Auf großes Interesse stieß der Waldspaziergang mit dem Leiter des Forstreviers Oesdorf. Zwei Stunden lang ging es im Rahmen der Waldtage zwischen Adelsdorf und Oesdorf durch die Adelsdorfer Mark vorbei an einer alten Weiherkette. Unter dem Motto "Der Wald als Bestandteil der Kulturlandschaft im Wandel der Jahrhunderte" hatte der Bayerische Staatsforst dazu eingeladen. Der Klimawandel und die Borkenkäfer setzen den Fichten zu. Künftig werden andere Baumarten den hiesigen Lebensraum prägen. "Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Wald schon immer einer Veränderung unterlag", erklärt Erich Daum, "unser Waldbild verändert sich in einer bisher ungekannten Geschwindigkeit, und in wenigen Jahrzehnten wird unser heimischer Wald ein anderer sein." Neben der Nutzung für Baustoff und Brennholz wurde der Wald bis in die 60er-Jahre ausgeplündert. "Die Wälder sahen früher aus wie der Englische Garten", sagt Daum. Viele von den Älteren können sich noch daran erinnern, als der Wald besenrein war. "Der Wald wurde restlos übernutzt", berichtet der Förster.

Mit Fichten aufgeforstet

Da Holz ein begehrtes Gut war und ist, wurden die kahlen Flächen im 19. Jahrhundert vorwiegend mit Fichten aufgeforstet, wohlwissend, dass es sich um eine nordische Baumart mit vielen Problemen wie der Sturmwurfgefahr oder der Borkenkäferproblematik handelt. Aber nicht nur der Mensch sorgte dafür, dass sich das Waldbild veränderte: Auch Schädlinge wie der Buchdrucker ließen und lassen ganze Wälder verschwinden. Große Borkenkäferkatastrophen wie derzeit gab es immer wieder. Auch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer langanhaltenden Borkenkäferplage. Die Ratschläge damals, den Käfer mit in Maschinenöl gelöstem E605 zu bekämpfen, würde man heute wohl nicht mehr umsetzen, meintt Daum. Doch immer wieder machten die Waldbesitzer den Fehler, diese Flächen mit Fichten aufzuforsten. Die Klimaerwärmung stellt sich als zusätzliche Herausforderung heraus. Denn wenn es wärmer wird und in manchen Gegenden auch die Buche und Tanne an ihre Grenzen stoßen, wird es unumgänglich, die Waldflächen mit wärmeliebenden Baumarten wie Eichen, Douglasien, Zedern oder Nussbäumen zu bestocken. Trotz des katastrophalen Ausmaßes, die die Schäden inzwischen erreicht hätten, sei es wichtig, nach Wegen zu suchen, zukunftsfähige Wälder aufzubauen und gleichzeitig neue Konzepte zu entwickeln, die auch für andere Regionen Vorbildcharakter haben können. "Es tut weh", klagt der Förster, "zu sehen, wie unsere Wälder gelitten haben und welche Wertverluste damit einhergehen." Umso wichtiger sei es, nach Lösungen zu suchen und das Beste aus der Lage zu machen. "Im Prinzip haben wir gewusst, was auf uns zukommt", sagt Daum, "neu ist jedoch die Wucht, mit der uns der Wandel trifft."

Tropfen auf den heißen Stein

Die jüngsten Regenfälle sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen, denn in der Tiefe der Böden ist es nach wie vor viel zu trocken. "Wir benötigen vier Wochen Dauerregen, um die Böden etwas nass zu bekommen", weiß der Forstmann. Sorgen bereitet Daum auch das große Grabennetz, dass man in früheren Jahren im Revier gebaut hatte, um den Wald zu entwässern und die noch sichtbare Weiherkette, die als Karpfenteiche genutzt wurde, mit dem Wasser zu speisen. "Heute fällt uns das massiv auf die Füße", konstatiert Daum. In der Zukunft werde die Wirtschaftlichkeit von Wäldern aufgrund des Klimawandels wohl eine neue Dimension bekommen. "Unsere Wälder werden uns eher viel Geld kosten als das sie Ertrag bringen", ist er überzeugt. Beim Gang durch sein Revier zeigt Daum am Boden auf kleine Eichen, die aufgrund natürlicher Aussamung durch den Eichelhäher wachsen. Sie werden vielleicht in zehn Jahren, wenn sich die letzten Nadelbäume in ihre Bestandteile aufgelöst haben, auf dieser Fläche den neuen Wald begründen - in Nachbarschaft mit Traubeneichen und Esskastanien. Für die Teilnehmer war es eine interessante Erfahrung mit dem Hinweis, endlich etwas für den Klimawandel zu tun.