch Versuchsfelder bewirtschaftet. 
Das Dunkle heißt nach einem Dichter
Mit 6000 Hektolitern pro Jahr hält die Firma auch in schwierigen Zeiten ihren Marktanteil konstant. Hauptsorte ist Pils, nur im Sommer gibt’s ein naturtrübes Lagerbier, im Winter ein Festbier. Das Dunkle heißt „Ritter Wirnt-Bier“ nach einem mittelhochdeutschen Dichter aus Gräfenberg.

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