Die Ankunft am frühen Morgen nach sechs Stunden Flug zeigt die Qualitäten dieses Landes. Die Koffer sind gefüllt mit Diabetes-Material, Spritzen, Insulin, Blutzuckermessgeräte und Teststreifen. Diese erregen Aufsehen am Zoll, aber mit dem Zauberwort "Volounteers of Doctor Gaye" bleiben sie unbehelligt. Die Gambia-Besucher bestehen aus einer Gruppe von Diabetesberaterinnen und betroffenen Menschen mit Diabetes, die für zwei Wochen bei Dr. Gaye als Ehrenamtliche in der Diabetesklinik in Banjul - Hauptstadt von Gambia - arbeiten.

Für die Menschen seiner Heimat

Danach die Fahrt zum Hotel, das Taxi hat eine zerbrochene Windschutzscheibe und als Lichter zwei Taschenlampen. Die Unterkunft in Kotu ist direkt am Meer. Die Temperatur ist in der Winterzeit in Gambia angenehm, nachts kühl, tagsüber 25 Grad. Am nächsten Morgen werden die Freiwilligen von Fahrer Ablei, in Dr.
Gayes kleine Diabetesklinik nach Banjul gebracht. Gaye hat in England Medizin studiert und entschied sich trotz vieler Angebote in Europa, seine Tätigkeit in seinem Heimatland Gambia aufzunehmen, um seinen Landsleuten bei der Behandlung von Diabetes zu helfen.

Er ist Präsident der afrikanischen Diabetesorganisation und Vizepräsident der IDF (international Diabetes organisation). Er hat seit 15 Jahren Kontakt zu deutschen Diabetologen und Selbsthilfegruppen und weilt zur Zeit in Forchheim im Diabeteszentrum. Ohne diese Kontakte könnte er seinem Volk nicht helfen, denn in Gambia gibt es kein Insulin.

Insulin ist aber der Schlüssel zum Leben für Typ 1 Diabetiker, die ohne Insulin sterben müssten. Die Ursache für das Auftreten dieses Diabetestyps ist bis heute weltweit nicht geklärt. Durch Geldspenden werden über einen Hiflsverein Gelder gesammelt und davon wird Insulin eingekauft. Es werden circa 55 Kinder mit Typ 1 im Projekt versorgt, für mehr reiche das Geld nicht. Es stehen jede Woche Eltern mit sterbenskranken Kindern vor der Tür, denen nicht geholfen werden kann. Die Diabetsberaterinnen Ingeborg Schumann und ihre Freundin Carina Gebele aus Freudenstadt wollen im Winter 2015 einen vierten Workshop in Gambia abhalten, um die Krankenschwestern zu schulen. Diese "diabetes nurses" gehen dann ins Land, geben ihr Wissen weiter und bringen den Kindern Insulin, messen den Blutzucker. In Gambia gibt es für Pflegepersonal keine Fortbildungen, sie müssen sogar auf Lohn verzichten, wenn sie an einer Fortbildung teilnehmen möchten.

Die Arbeitsmotivation und Zufriedenheit nach Rückkehr aus diesem armen Land ist wiederhergestellt, wenn man sieht, wie wenig die kranken Menschen dort fürs Überleben benötigen und in welchem Überfluss wir hier leben dürfen. Das Diabeteszentrum von Dr. Krakow hat ein Schulungsprogramm "Linda" ins Englische übersetzen lassen. Es soll 2015 in Gambia eingesetzt werden.

Man fragt sich, was passiert in Gambia mit den Menschen mit Diabetes, deren Zahl am Steigen ist? Wenn sie auf dem Land leben, bleiben sie oft unentdeckt und sterben an der Folgen der Ketoazidose. Wichtig ist eine gute Schulung bezüglich der Lebensmittel, die Insulin benötigen. Die Ernährungspyramide wird mit Bildern vom einheimischen Markt durchgeführt.

Die Gambianer kochen ihr Benechin (Nationalgericht) mit sehr viel ungesundem roten Palmöl, weil das gesunde Erdnussöl nach Europa exportiert wird. Die Diabtesberaterinnen zeigen mit einheimischen Schulköchen, dass der Reis auch mit Wasser gekocht werden kann.

In der Klinik liegen die Patienten mit ihrem Kopfschmuck, der auf das Kleid abgestimmt ist, in ihren Betten. Die Freundlichkeit der Gambianer ist überwältigend. Ihre Freude am Leben, an den Farben und der Natur ist beeindruckend. Die mitreisenden Menschen mit Diabetes können viel Zuversicht bei den Gambianern auslösen und bekommen ein Vielfaches zurück an Lebensfreude, Dankbarkeit und Zufriedenheit.